Schlieren

Monica Zürcher: Aborigines haben ihre Sicht verändert

Die Künstlerin Monica Zürcher zeigt in der Ecofaubourgs-Siedlung ihre Fotografien. Viele Inspirationen holt sie sich im Ausland; einen grossen Teil davon in Spanien.

Die Ecofaubourgs-Siedlung in Schlieren ist besonders. Zur neuartigen Wohnform gehört etwa eine Coachin, die die heterogene Bewohnerschaft zusammenführt und berät. Nebst 94 Mietwohnungen bietet das Quartier zudem auch Ateliers, einen Aktionsraum, Gemeinschaftsräume, eine Kinderkrippe, Gemeinschaftsgärten und eine Gästewohnung für Besucher.

Da passt es, dass die zweite Ausstellung überhaupt, die im Aktionsraum gezeigt wird, in eine eher avantgardistische Richtung geht. Zu sehen sind dort noch bis zum 12. April experimentelle Fotografien der Künstlerin und Fotografin Monica Zürcher.

Oder wie es der Schlieremer Gemeinderat Nikolaus Wyss in seiner Laudatio anlässlich der Vernissage vom Mittwoch sagte: «Sie ist die Kamerafrau mit dem Extrawinkel.» Der ehemalige Rektor der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern hat nur bewundernde Worte für Zürcher übrig. Während ihrer Zeit als Kamerafrau bei SRF habe sie sich immer die Mühe gegeben, die Bilder aus einer speziellen Perspektive, einem anderen Winkel aufzunehmen, sagte Wyss.

Diese besondere Art der Fotografie machte neugierig. Die Vernissage war gut besucht, ganz zur Freude von Siedlungs-Coachin Sabine Ziegler. «Es gab auch schon Abende, da stand ich fast alleine da», hielt sie fest. Ganz alleine war auch die Künstlerin nicht gekommen. Zur musikalischen Untermalung des Abends war der spanische Gitarrist Alexander Gil eingeladen. Das hatte eine gewisse Logik. Denn am Strand in Spanien hat Zürcher einen Teil ihrer Fotos aufgenommen. «Einen Monat lang sass ich da, fotografierte und habe spannende Menschen getroffen», sagte sie.

Gedichte zu den Bildern

Überhaupt holte sich Zürcher viele Inspirationen im Ausland. Mit ihren aktuellen Werken, die mit Langzeitbelichtung fotografiert sind und daher verzerrte, streifenartige Bilder ergeben, wollte sie in dreissig Sekunden den Moment mit dem Ort in Verbindung setzen. «Ich möchte in meinen Fotos andere Welten transformieren, dann sind sie eben keine Fotos mehr, sondern Bilder», erklärte sie.

Die Ausstellung trägt den Titel «T’Raum-Zeit Reflektionen», da die Künstlerin oft ihre Träume in Foto-Kompositionen einfliessen lässt. Als Ergänzung zu den Bildern hat Zürcher Gedichte verfasst, die am Eingang der Ausstellung an einer Wand hängen. Die Themen Raum und Licht spielen dabei häufig eine Rolle. Den Grossteil der Ausstellung bilden Fotos, die sie mit einer oder mehreren starken Lichtquellen aufnahm. So ist eine Serie von Bildern mit grünlichem Hintergrund und einem gelben Streifen, der in verschiedenen Formen erscheint, das Ergebnis eines Abends mit einer Kerze.

Zürcher hängt ihren Fotoserien. «Sie sind, wie meine Kinder», sagt sie. Deshalb überlege sie sich, die Fotos, die zusammen gehören, nicht mehr einzeln zu verkaufen. Hinter diesem Gedanken steht eine Reise nach Australien zu den Aborigines. Es fasziniere sie, wie in der Geschichte der Ureinwohner Höhlenmalereien gezeichnet, aber gleich wieder übermalt worden seien. «So bekommt das einzelne Bild nicht mehr so ein Gewicht», hält sie fest. Genau so ist es bei ihren Serien. Sie ergeben nur im Zusammenhang Sinn.

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