Nicht zuletzt wegen dieses Spektakels am Himmel über dem Limmatdamm in Unterengstringen finden sich am Mittefastensonntag jeweils hunderte Schaulustige auf der Engstringerbrücke ein.

Das wird auch in einer Woche nicht anders sein. Denn der rund 20-minütige Feuerzauber braucht sich vor jenen am Züri Fäscht oder an Silvester längst nicht mehr zu verstecken.

Das war nicht immer so. Erst ab den 1970er-Jahren wurde das Feuerwerk zu dem, was es heute ist.

Davor war es eine eher bescheidene Angelegenheit. «Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir als Kinder auf der rechten Limmatseite kleine Raketen auf Gestellen montierten, die über den Fluss abgeschossen wurden», sagt Daniel Meier, Feuerwerkmeister in der Mittefastenkommission.

Manchmal seien auch kleine Bomben aus Metallrohren gezündet worden. Es sei ein überschaubares Feuerwerk gewesen.

Dass heute ein professioneller Feuerzauber den Schlusspunkt des traditionsreichen Unterengstringer Dorffestes bildet, ist Daniel Meiers Vater, alt Gemeindepräsident Jakob Meier, zu verdanken. Auch er amtete als Feuerwerkmeister.

«Mein Vater war damals Chef des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich. Einige Mitarbeiter haben in dieser Zeit begonnen, uns zu unterstützen», sagt Daniel Meier. An dieser freiwilligen Mithilfe hat sich bis heute nichts geändert.

Zusammen mit Angestellten des Feuerwerklieferanten Hamberger und Mitgliedern der Mittefastenkommission ist jedes Jahr ein rund 10-köpfiges Team für das Feuerwerk verantwortlich.

«Nur dank dieser unentgeltlichen Hilfe ist ein solch grosses Feuerwerk überhaupt möglich», so Daniel Meier.

Finanziert werde es durch einen Beitrag der Gemeinde in Höhe von 20 000 Franken. «Auch dies ist auf die Initiative von Jakob Meier zurückzuführen», sagt Willy Haderer, Informationsmeister der Mittefastenkommission.

Als Feuerwerkmeister in der Mittefastenkommission sorgt Daniel Meier (links) am Sonntagabend für den letzten Höhepunkt des Festes. Der SVP-Kantonsrat und ehemalige Unterengstringer Gemeindepräsident Willy Haderer ist als Informationsmeister für die öffentliche Kommunikation des Fester verantwortlich.

Die Meister

Als Feuerwerkmeister in der Mittefastenkommission sorgt Daniel Meier (links) am Sonntagabend für den letzten Höhepunkt des Festes. Der SVP-Kantonsrat und ehemalige Unterengstringer Gemeindepräsident Willy Haderer ist als Informationsmeister für die öffentliche Kommunikation des Fester verantwortlich.

Für die Feuerwerkequipe beginnt der Mittefastensonntag schon früh. «Um 9 Uhr beginnen wir die Rechen mit den Abschussrohren aufzustellen und einzugraben.

Das Feuerwerk wird aus Sicherheitsgründen direkt ab Lastwagen in die Rohre abgefüllt. Danach muss alles miteinander verkabelt werden», sagt Daniel Meier.

Sobald der Böögg verbrannt sei, werde das Feuerwerk gezündet. In ganz frühen Jahren sei dies noch von Hand erfolgt.

«Dafür bedurfte es jemanden, der dirigierte und Zeichen gab, wann welche Bombe gezündet wird», erklärt Daniel Meier. Später sei das Feuerwerk via Funkempfänger gezündet worden. Mittlerweile sei es computergesteuert.

Das Feuerwerk umfasst inzwischen vier bis fünf Bilder, wobei die einzelnen Elemente nach Pflanzen benannt sind, etwa die «Trauerweide» oder die «Chrysanthemen».

Bestimmte Farben erhalten die Bilder durch die Metalle, die dem Schwarzpulver beigemischt wird. «Natrium erzeugt eine gelbe Farbe, Kupfer grün und Eisen rot. Etwas Besonderes sind blaue Farben.

Dafür verwendet unser Lieferant eine Geheimmischung», sagt Daniel Meier. Doch nicht nur deswegen ist das Unterengstringer Feuerwerk eine spezielle Angelegenheit.

«Es ist eines der ersten grossen im Jahr. Deshalb testet unser Lieferant an Mittefasten immer wieder Neuerungen», so Daniel Meier.

Deshalb, so Willy Haderer, sei der Wert des Mittefastenfeuerwerkes auch wesentlich höher als der tatsächlich bezahlte Preis.

Nach dem Ende des Spektakels ist für die Helfer noch lange nicht Schluss. «Sobald alles ausgekühlt ist, wird kontrolliert, ob wirklich alle Artikel gezündet worden sind. Danach werden die Rechen abgebaut», sagt Daniel Meier.

In all den Jahren hat sich nicht nur die Grösse und die Technik des Feuerwerks gewandelt, auch der Feuerwerkplatz ist nicht mehr derselbe wie einst.

Bis Ende der 1960er-Jahre wurden die Raketen noch von der rechten Flusseite aus über die Limmat abgefeuert.

Mit der Inbetriebnahme der N1 erfolgte dann der Wechsel an den heutigen Feuerwerkplatz. Wegen der Autobahn kann das Feuerwerk seither nicht mehr über die Limmat abgefeuert werden. Es ist deshalb als klassisches Hochfeuerwerk konzipiert. Die Feuerwerkskörper werden also hoch in den Himmel gefeuert.

Zum festen Bestandteil von Mittefasten zählt das Feuerwerk seit den 1930er-Jahren. «Damals wurde es erstmals erwähnt», sagt Willy Haderer.

Das Mittefastenfest ist jedoch wesentlich älter. Es ist eng mit der Unterengstringer Knabenschaft verbunden. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Mittefasten von dieser Gruppe junger Männer ab 17 Jahren durchgeführt.

Ursprünglich bestand es aus den drei Brauchtumselementen Kienbesenumzug, Lichterschwemmen und Bööggverbrennen.

Mit dem Kienbesenumzug war aber 1867 Schluss. Damals verursachten die von den Burschen durch das Dorf geschwungenen Kienkörbe eine Brandkatastrophe im alten Dorfteil. Seither stehen die Feuerfackeln an der Limmat Spalier für das Lichterschwemmen.

Damit sollten einst nicht nur die Flussgeister beschwört werden, es markierte auch den Tag, ab dem nicht mehr bei künstlichem Licht gearbeitet wurde. Das Bööggverbrennen bildet einen letzten Überrest des heidnischen Brauchs der Winteraustreibung.

Als die Knabenschaft ihre Bedeutung verlor, gründeten Vertreter von alteingesessenen Familien eine Kommission, um den Brauch aufrecht zu erhalten. 1963 wurde schliesslich die heutige, aus Meistern bestehende Mittefastenkommission gegründet.