Unterengstringen
Monica Hollenweger hält das Limmattal mit dem Bleistift fest

Künstlerin Monica Hollenweger zeichnet schon seit ihrer frühen Kindheit. Momentan widmet sie ihre Bleistift-Zeichnungen hauptsächlich historischen Limmattaler-Häusern.

David Egger
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"Ich male einfach drauf los", sagt Monica Hollenweger. Und alle anderen staunen, was sie mit dem Bleistift alles zustande bringt...
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Monica Hollenweger und ihre Zeichnungen
Auch die Stadt Zürich hat Hollenweger schon aus verschiedenen Perspektiven gezeichnet.
Hier hat Hollenweger den Zürcher Sonnenberg gezeichnet.
Auch das Winzerhaus in Weiningen wurde von Hollenweger schon verewigt.
Hollenwegers Bleistiftzeichnung vom Picknickplatz beim Kloster Fahr.
Auch die alten Häuser in Weiningen haben es Monica Hollenweger angetan.
Monica Hollenweger nutzt auch Farbstifte. Hier hat sie einen Waldweg gezeichnet, auf dem sie oft mit ihren Hunden unterwegs ist.
Das kleine Haus in der Mitte war früher das erste Schulhaus von Unterengstringen.
Das alte Schmiderhaus steht heute noch in Unterengstringen.
Diese Unterengstringer Scheune wurde zwar abgerissen, doch auf Monica Hollenwegers Bleistiftzeichnung lebt sie noch weiter. Wo die Scheune stand, entsteht heute das neue Gemeindehaus.
Hier hat Hollenweger das Schloss Lenzburg gezeichnet.

"Ich male einfach drauf los", sagt Monica Hollenweger. Und alle anderen staunen, was sie mit dem Bleistift alles zustande bringt...

Ein uraltes Telefon mit Wählscheibe steht auf einer Holzkommode in Monica Hollenwegers Wohnzimmer. Auch der Fernsehapparat gleich daneben ist nicht gerade das neuste Modell aus der Hochglanzwerbung.

«Wenn Sie sich hier umschauen, haben Sie sicher gemerkt, dass ich das Alte mag», sagt Hollenweger. Damit beschreibt sie zugleich ihr künstlerisches Leitmotiv: Seit einigen Jahren ist sie auf der Pirsch nach geschichtsträchtigen Bauten, um sie mit dem Bleistift festzuhalten – so detailgetreu, dass sich die Augen minutenlang in ihren Bildern verlieren können.

«Ich will die Realität abbilden. Und ich bin der Meinung, dass man das Licht und die Farben auch mit einem Bleistift abbilden kann», sagt Hollenweger. Und tatsächlich bringt sie eine Vielzahl von Schattierungen und eine räumliche Tiefe zustande, die ihre Bilder alles andere als eintönig wirken lassen.

Mit dem Wellensittich fing alles an

Gezeichnet hat Hollenweger – wohnhaft in Unterengstringen, aufgewachsen in Oberengstringen – schon von Kindsbeinen an: Per Telefon hat ihre Mutter, für die damalige Metzgerei Heinrich, von Zuhause aus Fleisch an die Restaurants verkauft. Klein Monica schaute ihr zu, wie sie die Bestellungen mit Bleistift festhielt. Und wenn die Mutter die gelben Preislisten nicht mehr brauchte, erhielt die Tochter die Papiere, um deren leere Rückseiten vollzuzeichnen. Natürlich mit Bleistift.

Von Anfang an zeichnete Monica Hollenweger vor allem Tiere, zum Beispiel auch den Wellensittich, den sie mit sechs Jahren erhielt. Das Zeichnen war ihr stets eine wichtige Beschäftigung. Denn mehrmals durfte Monica Hollenweger monatelang das Haus nicht verlassen, auf Anraten des Arztes. Denn als Kind war sie häufig erkältet, ein halbes Jahr lang machte sie eine schwere Lungenentzündung durch.

