Dietikon
Mitten in Dietikon lockt ein Hauch von Orient Muslime und Neugierige an

Der Islam-Shop an der Dietiker Heimstrasse hat vieles zu bieten. Ferdeze Murseli verkauft in ihrem Laden neben Kopftüchern und islamischer Medizin auch Reizwäsche.

Senada Haralcic
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Islamshop Dietikon
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Manch ein Passant fragt sich wohl, was es im «Islam-Shop» an der Dietiker Heimstrasse zu kaufen gibt.
Momentan sind Petrol und Kirschrot beliebte Farben bei den Musliminnen.
Für Neugierige gibt es eine «Da'wa Wand».
Diese enthält kostenlose Bücher, die den Islam erklären.
Die Geschäftsführerin Ferdeze Murseli bietet ihren Kunden «islamische Medizin» an. Dazu gehören Kuwaitischer Honig und Schwarzkümmelöl.
Ausserdem will sie mit ihrem Laden gegen Islamophobie kämpfen.

Islamshop Dietikon

Senada Haralcic

Was kann man in einem Islam-Shop eigentlich kaufen? Das fragt sich wohl manch ein Passant, wenn er das Schild «Islam-Shop» an der Dietiker Heimstrasse entdeckt. Beim Betreten des beschaulichen Ladens sind auf den ersten Blick lange Kleider, Tücher, Teeverpackungen und viele Bücher zu sehen. Es riecht nach fernöstlichen Jasmin-Düften — ein Hauch von Orient mitten in Dietikon. Dann tritt Ferdeze Murseli ihrer Kundschaft entgegen, fragt, was sie zeigen darf. «Wir haben hier alles, was Muslime brauchen», versucht Murseli möglichst einfach das breite Sortiment zu erklären. Das Angebot reiche von Bekleidung bis hin zu sogenannter islamischer Medizin, die aus der Zeit des Propheten Mohammed stamme: «So wird beispielsweise überliefert, dass mit Schwarzkümmel alles geheilt werden kann ausser der Tod.» Murseli könne dies nur bestätigen: «Ich habe Probleme mit den Bandscheiben. Das Schwarzkümmelöl hilft mir sehr; es lindert den Schmerz.»

Gegen Islamophobie

Die Geschäftsführerin trägt ein dunkelbraunes Kopftuch und ein schwarzes bodenlanges Gewand: «Ich mag dunkle Farben, obwohl momentan eher Petrol und Kirschrot im Trend sind», sagt die Muslima und lacht. Sie sei halt eine Frohnatur und sehr glücklich in ihrem Leben, erklärt sie und erzählt: «Einmal staunte ein Mann, weil ich als Frau mit Kopftuch auch gerne lauthals lache», erklärt die 36-Jährige. Aber genau das sei der Grund, weshalb sie Anfang dieses Jahres ihren Islam-Shop im modernen Limmatfeld in Dietikon eröffnete. «Nebst dem Verkauf meiner Ware möchte ich neugierigen Fussgängern auch gerne grundsätzliche Fragen zum Islam beantworten, um Vorurteile aus dem Weg zu räumen.» Für sie sei ihr Laden auch ein Beitrag im Kampf gegen die Islamophobie.

«Es war Kismet»

Um interessierte Passanten mit Infomaterial zu versorgen, hat Murseli eine «Da’wa-Bücherwand» in ihrem Laden stehen. Übersetzt bedeutet der arabische Begriff Da’wa ‹Ruf zum Islam›. «Die Bücher erklären den Islam für Laien und sind kostenlos zum Mitnehmen. Es treten häufig Neugierige in meinen Laden ein, da kann so eine Wand schon ganz nützlich sein», sagt Murseli und lacht wieder.

Die Geschäftsführerin erzählt, dass sie zwar als Muslima geboren sei, aber, bis sie 26 Jahre alt war, den Islam nicht praktizierte. Irgendwann, so die 36-Jährige, sei ihr Interesse für die Religion geweckt worden. «Seither ist eine Lücke in meinem Leben gefüllt. Auch dass ich diesen Laden führe war wohl Kismet – zu Deutsch Schicksal.» Sie wünsche sich, als Ladenbesitzerin ein gutes Vorbild zu sein. Denn Murseli ist der Meinung, dass jede muslimische Frau Karriere machen sollte. «Viele denken immer, dass Musliminnen unterdrückt sind, aber Bildung und Beruf sind sehr wichtig für uns», betont die Schweizerin beim Rundgang durch ihren Laden. Auch das Aussehen spiele eine sehr wichtige Rolle. «Eine Muslima trägt natürlich nicht immer ein Kopftuch und lange Gewänder. Zuhause geben sich die Frauen Mühe, attraktiv für ihre Männer zu sein.»

Deswegen halte Murseli auch Reizwäsche in ihrem Lager bereit, die sie auf Anfrage aus einem besonderen Schrankfach hervornimmt. «Meine Kundinnen wissen, dass ich solche Sachen auch anbiete», sagt sie mit einem Augenzwinkern.