Er sagt von sich, dass er ein Getriebener sei. Einer, der das Gefühl hat, niemals angekommen zu sein. Einer, der Angst hat, dass die Zeit nicht reichen wird, um alle seine Ideen umzusetzen. Für eines dieser Ziele hat Thomas Hoffmann nun aber Zeit gefunden. Der Musiker und Dichter hat sein erstes Mundart-Album aufgenommen.

Das zweite Solowerk des Unterengstringers heisst «Uranus Présent» und wird am 22. März getauft. Vorab ist bereits ein Video zur Single «Detroit 94» veröffentlicht worden.

Hoffmann hat damit eine Idee umgesetzt, die ihn schon länger beschäftigt. Seit mittlerweile 15 Jahren steht er mit seiner Band «Acapulco Stage Divers» auf der Bühne. Seine Texte verfasste er bis anhin stets in Hochdeutsch. Das gilt auch für die Songs seines Solo-Debüts «Geboren 1980», das im Herbst 2013 erschienen ist.

Nun war es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. «Die Musik muss für mich interessant bleiben. Auch als Mensch muss man versuchen, neugierig zu bleiben», sagt Hoffmann. Deshalb seien auf seinem jüngsten Werk ausschliesslich Mundart-Songs vertreten.

«Ich wollte versuchen, direktere Texte als bis anhin zu schreiben. Texte, die dem Hörer wenig Platz für Eigeninterpretationen lassen», so Hoffmann. Für den Hörer soll fassbar sein, was er erzähle. Das funktioniere in Mundart anders als auf Hochdeutsch. «Ich wollte für einmal davon loskommen, Metaphern zu verwenden, um ein Gefühl oder eine Situation zu beschreiben», hält er fest.

Mit dieser neuen Herangehensweise nähert sich Hoffmann seinem eigenen Selbstverständnis. «Ich sehe mich als Singer-Songwriter, als einen Geschichtenerzähler», sagt er. Dieser wolle sein Publikum letztendlich auch unterhalten.

Er sei gleichzeitig wahrhaft und charmant, offenherzig aber auch zugeknöpft und unnahbar. «Indem er eine Geschichte erzählt, ist der Singer-Songwriter wahrhaft, denn die Geschichte stammt aus seiner Feder. Wenn er sagt, dass die Erzählung nichts mit seinem eigenem Empfinden zu tun hat, lügt er», so Hoffmann.

In 48 Stunden eingespielt

Das Reizvolle am Geschichtenschreiben sei es, dass man keine Regeln befolgen müsse. «Dass man zwischen Realität und Fantasie keine Grenzen ziehen muss. Und vor allem heisst es, mit seinem eigenem Schmerz und Glück besser umgehen zu können», sagt der Sänger. Und noch etwas zeichne einen Singer-Songwriter aus. «Er muss jederzeit fähig sein, zur Gitarre zu greifen und eine Kneipe mit seinen Songs zu unterhalten», sagt der 35-Jährige.

Rund eineinhalb Jahre hat Hoffmann an den Songs gearbeitet. «Entstanden sind sie in ruhigen Momenten auf der Gitarre», erklärt er. Mühe hat ihm die Umstellung auf Mundart nicht bereitet. «Gewöhnungsbedürftig wurde es erst, als ich mich zum ersten Mal auf Mundart singen hörte, nach 15 Jahren Hochdeutsch», sagt er.

Zumal der Aufnahmeprozess selber auch Neuland für ihn gewesen sei. Mit den «Acapulco Stage Divers» arbeitet er im Bandgefüge. Bei seinem ersten Soloalbum schrieb er zwar auch alle Songs selber, nahm die Musik aber mit befreundeten Musikern auf. «Dieses Mal habe ich sämtliche Instrumente selber gespielt.

Zudem wurde das Album live aufgenommen», so Hoffmann. Bei einem Fehler musste er von vorne beginnen. «Das war eine spezielle Situation.» Auch deshalb, weil das gesamte Album in knapp 48 Stunden an einem Wochenende eingespielt wurde.

Treu geblieben ist Hoffmann seinem Anspruch, unabhängig zu sein. «Ich bringe das Album in Eigenregie raus. Kein Label, keine Promotion-Agentur, keine unnötigen Diskussionen mit Leuten, die andere Ziele verfolgen wie ich», sagt er. Finanziert habe er die Platte mithilfe der Familie. Gewidmet ist sein Werk «Uranus Présent» seinem Vater.

Knappe finanzielle Mittel sind für Hoffmann dennoch kein Hindernis, seine Vorstellungen zu verwirklichen. So erscheint das neue Album in weissem Vinyl. Und auch das Video zur Single «Detroit 94» wollte er unbedingt machen. Alles getreu seinem Motto: «Kunst ist keine Tätigkeit, sondern eine Lebenshaltung.»

Plattentaufe: 22.3. um 20 Uhr in der Lebewohlfabrik in Zürich