Mode ist ein Milliardengeschäft und ihr Einfluss sucht seinesgleichen, sei es in der Produktion, in der Werbung oder im heimischen Kleiderschrank. Hinter Farben und Formen verbergen sich Träume und Kalkül. Und bei einem Grossteil der Kleider darf durchaus von «Einweg-Produkten» die Rede sein. Doch auch Kleidung aus zweiter Hand erfreut sich hoher Beliebtheit. Mode-Ikone Coco Chanel sagte einst treffend: «Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist. Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kleider wegwirft, nur weil Frühling ist.»

Dieser Meinung ist auch Isabelle Rebierre, Inhaberin des Secondhand-Shops «Find it». In Schlieren führt sie seit rund zwei Jahren ihr Geschäft, das «Secondhand aus erster Hand» für Damen verspricht. Das Ambiente ist das einer Boutique, in der es qualitativ hochstehende Einzelstücke von der Handtasche bis zum Abendkleid zu erschwinglichen Preisen gibt. «Ich lege grossen Wert darauf, dass sich meine Kundinnen wohlfühlen», so Rebierre. Aktuelle Modetrends sind bei ihr ebenso anzutreffen wie Kleidung, die der Saison entspricht. «Eine Nietenjacke aus den 80er-Jahren würde ich aber nicht ins Sortiment nehmen, da meine Kundschaft sich nicht dafür interessiert» sagt die Geschäftsfrau lächelnd. Fast alle Stücke bietet Rebierre in Kommission an – nicht verkaufte Ware geht an die Besitzerin zurück.

Die Konkurrenz aus dem Netz

Auch Rebierre spürt den Wandel der Zeit. Es sei heute einfach, Kleider im Internet zu bestellen. Online-Händler würden sich mit Billig-Preisen unterbieten. So leiden nicht nur herkömmliche Modegeschäfte an rückläufigen Kundenzahlen, sondern auch Secondhand-Shops. Dies bestätigt auch die Inhaberin des Geschäfts «Quasi neu» in Uitikon, die ihren Namen hier nicht öffentlich nennen und stattdessen ihre Arbeit in den Vordergrund stellen will: Seit 18 Jahren werden in ihrem Geschäft Marken und Designer-Artikel verkauft. Neben dem Internet spiele auch die Altersfrage eine Rolle, wie sie weiter erklärt; der Kundenkreis werde stetig kleiner – was ihrer Lust am Secondhand-Geschäft aber keinen Abbruch tut.

Rebierre will der Online-Konkurrenz Paroli bieten. Damit sie sich auf ein attraktives Ladenangebot konzentrieren kann, arbeitet sie mit einem auf sie zugeschnittenen Bewirtschaftungssystem. Regelmässige Anlässe mit Kundinnen dienen ebenso der Werbung. Aber Rebierre weiss auch, dass sie sich dem Internet nicht entziehen kann: «Neben meiner Website, die schon online ist, plane ich auch ein Facebook-Profil, um meine Produkte anzubieten.»

Präsenz in sozialen Medien

Den Schritt ins grösste soziale Netzwerk hat Susanne Zimmermann bereits gemacht. Sie führt den Secondhand-Laden «s’Träumli 29» in Geroldswil, in dem wenig getragene Marken-Kleider und Accessoires von Liebeskind bis Louis Vuitton je nach Saison angeboten werden. Auch sie setzt mit ihrem Konzept auf eine Boutique.

«Ich stelle oft Bilder ausgewählter Stücke auf Faceboook», so Zimmermann, deren Ware ebenfalls in Kommission verkauft wird. Sie weiss, dass «Likes» nicht das Mass aller Dinge sind, sondern die Präsenz. «Oft besuchen mich Kunden, die das Bild gesehen haben, aber meiner Seite nicht folgen.» Ihre weiteren Erfolgsaspekte sind Anlässe wie «Cüpli, Häppli, Schnäppli», regelmässige E-Mail-Newsletter sowie ein feines, kleines Herrensortiment im Untergeschoss.

Rebierre und Zimmermann sind gefordert, um sich mit ihren Boutiquen auch weiterhin behaupten zu können. Denn Secondhand-Geschäfte im Limmattal sind rar geworden.

Secondhand-Paradies Dietikon

Wenn keine Boutique in der Nähe ist, gibt es andere Möglichkeiten, um in der Region an Secondhand-Kleidung zu kommen. Dietikon bietet diesbezüglich ein grosses Angebot. Eine der Top-Adressen ist etwa das Brocki-Land, das auf einer ganzen Etage zum Rumstöbern einlädt. «Diese Abteilung ist immer gut besucht», so eine der vielbeschäftigten Verkäuferinnen. Sortiert nach Farbe und Geschlecht, werden alle Stücke zu Mini-Preisen angeboten, ausser es handelt sich um einen Pelzmantel oder ein Hochzeitskleid.

Eine Erfolgsgeschichte in Sachen Secondhand ist auch der samstägliche Dietiker Flohmarkt auf dem Kirchplatz – quasi ein Schnäppchenparadies und Handelsplatz für Hobbyverkäuferinnen. Gross war der Aufschrei vieler Standbetreiber, als es zu Beginn letzten Jahres hiess, es dürfe keine Kleidung mehr verkauft werden. Ein Missverständnis, wie sich herausstellte. Klamotten sind dort wieder gern gesehen.

Und auch was Kinderkleidung betrifft, gibt es im Limmattal einige Möglichkeiten, um die Garderobe auf den neusten Stand zu bringen: Viele Elternvereine in der Gegend organisieren Kinderkleiderbörsen.

Das Tragen von Kleidung aus zweiter Hand bleibt «en vogue». Doch müssen sich auch Secondhand-Boutiquen dem Zeitgeist stellen. Dabei hilft ihnen, dass sich die Mode zwar stets wandelt, aber immer wieder frühere Stile zitiert. Schon Karl Lagerfeld gab zu verstehen: «Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.»