Auf der Karibikinsel Trinidad 1940 erfunden, fand die Steel Pan-Musik (wortwörtlich übersetzt: stählerne Pfannen) vor einem Vierteljahrhundert ihren Weg ins Limmattal. Die Unterengstringer Steelband «Gin-Gin Drummers» feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Seit ihren Anfängen tritt die Band in der ganzen Deutschschweiz auf und wird diesen Samstag im Restaurant Linde in Weiningen ihr Jubiläumskonzert geben.

Doch zuvor heisst es, proben. Seit sieben Jahren hat sich die Band im Kellergeschoss einer Treuhandfirma eingemietet, wo sie nach 19 Uhr nicht nur lautstark spielen, sondern unter der Woche auch ihre schweren Blechinstrumente lagern kann. Der Proberaum ist unschwer zu finden – schon von der Strasse her sind die hellen Klänge zu hören. Und wenn man sich dann hinsetzt und ihnen zuhört, wippt der Fuss gleich automatisch mit.

Die «Gin-Gin Drummers» am Werk.

Von Mambo bis Cha-Cha-Cha

Heute zählen die «Gin-Gin Drummers» elf Mitglieder. Viele sind Autodidakten, die Routine kam nach ein paar Kursen und jahrelangem Üben. Wohnen tun sie «rund um den Gubrist», in Birmensdorf, Zürich, in Kerzers und im Thurgau. Ihr Repertoire umfasst Lieder aus den Genres Bolero, Calypso, Cha-Cha-Cha, Mambo, Reggae und Samba. Von lateinamerikanischen Klassikern wie «Besame Mucho» und «Bahia Girl» bis zu «In the Mood» und Santanas Evergreen «Smooth». Über die Jahre sei man dem eigenen Stil treu geblieben, sagt der Musikalische Leiter Roland Bühler, der am Schlagzeug den Rhythmus angibt. «Unsere Stücke passen zu den Fässern und ihren Ursprüngen».

Auf die Frage nach ihrem Lieblingsstück werden sich die Bandmitglieder nicht einig. Als Zugabe spiele man momentan aber am liebsten ‹Alma Llanera›, einen mexikanischer Walzer, sagt Soprano-Spielerin Tanja Siebenförcher. Sie ist als 39-Jährige mit Abstand die Jüngste der Band. Doch das macht ihr nichts aus. Die Steeldrum-Szene sei generell eher älter. Viele Junge würden das Instrument nicht kennen und sie verwundert fragen, was in ihrem runden, schwarzen Koffer drin sei, so Siebenförcher.

Ausschnitt aus «In the Mood» der Steelband «Gin-Gin Drummers»

  

Buchstaben statt Noten

Die «Gin-Gin Drummers» warten mit drei Sopranos, zwei Seconds, zwei Baritonen, einem Bass sowie drei Rhythmus-Instrumenten wie einem Schlagzeug und Congas auf. Jeweils einmal pro Jahr komme extra ein Experte aus England vorbei, der das ganze Orchester stimmt. Bühler erklärt: «Wetter, Temperaturen oder eine harte Spielweise können das Metallgefüge der Instrumente und ganze Töne verändern.» Darum bitte man bei Auftritten im Freien immer um einen Schattenplatz.

Auffallend sind die Buchstaben, die auf den Klangflächen einiger Pans geschrieben stehen. Urs Muri erklärt an seinem Soprano: «Das Schöne an diesem Instrument ist, ich kann Musik machen, ohne Noten lesen zu können.» Die Passion für ihre Musik ist den Pan-Spielern anzumerken. «Ich mag die Musik, ob ich sie selber spiele oder ihr einfach zuhöre», sagt Bühler. Auch das Bild von Strand und Ferien, das den «Fässern» anhafte, gefällt ihm. Walter Bächi, der an den Congas steht, hat das Spielen bei einem Ghanaer in den 80er Jahren gelernt. «Es hat seinen Reiz mit baren Händen einen Rhythmus zu kreieren.» Dieser lässt ihn ausserhalb der Proben nicht los. So trommelt er auch mal auf seinem Gartentisch.

Einige Drinks und der Name ist da

Dennoch sind heute nur noch zwei der Gründungsmitglieder von 1992 dabei. Die restlichen Plätze im Orchester besetzten über die Jahre immer wieder neue Leute. Soprano-Spielerin Monica Huber kann sich an die Anfänge gut erinnern: «Zuerst wollten wir uns ja ‹Doktor Birchers Gagaknockers› nennen. Dann einigten wir uns nach ein paar Drinks auf ‹Gin-Gin Drummers›.» Besser als «Stahlpfannenband» sei ihr Name allemal. Die anderen lachen.

Dass die Band so lange bestehen bleiben würde, hätte Huber nicht gedacht. Ihre Erklärung: «Wir haben es eben lustig untereinander.» Die Anekdoten ihrer 25-jährigen Geschichte böten Gesprächsstoff für einen Abend. Baritone-Spielerin Beatrice Völkle erzählt: «Einmal spielten wir für die falsche Hochzeitsgesellschaft auf. Wir warteten angespannt am Steg und als sich ein Schiff näherte, begannen wir zu spielen. Trotz des Missverständnisses freute sich das unfreiwillige Publikum riesig.»

Ausschnitt aus «Besame Mucho» der Unterengstringer Steelband «Gin-Gin Drummers»

An ihrem ersten Auftritt spielten sie gerade mal fünf Stücke. Heute gehen ihre Konzerte bis zu zwei Stunden. «Wir haben einige Fans, die jedes Mal kommen», sagt Siebenförcher. «Und wenn ein Veranstalter uns für eine halbe Stunde bucht, weise ich ihn darauf hin, dass wir gut dreimal solange spielen können, und der Preis derselbe bleibt.» Mit dem Geld, das sie verdienen, leisten sie sich jährlich eine Probewoche am Titisee, wo sie zusammen mit einem Musiklehrer neue Stücke einüben. Auch liessen sie damit extra für das Jubiläumskonzert am Samstag neue T-Shirts drucken, in den Farben Rot, Gelb und Grün. Ganz karibisch eben.