Langsam beginne ich zu schwitzen, obwohl es nicht besonders warm ist. Genauer gesagt, sind es draussen um die acht Grad und im Shoppi Tivoli in Spreitenbach herrscht eine angenehme Raumtemperatur. Doch die Kunden in der Schlange hinter mir bringen mich ins Rudern.

«Beim Päcklieinpacken kann man da ja wohl nicht allzu viel falsch machen. Für die meisten Leute zählt doch die Geste, die hinter dem Geschenk steht.» So dachte ich mir, bevor ich Skateboards und riesige Kartonschachteln mit Mikroskopen oder Spielkaffeemaschinen in den Händen der entnervten Eltern sah.

Diese Ungetüme aus der Spielwarenabteilung des «Toys ‹R› Us» lassen mich meine Meinung revidieren. Vor mir hängt eine Rolle Geschenkpapier mit Sternen. Neben mir steht eine kleine Rolle Chläberli. Hinter mir wartet eine Schlange Leute darauf, dass ich die Geschenke für ihre Sprösslinge einpacke. Normalerweise müssten sie das selbst am blauen Tresen tun.

«Ja, selbstverständlich packe ich diese Puppe ein», höre ich mich sagen. Währenddessen rotierten die Gedanken in meinem Kopf. Eine Puppe einpacken, das gehörte zu meinen Befürchtungen auf der Fahrt ins Shoppi. Wie um alles in der Welt packt man ein Ding mit einem weichen, runden Körper in ein starres Papier ein?

Rundes wie Ecken behandeln

Ich erinnere mich an den Video-Crash-Kurs meines Vertrauens. «Man behandle alle Rundungen wie Ecken», lehrte mich die Frau im Video vor dem Einpacknachmittag. Laut dieser Theorie ist auch eine Puppe ein Rechteck. Nun ja, das ist leichter gesagt als getan. «Besonders mit dem billigen Packpapier vor mir», denke ich leicht verzweifelt.

Das Geschenkpapier ist eines jener Papiere, das die Farbe nach jedem Falten verliert und bei dem man das Chläberli unmöglich wegnehmen kann, ohne eine kahle weisse Stelle zu hinterlassen.

Dieses Papier erinnert mich an meine Kindheit. An die Zeit, in der ich von meiner Mutter angehalten wurde, «das Päckli süferli aufzumachen». Man könnte das Papier ja vielleicht nochmals brauchen. Ich aber liebte das glänzende Geschenkpapier mit Glitzer darauf. Wenn ich selbst ein Geschenk einpacken sollte, wurde das Ergebnis jeweils mit dem Motto «handmade with love» gerechtfertigt und mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Nachsicht in Empfang genommen.

Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, währenddem ich auf das unförmige Pack vor mir starre. Nachsicht oder Dankbarkeit kann ich hier wohl nicht erwarten. Es heisst pragmatisch werden. Die Leute vor der Verpack-Station treten von einem Fuss auf den anderen und schauen auf die Uhr. Ich packe ein Geschenk nach dem anderen ein.

Nach der zehnten Kartonschachtel werde ich routinierter und beginne zu verstehen, weshalb «Toys ‹R› Us» die Leute selbst einpacken lässt. Den meisten kommt es sowieso nur darauf an, dass die Geschenke so schnell wie möglich verpackt werden. Schleifen, die womöglich eine Falte verdecken könnten, gibt es hier ohnehin nicht. Also beginne ich dem Elternwunsch zu entsprechen und mache alle Päckli quadratisch, praktisch, schnell.

Schnell geht vor schön

Schnell scheint das allgegenwärtige Credo zu sein. Schnell in den Laden, schnell das finden, was man wollte oder besser noch mehr als man wollte und dann schnell wieder raus. «Ich dachte, ich sei früh dran, aber da sind schon jetzt so viele Leute, man kommt fast nicht mehr raus», sagt eine Mutter.

Trotz Wartezeit hat sich mein Einpack-Service gelohnt. Die meisten sind froh, mussten sie nicht selbst Hand anlegen. Von einem Vater erhalte ich gar einen Fünfliber für ein Pack, das ich mit zwei Lagen Papier einwickeln musste.

Nach der Freude der Kunden über die quadratischen Päckli beschliesse ich: Wenn es dieses Jahr von mir überhaupt Päckli geben sollte, werde ich diese selbst einpacken. Auch mit dem Risiko, dass die Verpackung nur mit Liebe akzeptiert werden kann.