Die neun Kinder stürmen in den mit Neonlicht beleuchteten Raum im Untergeschoss der katholischen Kirche in Birmensdorf. Das Mikrofon ist bereits auf einem Stativ befestigt, darunter soll ein Teppich den Hall im Zaun halten. «Die Kinder sind aufgeregt», sagt Alexander Bayer. Er blickt in Richtung der Kinderschar, die sich erstmals einsingen muss. Der Liedermacher wird mit dem Chor unter dem Titel «Expedition Schatzsuche» eine CD mit christlichen Liedern aufnehmen, die an Erstkommunionsfeiern, Gottesdiensten und im Religionsunterricht Verwendung finden soll. Das erklärte Ziel: eine erfrischende CD-Alternative für Religionspädagogen.

Dass ihre Stimmen bald einem grossen Publikum zugänglich sein werden, dessen sind sich die Kinder bewusst. Dementsprechend aufgekratzt sind sie. Endlich ist es so weit und Bayer fordert sie dazu auf, aus der grossen Kiste einen Kopfhörer zu holen. Dieser wird während der Aufnahmen die Begleitmusik abspielen. Hüpfend und schreiend tun dies die Kinder dann auch. Als – nach nicht wenigen Regieanweisungen – alle optimal auf dem Teppich positioniert sind, die Kleinen vorne, die Grossen hinten, gibt Bayer dem Tontechniker ein Zeichen. Es kann losgehen.

«So laut, wie ihr könnt»

Der Oberschwabe Bayer, der in verschiedenen Schweizer und Deutschen Formationen tätig ist, schrieb die Lieder selber. Diese handeln von Themen wie Bienen, Seilen und Kristallen – natürlich in Verbindung zu Gott. Unterstützt wird Bayer dabei von Tontechniker Tobias Eichelberg. Er sitzt in einem neonpinken Polohemd hinter seinem Computer. Die Miene des Düsseldorfers suggeriert Konzentration.

«Weitersagen, weitersagen, Jesus ist ans Kreuz geschlagen», singen die Kinder. Ihre Blicke wandern nervös zwischen Bayer und Eichelberg hin und her. Nach wenigen Sekunden ist der Spuk schon vorbei. Bayer: «Das war schön. Jetzt machen wir es noch einmal, aber so laut, wie ihr könnt», motiviert er die Schar. Dies müssen sich die Kinder nicht zweimal sagen lassen. In voller Lautstärke geht es in Runde zwei, dann in die dritte. Eichelberger scheint zufrieden. «Wollt ihr eine Kostprobe der Aufnahme hören, nachdem ich sie gedoppelt habe?» Die Euphorie in den Gesichtern weicht der Verwirrung – die zustimmenden Schreie wurden vom Nichtverstehen des Wortes «doppeln» gehemmt. Verdoppeln heisse, dass man zwei Aufnahmen übereinander lege, sodass der Zuhörer meint, es würden doppelt so viele Kinder singen, klärt Eichelberger auf. In den Kindergesichtern stellt sich Zufriedenheit ein, als das wieder und wieder gehörte Klaviersolo von den eigenen Stimmen ergänzt wird.

Nicht perfekt, aber mit viel Begeisterung: Das Kindersingen Birmensdorf Aesch

Nicht perfekt, aber mit viel Begeisterung: Das Kindersingen Birmensdorf Aesch

Kindergerecht, aber nicht kindisch

«Und?», fragt Bayer, «gefällt euch, was ihr hört?» Die ins Mikrofon geschriene Antwort fällt so laut aus, dass der Tontechniker kurz seine Kopfhörer vom Ohr nehmen muss.

Die Lieder sollen kindgerecht, aber nicht kindisch sein, sagt Bayer über seine Werke. Dass die Zusammenarbeit mit Kindern eher schwierig sein soll, würde er nicht unterschreiben. «Die Kinder müssen gleichzeitig an sehr viele Dinge denken. Das ist auch für Erwachsene schwierig.» Tontechniker Eichelberg verweist darauf, dass die Konzentration nach einer Weile nachlässt. «Wenn ich merke, dass zwischen zwei Anläufen keine merkliche Verbesserung im Gesang zu sehen ist, dann verlange ich nicht noch eine weitere Aufnahme», sagt er.

Nach einer kurzen Pause – die Jungs kurven auf ihren Kickboards durch den Hinterhof, die Mädchen unterhalten sich bei den fein säuberlich aufgereihten Trinkgläsern – geht es weiter. «Wir fangen an, fangen was an mit Jesus Christus», dröhnt es aus den Kindermäulern und Bayers Gesichtsausdruck entspannt sich.