Birmensdorf
Musik von einem Virginal, wie zu Zeiten Elisabeths I.

Anna Buczek Merz überrascht am Neujahrskonzert mit einem alten Instrument. Statt auf einem E-Piano begleitet sich Buczek Merz auf einem Virginal, ein dem Cembalo und dem Spinett ähnliches Instrument.

David Hunziker
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Neujahrskonzert Birmensdorf

Neujahrskonzert Birmensdorf

David Hunziker
Ann Buczek Merz begleitet sich auf dem Virginal

Ann Buczek Merz begleitet sich auf dem Virginal

David Hunziker

Neujahrskonzerte gleichen einem Ritual. In den ersten Januartagen richten sich Einzelmusiker oder Orchester dabei mit einem musikalischen Neujahrsgruss an die Bevölkerung. Üblich sind ein traditionsreiches Repertoire und jährlich wiederkehrende Elemente im Programm. Stellvertretend dafür steht als Mutter aller Neujahrskonzerte dasjenige der Wiener Philharmoniker, bei dem zahlreiche Strauss-Walzer und die immer gleiche Zugabe mit Beteiligung des Publikums zu festen Grössen geworden sind, die in über siebzig Ländern weltweit live mit verfolgt werden.

Selbst geschriebenes Neujahrslied

Auch Anna Buczek Merz, die Organistin der reformierten Kirche Birmensdorf, hat dieses Element in ihrem Programm. Für ihr selbst geschriebenes Neujahrslied wechselt sie jeweils von der Orgel zur Gesangsstimme. Das ursprünglich in Polnisch verfasste Lied singt sie dieses Jahr allerdings auf Deutsch. Und auch die musikalische Begleitung ist anders: Statt auf einem E-Piano begleitet sich Buczek Merz auf einem Virginal, ein dem Cembalo und dem Spinett ähnliches Instrument, das vor allem zur Zeit Elisabeths I. in England eingesetzt wurde.

Aus eben jener Zeit stammen die im zweiten Teil des Programms gespielten Stücke englischer Virginalisten. Komponisten wie John Bull oder William Byrd haben im 16. und 17. Jahrhundert Musik speziell für dieses Instrument geschrieben, das sich aufgrund seiner geringen Grösse gut transportieren und auf einem Tisch platzieren lässt. Es habe sie immer gereizt, ins traditionelle Neujahrskonzert auch überraschende Elemente einzubauen, erklärt Buczek Merz eingangs des Konzerts. Der leichte Ton des Instruments bietet ausserdem angenehme Abwechslung zum ersten Teil des Konzerts, in dem die Orgel im Zentrum steht.

Zu Beginn steht das Virginal noch alleine auf der Bühne unter der Kanzel, Buczek Merz und ihre Mitmusikerinnen haben sich, beinahe unsichtbar, auf der grossen Sängerempore der Kirche platziert. Die Birmensdorfer Querflötistin Regula Braun und Buczek Merz’ Tochter Irena am Cello begleiten und ergänzen das Orgelspiel. Dieses beginnt mit einem monumentalen Orgelwerk Bachs, das aus einer Toccata und einer Fuge besteht. Zwischen den beiden Teilen unterbricht eine Händel-Sonate mit Cello und Querflöte. Dies diene nur der Auflockerung, meint Buczek Merz, da die beiden Werke von Händel und Bach eigentlich wenig miteinander zu tun hätten.

Ein triumphales Finale

Eine Sonate von Mozart, die dieser als Achtjähriger komponiert haben soll, bringt nun Orgel und Flöte zusammen. Um die Flöte nicht zu übertönen, ist die Orgel plötzlich zu einem sanften, verspielten Spiel auf den höheren Pfeifen gezwungen, wobei dem Instrument eine ganz andere Klangfarbe entlockt wird als noch in den Solo-Teilen. Auch bei einer Berceuse von Gabriel Fauré tritt die Orgel im Duett auf. Mit der Querflöte teilt sie sich die Rollen von Klavier und Violine, für die der Franzose das Stück ursprünglich komponiert hat. Im Gegensatz zu Mozart beschrieben die beiden Instrumente hier melancholisch-verträumte Melodien.

Ein klassisches Orgelwerk ist das von César Franck im Jahre 1878 komponierte Pièce héroïque, das den ersten Teil des Konzerts abschliesst. Das Stück fordert der Orgel wieder einer breitere Variation von Klängen ab und wechselt in seinem Verlauf deutlich die Stimmung. Es beginnt düster-bedrohlich, hält sich über weite Teile so und wechselt gegen Schluss in ein triumphierendes Finale.