Dietikon
Mobilität soll besser organisiert werden

Mit dem Velo zur Arbeit statt mit dem Auto. Die Stadt Dietikon spendiert grösseren Firmen eine Beratung, die zum Umdenken anregen soll.

Bettina Hamilton-Irvine
Merken
Drucken
Teilen
Indem Veloabstellplätze und Duschen bereitgestellt werden, sollen Mitarbeitende motiviert werden, statt mit dem Auto mit dem Velo zur Arbeit zu fahren. ZVG

Indem Veloabstellplätze und Duschen bereitgestellt werden, sollen Mitarbeitende motiviert werden, statt mit dem Auto mit dem Velo zur Arbeit zu fahren. ZVG

Limmattaler Zeitung

Frau Müller fährt mit dem Auto zur Arbeit. Ihr Parkplatz in der Tiefgarage am Arbeitsplatz wird von der Firma finanziert. Herr Meier nimmt den Bus, um zum Büro zu gelangen. Ihm bezahlt die Firma nichts. Frau Weber fährt mit dem Velo zur Arbeit. Das Unternehmen stellt ihr weder einen Abstellplatz noch eine Dusche zur Verfügung.

Dass diese Situation nicht ganz fair erscheint, ist nicht das einzige Problem dieses fiktiven Beispiels. Dass auf diese Art Anreize für Mitarbeitende geschaffen werden, den Arbeitsweg mit dem Auto zu bewältigen, ist auch ökologisch nicht sinnvoll sowie für das entsprechende Unternehmen ziemlich sicher teurer.

Den Anfang machte Stadt Zürich

Hier will die Stadt Dietikon nun ansetzen, wie Jürg Bösch, Leiter des Stadtplanungsamtes Dietikon, erklärt: «Es geht darum, Unternehmen zu motivieren, ihre Mobilität effizienter abzuwickeln.» Dies kann auf verschiedene Art und Weise geschehen: Die Möglichkeiten reichen von Carsharing über Parkraumbewirtschaftung bis zur Förderung des Langsamverkehrs oder einer gerechteren Verteilung der finanziellen Unterstützung der Firma an die Mobilitätskosten ihrer Mitarbeitenden.

Gemäss Bösch wäre ein Ansatz, dass sich eine Firma an den Reisekosten von Mitarbeitenden beteiligt, die mit öffentlichem Verkehr unterwegs sind, während Autopendler etwas an ihren Parkplatz bezahlen. Daneben könnten Geschäftsautos sowie Parkplätze, die nicht täglich in Gebrauch sind, geteilt werden.

Die Idee des Mobilitätsmanagements stammt jedoch nicht von der Stadt Dietikon selber: In der Stadt Zürich wird das entsprechende Programm unter dem Namen «Mobilität im Unternehmen» bereits seit 2006 erfolgreich durchgeführt. In den ersten vier Jahren haben bereits über 120 Unternehmen die angebotene Beratung in Anspruch genommen. Aufgrund des grossen Interesses hat der Kanton das Programm schliesslich übernommen.

Die Stadt Dietikon ist neu Partnerin der Initiative. «Als Energiestadt, die das Goldlabel anstrebt, ist es unser Auftrag und unsere Überzeugung, die ansässige Wirtschaft in nachhaltigen Mobilitätslösungen zu unterstützen», sagt Stadtpräsident Otto Müller. Dazu hat der Stadtrat bereits einen Kredit von 15000 Franken für die nächsten zwei Jahre gesprochen. Damit wird Firmen mit Sitz in Dietikon und mehr als 75 Mitarbeitenden ermöglicht, erste Mobilitätsberatungen – so genannte «Impulsgespräche» – kostenlos in Anspruch zu nehmen. Einen Brief, in dem sie dazu eingeladen werden, verschickt die Stadt Dietikon den rund 40 infrage kommenden Firmen in den nächsten Tagen.

30 Prozent stiegen um

Dass Mobilitätsmanagement wirklich funktioniert, weiss Bösch aus eigener Erfahrung: Vor mehr als zehn Jahren hat er für die ABB in Baden ein Pionierprojekt zu diesem Thema betreut. Dabei habe man unter anderem mit Fördermassnahmen den öffentlichen Verkehr unterstützt, Duschen eingebaut, ein Pool-System in der Tiefgarage sowie ein Zonenmodell eingeführt, bei dem Mitarbeitende, die sehr nahe wohnten, keinen Parkplatz mehr erhielten.

«Das Projekt hatte durchschlagenden Erfolg», so Bösch: Am Schluss seien von rund 2000 Mitarbeitenden 80 Prozent mit öffentlichem Verkehr, Velo oder zu Fuss zur Arbeit gekommen – zuvor waren es bloss 50 Prozent.

«Wir müssen auch im Limmattal in diese Richtung gehen», ist Bösch überzeugt. Angesichts der stark zunehmenden Zahl von Arbeitsplätzen sei dies aus ökologischer Sicht wichtig. Daneben kommt es der Stadt Dietikon jedoch auch entgegen, wenn sie sich zu diesem Thema frühzeitig in Stellung bringt. Im Rahmen der Vorlage zum Gebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt, die vom Gemeinderat bereits angenommen wurde und kommendes Jahr an die Urne kommt, werden grössere Firmen zu einem Mobilitätsmanagement verpflichtet.

Schlieren ist auch interessiert

Auch in Schlieren ist man am Thema interessiert, wie Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin sagt. «Wir werden ein ähnliches Modell wie Dietikon fahren», so Brühlmann. Man arbeite «mit Hochdruck» am Thema – für die Einführung sei jedoch noch ein Stadtratsentscheid nötig.