Birmensdorf
Modelleisenbahn-Markt lässt das Herz der «Bähnler» höher schlagen

Die Reppischtaler Eisenbahnamateure lockten am Samstag Hunderte «Bähnler» zum Modelleisenbahnmarkt im Gemeindezentrum Brüelmatt. Mit ein bisschen Geduld liessen sich am Markt lang gesuchte Teile finden.

Sebastian Schanzer
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Modelleisenbahn
7 Bilder
Alte Dampflokomotiven sind besonders beliebt
Auch Hugo Grauf, Präsident des Modell Bahn Clubs Dietikon schaut sich um
Auf die Betriebsnummer in der Mitte des Wagens kommt es an
Christoph Müller und Christoph Müller, beide Jahrgang 1984, haben sich über ihr Hobby kennen gelernt
Ein Verkäufer aus dem Tessin bietet Tessinerhäusschen an
Kleine Verschnaufpause für den Miniatur-Bauarbeiter

Modelleisenbahn

Sebastian Schanzer

Es ist kurz vor fünf Uhr am Bahnhof Mühlebach. Eine alte Dampflokomotive fährt ein. Auf dem Perron steht der Samichlaus mit mehreren Säcken voll Süsswaren und beschenkt ein Kind. Hinter den beiden sitzt ein Mann im Café und bestellt sich ein Getränk bei der für Wintertemperaturen allzu sommerlich gekleideten Serviertochter.

Die Szene ist freilich nicht echt, sondern im Verhältnis 1:87 vom Modelleisenbahn Club Basel nachgestellt. Zu bestaunen war diese Anlage am Modelleisenbahnmarkt im Gemeindezentrum Brüelmatt in Birmensdorf, wo am Samstag Händler und Liebhaber auf rund Achtzig Tischen ihre Lokomotiven und Wagen zum Verkauf anboten.

Ein Hobby für Geduldige

«Es gibt hier viele Sachen, die man in den Läden nicht mehr findet», sagt Christoph Müller, leidenschaftlicher Bähnler aus dem Zürcher Unterland. Mit seinem gleichnamigen Kollegen stöbert er durch das Angebot, in der Hoffnung, irgendwo auf ein «Schnäppchen» zu stossen.

«Momentan suche ich nach einem 2.-Klasse-Wagen mit einer bestimmten Betriebsnummer», sagt Müller. «Man braucht allerdings viel Geduld als Bähnler. Nach einer bestimmten Lokomotive war ich fünf Jahre lang auf der Suche, bis ich sie endlich gefunden hatte.» Die nötige Geduld sei auch ein Grund, warum sich nur wenig junge Leute für dieses Hobby interessieren, vermutet der Dreissigjährige. «Man muss suchen, planen, basteln und kann nicht einfach die komplette Anlage im Internet bestellen.»

Eine schöne Lokomotive geht an solch einem Modelleisenbahnmarkt auch gerne einmal für 500 Franken und mehr über den Tisch. «Der Preis definiert sich hauptsächlich über das Material, den Detaillierungsgrad und die Auflage eines Modells», erklärt Müller. «Eine Lok aus Metall mit filigranem Ausbau ist teurer als eine aus Kunststoff», sagt er. Das Modell sei immer ein Kompromiss, es solle aber möglichst nahe an der Realität sein. Die SBB fahren auch nicht mit Wagen aus Plastik.»

Es zischt, pufft und raucht

Neuere Lokomotiv-Modelle verfügen zu diesem Zweck über eingebaute Lautsprecher. Sie können zum richtigen Zeitpunkt Bremsgeräusche, Bahnhofsdurchsagen oder Schaffnerpfiffe wiedergeben, wie Peter Buri pensionierter Hobbyverkäufer aus Engelburg SG, erklärt. «Die Leute lieben es, wenn es zischt, pufft und raucht», sagt er.

Buri freut sich auch darüber, dass Anlässe wie der Modelleisenbahnmarkt in Birmensdorf noch durchgeführt werden. «Viele Leute kaufen ihre Modelle heute über Ricardo und Ebay. Dabei geht das Zusammengehörigkeitsgefühl ein wenig verloren.» Dennoch ist er an diesem Samstag sehr zufrieden über die Besucherzahl. Um zehn Uhr morgens war das Gemeindezentrum Brüelmatt bereits «pumpevolle».