Schlieren
Mobile Restaurants: Foodtrucks mischen den Markt auf

Der chromglänzende Wohnwagen von «401 dishes» fällt auf zwischen den Autosalons in Schlierens Industriegebiet. Jeden Donnerstag macht das Unternehmen hier Halt, um für die Angestellten der umliegenden Firmen vor Ort Mittagsmenüs zuzubereiten.

Franziska Wagner
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Das Start-up-Unternehmen «401 dishes» serviert in Schlieren über Mittag Essen aus dem Wohnwagen. Franziska Wagner

Das Start-up-Unternehmen «401 dishes» serviert in Schlieren über Mittag Essen aus dem Wohnwagen. Franziska Wagner

Franziska Wagner

Damit erfülle «401 dishes» das Bedürfnis der arbeitenden Bevölkerung nach einem gesunden Mittagessen, sagt Regula Imholz, Geschäftsführerin des Start-up-Unternehmens. Das Team setzt sich aus Gastro- und Management-Fachleuten zusammen und hat sich eingehend damit beschäftigt, wie sich Menschen in Zürich und Umgebung am Mittag verpflegen möchten.

Dass das Unternehmen damit offensichtlich den Nerv der Zeit trifft, zeigen auch Untersuchungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) im «Schweizerischen Ernährungsbericht». Wer zum Mittagessen nach Hause geht, gehört längst zu einer Minderheit. Die Mehrheit der arbeitenden oder sich in Ausbildung befindenden Personen verpflegt sich ausser Haus. Die Werbeagentur Publicis berechnet, dass eine Mittagspause durchschnittlich eine Dreiviertel- bis eine volle Stunde dauert. Da ist es kein Wunder, dass die Verpflegung ausser Haus und über die Gasse gemäss SGE in den letzten Jahren stark zugenommen hat. 26 Milliarden Franken geben die Schweizer jährlich für Essen in Restaurants und von Take-aways aus. Dabei entscheidet sich fast ein Drittel der 15- bis 29-Jährigen für Fastfood. Die Mittags-Kunden sind ein wachsendes Marktsegment. Und genau dort setzen mobile Verpflegungsanbieter an.

Leute fragen nach Tierhaltung

Schon seit Ende der 1990er-Jahre bietet der «Güggeli-Express» im Grossraum Zürich gebratene Poulets über die Gasse an. Lange Zeit dominierte die Firma den Zürcher Markt für Essen vom mobilen Take-away. Erst in den letzten Jahren kam nach und nach Konkurrenz hinzu. Diese wenigen Unternehmen vermögen aber den Bedarf der Kunden bei weitem nicht abzudecken, wie Regula Imholz von «401 dishes» sagt. Um den Markt zu beleben und die mobile Essensverpflegung zu etablieren, berät das Start-up-Unternehmen künftige Unternehmer, die ebenfalls ins Mittagsbusiness einsteigen möchten.

Doch um im Konkurrenzkampf mit Restaurants und fixen Take-away-Ständen bestehen zu können, müssen sich die Firmen mehr einfallen lassen als mobilen und unkomplizierten Service. «Dass jedes Poulet zum Herkunftsbauernhof zurückverfolgt werden kann, ist ein wichtiges Verkaufsargument», sagt Christian Gutekunst vom «Güggeli-Express». «Die Leute fragen auch nach, wie die Tiere gehalten werden.»

Auch «401 dishes» verwendet nur regionale, saisonale Zutaten. Zudem wird auf Abwechslung und Ausgewogenheit der Menüs geachtet. «Das Essen soll leicht verdaulich sein und doch bis zum Abend sättigen», sagt Thomas Leuenberger, Küchenchef und Betriebsleiter. Die Zubereitung vor Ort erlaube es zudem, auf spezielle Wünsche und Nahrungsmittelallergien einzugehen. «Für unsere Kunden kochen wir, was wir selbst auch gerne essen. Herkömmliche Gerichte peppen wir mit exotischen Zutaten auf», sagt Leuenberger.

Erst ein kleiner Geschäftszweig

Bis sich das Mittagessen aus den mobilen Restaurants in der Schweiz etabliert hat, wird es aber noch dauern, dessen ist man sich bei «401 dishes» und «Güggeli-Express» bewusst. So bleibt das Geschäft mit den Foodtrucks vorerst nur ein kleiner Geschäftszweig der Unternehmen, die auch im Catering- und Lieferservice tätig sind.