Die FDP ist von der Vorlage des Stadtrats wenig begeistert. «Wieso soll Schlieren hier eine Vorreiterrolle einnehmen?», sagt Parteipräsidentin Barbara Angelsberger. Noch vor knapp drei Jahren habe Stadtpräsident Toni Brühlmann (SP) erklärt, es sei nicht der Zeitpunkt, um sich über muslimische Grabfelder in Schlieren zu unterhalten. Er hätte vor seinem Vorstoss eine breite Diskussion mit den Parteien lancieren sollen, sagt Angelsberger: «Zu allen möglichen Themen werden wir vom Stadtrat informiert, wenn es aber um solch wesentliche Fragen für Schlieren handelt, geht man ohne Wenn und Aber an die Öffentlichkeit.»

Bürger haben Recht auf Bestattung

Arthur Naumann, Parteipräsident des Quartiervereins, erklärt, dass er der Einwanderung und der schweizerischen Einbürgerungspolitik grundsätzlich skeptisch gegenüberstehe. «Wenn man aber jemanden einbürgert, dann kann man ihm das Anrecht auf eine Bestattung in der Schweiz nicht verweigern», sagt er.

Die EVP habe Verständnis dafür, dass in Schlieren Moslems nach ihrem Glauben beerdigt werden sollen, sagt Parteipräsident Reto Bär. Es sei wichtig, dass die Angehörigen ihre Toten regelmässig am Grab besuchen können. «Aber es gibt noch diverse offene Punkte, die sehr genau angeschaut werden müssen.» Bär unterstreicht, dass die Schweiz von Christen geprägt worden sei, und dass sie ihren Glauben auf den Friedhöfen weiterhin ungestört ausleben wollen. «Darum müssen klare Richtlinien erarbeitet werden, bevor die Grabfelder freigegeben werden», sagt er.

Positiv aufgenommen wurde die Ankündigung des Stadtrats von CVP, SP und den Grünen. CVP-Präsident Stefano Kunz betont, dass der stadträtliche Entscheid ein Ausdruck von Respekt gegenüber anderen Religionsgemeinschaften sei. «Es ist das Gebot der Stunde, den muslimischen Mitbürgern eine angemessene Bestattung zu ermöglichen.» Damit leiste die Stadt Schlieren einen substanziellen Beitrag zur Integration.

Wurzeln sollen gewahrt werden

Diese Meinung teilt auch SP-Parteipräsidentin Béatrice Bürgin: Man erwarte von den Einwanderern, dass sie sich in die hiesige Gesellschaft integrieren und sich den Gegebenheiten anpassen. Um sich auf etwas Neues einlassen zu können, sei es wichtig, die eigenen Wurzeln zu wahren. «Den Muslimen zuzugestehen, dass sie nach ihrem eigenen Ritus beerdigt werden können, ist ein wichtiger Schritt auf sie zu», sagt Bürgin.

Ebenfalls positiv stehen dem Vorhaben des Stadtrats die Grünen gegenüber. «Muslime, die in Schlieren wohnen und Steuern zahlen, sollen auch hier ihre letzte Ruhe finden dürfen», sagt Parteipräsident Beat Rüst. Seine Partei unterstütze deshalb den Antrag des Stadtrats.

Die SVP Schweiz steht Projekten für muslimische Grabfelder im Allgemeinen kritisch gegenüber. Die SVP-Schlieren will sich zum Thema aber noch nicht öffentlich äussern, wie Parteipräsident Rudolf Dober am Donnerstag auf Anfrage erklärte. Er möchte er das Thema erst an der Parteiversammlung vom März intern besprechen.