Schlieren
«Musik soll unter die Haut gehen»

Die «Abendmusik» zog ihr Publikum nicht zuletzt dank einer bemerkenswerten Programmgestaltung in den Bann. Die Stimmung war bedächtig, ergreifend und charmant.

Christoph Merki
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Sie sorgen für stimmungsvolle Abendmusik (v.l.): Beatrice Chrysomalis an der Violine, Erich Plüss am Cello und Edwin Peter an der Orgel. Christoph Merki

Sie sorgen für stimmungsvolle Abendmusik (v.l.): Beatrice Chrysomalis an der Violine, Erich Plüss am Cello und Edwin Peter an der Orgel. Christoph Merki

Weich umgarnend spielten sie, als würden sie die sonntägliche und winterliche Ruhe von draussen in die Kirche tragen. Es waren nicht nur die aus der Feder von Johann Sebastian Bach stammenden Werke, auch die Instrumentenkombination von Orgel, Cello, Violine und Gesang trug zur musikalischen Verführung bei.

Nur schon die Besetzung mit Edwin Peter an der Orgel, Erich Plüss am Cello, Beatrice Chrysomalis mit der Violine sowie den Sängerinnen Susanne Veress und Brigitte Mühlemann liess auf eine qualitativ gute Unterhaltung hoffen. Und: Die Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Die Musizierenden vermochten ihre Begeisterung für klassische Musik in charmanter Weise zu demonstrieren. Während Edwin Peter, ehemaliger Lehrer am Konservatorium in Bern, als Koryphäe an der Orgel gilt, kann auch Susanne Veress, die Schwiegertochter des bekannten Komponisten Sandor Veress, auf eine prägende musikalische Vorgeschichte zurückblicken.

Mal sanft, mal lüpfig

Doch die Stimmung in der katholischen Kirche St. Josef in Schlieren sollte nicht nur bedächtig bleiben. Denn das Quintett hatte nicht nur Stücke bekannter klassischer Vertreter wie Bach, Haydn und Mozart ins Programm aufgenommen, sondern präsentierte auch modernere Stücke von Maurice Ravel und Joseph Rheinberger. Vor allem die für Cello und Violine geschriebene Sonate ermöglichte eine ganz andere musikalische Perspektive. Mal sanft, dann wieder witzig lüpfig zeigte sich Ravels Komposition als bestens gewählter akustischer Kontrast. Ebenso warteten die abschliessenden Stücke des weniger bekannten Komponisten Joseph Rheinberger mit verspielten Überraschungen auf.

«Es war fantastisch»

Während die «Elegie» ergreifend und durchdringend daherkam, erfreute die Orgel mit dem Allegro aus der Orgelsonate 19 in g-Moll die rund 60 Zuhörer in der Schlieremer Kirche mit einem furiosen Konzertschluss. «Rheinbergers Stücke sind auch ein wenig romantisch und eignen sich gut für die Orgel», erklärt Edwin Peter nach dem Konzert. Die nicht alltägliche Zusammenstellung der Komponisten entging auch dem Publikum nicht – durchaus in positivem Sinne. «Es war sehr gut, aber auch speziell, vor allem Ravel», bilanzierte Christa Holdener aus Unterengstringen. «Ich dachte zuerst, das passt nicht, aber es hat gepasst.» Voller Lob zeigte sich auch Rita Brändli aus Schlieren. «Es war fantastisch, eine Zusammenstellung von älteren und moderneren musikalischen Stücken», so die selbst in Chören singende Musikliebhaberin.

Nichts Frommes

Diese Spielerei mit der Musik war so ganz im Sinne der Konzertplanung, wie Edwin Peter verriet. «Man soll Mut zu einer erlebnisschaffenden, farbigen Tonsprache haben», sagte er: «Musik ist nicht etwas Frommes oder Bestimmendes, sondern etwas, hinter dem man stehen kann, Musik soll unter die Haut gehen.»