Am Beispiel des Schlosses Lenzburg zeigt Monica Hollenweger, wie sie zeichnet - hier der erste Schritt.
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Schloss Lenzburg, Schritt 2.
Schloss Lenzburg, Schritt 3.
Schloss Lenzburg, Schritt 4.
Schloss Lenzburg, Schritt 5.
Hier hat Hollenweger das Schloss Lenzburg gezeichnet.

Am Beispiel des Schlosses Lenzburg zeigt Monica Hollenweger, wie sie zeichnet - hier der erste Schritt.

Ein anderer Termin bei den Medizinern war da schon wesentlich erfreulicher: Als Monica Hollenweger, heute dreifache Grossmutter, ihre erste Tochter gebar, begann sie noch im Spitalbett, das neue Familienmitglied abzuzeichnen. Es war der erste Wechsel ihres Leitmotivs: Statt Tiere malte sie nun Menschen.

Und als die beiden Töchter auszogen und Hollenweger wieder mehr Zeit für sich hatte, kam der nächste Schritt. Die heute 54-Jährige bildete sich an der Schule für Gestaltung weiter, kam so zur Aktzeichnerei und erhielt mehr Gefühl dafür, auch Bewegungen abzubilden.

Doch ihre Zeichnungen waren Hollenweger noch nicht dreidimensional genug. Darum liess sie sich auch noch in die Kunst der Bildhauerei einführen. «So erhielt ich das Auge dafür, räumliche Tiefe besser zu erkennen und darzustellen», sagt Hollenweger. Nun war sie bereit, mehr zu zeichnen, als Tiere und Menschen. Stattdessen auch komplexe Situation wie die Zürcher Bahnhofstrasse mit ihrer ganzen Hast. «Wer Städte zeichnen will, muss Menschen zeichnen können», sagt Hollenweger.

Heute Abend startet ihre Ausstellung

Die Vernissage zur Ausstellung «Alte Häuser und Gassen erleben» beginnt heute um 19 Uhr im Singsaal des Schulhauses Büel in Unterengstringen. Gezeigt werden Bleistift- und Farbstift-Zeichnungen von Motiven aus Unter- und Oberengstringen, Weiningen und Zürich. Ab zirka 1500 Franken lassen sich auch Bilder kaufen. Weitere Öffnungszeiten:

- Sa., 19.11., 13 bis 17 Uhr

- So., 20.11., 13 bis 17 Uhr

- Do., 24.11., 17 bis 20 Uhr

- Fr., 25.11., 17 bis 20 Uhr

- Sa., 26.11., 13 bis 17 Uhr

Einige ihrer Bilder von Zürich zeigt Hollenweger auch in ihrer neusten Ausstellung. Dazu diverse historische Limmattaler Häuser, zum Beispiel auch die Scheune in Unterengstringen, die abgerissen wurde, um den neuen Gemeindehaus Platz zu machen. Auf Hollenwegers Papier lebt die Scheune weiter. Die Ausstellung ist erst ihre dritte, ihre erste hatte sie im Jahr 2000. Doch bald stellt sie regelmässig aus: Denn 2017 eröffnet sie ein Atelier an der oberen Hönggerstrasse in Unterengstringen. Und so wird die Hausfrau vollends zur Künstlerin. Am Verkauf ihrer Bilder liegt ihr aber nicht viel, auch ihre Ausstellung gibt es nur, weil Freunde es ihr empfohlen haben, nachdem sie die Bilder sahen.

Auch mal 15 Stunden für ein Bild

Für ihre Zeichnerei schwört Hollenweger auf Caran-d’Ache-Bleistifte. Vor manche Motive sitzt sie einen Nachmittag hin und zeichnet sie ab, andere fotografiert sie und zeichnet dann zu Hause auch mal 15 Stunden an einem Bild. «Ich male einfach drauf los», sagt Hollenweger und zeigt Fotos von der Entstehung eines Bildes. Sie zeichnet nicht zuerst die Grundstrukturen, sondern von links nach rechts, von oben nach unten. «Meine Bilder breiten sich aus wie Tintenkleckse», sagt Hollenweger. Dabei lässt sie sich von nichts stören: «Ich habe kein Handy. So kann ich mich aufs Malen konzentrieren.»