Uitikon
«Mittlerweile lassen sich Drogen ganz einfach über die sozialen Medien organisieren»

Am ersten digitalen Anlass des Uitiker Elternrats informieren Profis über den Drogenkonsum bei Jugendlichen. Die Zeiten des Kampftrinkens sind vorbei und seit Corona werden weniger Amphetamine und MDMA konsumiert.

Alex Rudolf
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Der Konsum von Alkohol und Cannabis hat seit dem Lockdown im Frühling zugenommen.

Der Konsum von Alkohol und Cannabis hat seit dem Lockdown im Frühling zugenommen.

Foto: Keystone

Vor den hinlänglich bekannten Problemen beinahe jeder Zoom-Veranstaltung blieb auch der Vortrag des Elternrats von Dienstagabend nicht verschont. 23 interessierte Uitikerinnen und Uitiker haben sich in einem virtuellen Raum eingefunden, doch nicht alle schalten zwischendurch ihre Mikrofone aus. Hin und wieder rumpelt es, dann und wann hört man Kinderstimmen im Hintergrund.

Joël Bellmont und Florian Meyer von saferparty.ch, ein Angebot des Stadtzürcher Sozialdepartements, lassen sich davon nicht ablenken. Sie stellten die gängigsten Rauschmittel und deren Gefahren sowie Wirkungsweisen vor.

Doch ist es überhaupt sinnvoll, während einer weltweiten Pandemie eine solche Veranstaltung durchzuführen? Grössere Treffen, die zum Drogenkonsum animieren, sind ja ohnehin verboten. Bellmont sagt dazu, dass noch keine verlässlichen Daten darüber vorliegen würden, welchen Einfluss die Pandemie auf den Konsum habe. Er ergänzt:

«Eine Umfrage von vergangenem Frühling hat ergeben, dass der Alkohol- und Cannabiskonsum während des Lockdowns zugenommen hat. Amphetamine und MDMA wurden hingegen weniger konsumiert.»

Also Drogen, die üblicherweise an Partys genommen werden, rücken in den Hintergrund. Daher informieren die beiden Profis über die Gefahren von selbst gerollten Filtern bei Joints (es sollten echte Zigarettenfilter verwendet werden) sowie das verzögerte Einsetzen der Wirkung von Alkohol und geben Tipps für den Umgang mit Jugendlichen, wenn bei diesen ein Drogenproblem vermutet wird.

Bei den Fragen aus dem virtuellen Publikum zeigt sich, wo die Eltern Wissenslücken aufweisen. So erkundigt sich ein Teilnehmer nach Tilidin, der Droge der Stunde. Was es mit dem in zahlreichen deutschen Hip-Hop-Liedern erwähnten Beruhigungsmittel auf sich hat, sei schwierig abzuschätzen. Bellmont sagt:

Ob der Tilidin-Missbrauch ein spezifisches Phänomen der Hip-Hop-Szene ist oder weitaus grössere Ausmasse annimmt, lässt sich noch nicht sagen.

Auch die Beschaffung der Drogen war von Interesse: «Woher beziehen die Jugendlichen den Stoff überhaupt?», schreibt eine Teilnehmerin in die Kommentarspalte. Die Antwort der Profis dürfte den einen oder anderen wohl überrascht haben:

Mittlerweile lassen sich Drogen ganz einfach über die sozialen Medien organisieren.

Eine andere Teilnehmerin will wissen, ob das in den Nullerjahren weit verbreitete Komatrinken, auch als Botellón bezeichnet, noch ein Thema sei. Bellmont weist darauf hin, dass der gesellschaftliche Trend hin zu einer gesünderen Lebensweise mit Sport und gesunder Ernährung auch bei den Jugendlichen verbreitet sei. Komatrinken komme daher nicht mehr so häufig vor. «Dennoch testen Jugendliche ihre Grenzen aus, das war damals wie heute so.»

Dies war der erste Anlass, den der Uitiker Elternrat komplett online durchgeführt hat. Präsident Andreas Brugger ist zufrieden, da sich die Teilnehmerzahl im selben Rahmen bewegt habe, wie bei früheren physischen Veranstaltungen. «Auch die anstehenden Anlässe werden wir wohl über Zoom durchführen, bis Zusammenkünfte wieder möglich sind.»