Seit sage und schreibe 18 Jahren ist der Schutz des Flachmoors im Dietiker Gebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS) nun schon überfällig. Bereits 1994 setzte der Bund das Flachmoor-Inventar fest und gab den Kantonen drei Jahre Zeit, um die entsprechenden Moore formell zu schützen. Bis heute ist dies in Dietikon noch nicht geschehen. Doch nun geht es endlich vorwärts: Wenn alles gut läuft, könnte bis Ende Jahr eine Schutzverordnung für das Gebiet am Rande des Dietiker Industriegebiets erlassen werden. Sie soll unter anderem regeln, wie nah an das Moor heran gebaut werden darf oder wie hoch die Gebäude in der Nähe sein dürfen.

Dass der Kanton es verpasst hat, das Moor offiziell unter Schutz zu stellen, schien lange Zeit kaum jemanden zu stören. Vor drei Jahren bekam das Thema plötzlich einen Platz auf der politischen Agenda: Im März 2012 sprach sich das Dietiker Stimmvolk nach einem hochemotionalen Abstimmungskampf für den Gestaltungsplan im SLS-Gebiet aus. Dass dieser nach wie vor noch nicht umgesetzt ist, hat mit dem fehlenden Moorschutz zu tun. Der Schweizer Vogelschutz und Pro Natura reichten einen Rekurs ein, indem sie kritisierten, dass der Gestaltungsplan die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände zum Flachmoor nicht einhalte und dass die bis zu 50 Meter hohen Gebäude, die mit der SLS-Planung möglich wären, gegen die Schutzziele verstossen. Der Rekurs ist zurzeit sistiert.

Unterstützung des Kantonsrats

Im Juni 2014 beschäftigte das Dietiker Flachmoor sogar den Zürcher Kantonsrat. Dieser überwies dem Regierungsrat mit überwältigender Mehrheit ein Postulat der beiden SP-Gemeinderätinnen Rosmarie Joss (Dietikon) und Sabine Ziegler (Zürich). Darin verlangten sie von der Regierung, schnellstmöglich eine Schutzverordnung zu erlassen. Das Anliegen fand die Unterstützung aller Parteien ausser der EDU.

Mitte Januar bewilligte der Dietiker Stadtrat einen Kredit über 15 000 Franken für die fachliche Begleitung bei der Ausarbeitung der Schutzverordnung, wie den Stadtratsnachrichten zu entnehmen ist. Der Dietiker Stadtplaner Jürg Bösch bestätigt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung, dass die Zürcher Baudirektion unterdessen einen Entwurf der Schutzverordnung vorgelegt hat. Zu diesem können sich nun die anderen betroffenen Ämter äussern, danach wird er allenfalls nochmals überarbeitet. Wie Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion sagt, soll die öffentliche Auflage der Schutzverordnung dieses Jahr erfolgen. Eine Prognose, wann die Verordnung erlassen werden könnte, will er nicht wagen. Bösch sagt jedoch, der Kanton habe angedeutet, dass es im besten Fall Ende Jahr so weit sein könnte. Dies ist jedoch auch von der Reaktion der Rekurrenten abhängig.

Keine Teilgenehmigung

Nicht mehr zur Diskussion steht laut Bollack die Option, den Gestaltungsplan aufzuteilen in einen Bereich nahe beim Moor und einen Bereich, der vom Moorschutz nicht betroffen ist. Baudirektor Markus Kägi (SVP) hatte noch vor einem Jahr gesagt, man setze auf diese Variante. Wie Bollack nun sagt, sei der Vorschlag für eine Teilgenehmigung von den Rekurrenten aber nicht gestützt worden. Daher werde der Gestaltungsplan erst überarbeitet, wenn die Schutzverordnung rechtskräftig ist.
Der Dietiker Stadtplaner geht davon aus, dass der SLS-Gestaltungsplan aufgrund des neu erlassenen Moorschutzes nur in wenigen Punkten angepasst werden muss. Der Gestaltungsplan wird jedoch auch auf die Schutzverordnung verweisen – und diese muss laut Bösch alle Auflagen und Einschränkungen enthalten, welche die betroffenen Grundeigentümer im Umfeld des Flachmoors in Kauf nehmen müssen. «Dies mindert das Risiko weiterer Rekurse gegen den Gestaltungsplan erheblich.»