Unterengstringen
Mittefasten zum Beginn des Frühlings: Wenn die Seele entschwindet

Mittefasten ist das Fest des Lebens, doch diesmal standen Tote im Vordergrund. Am traditionellen Fest zum Frühlingsanfang wurde dem langjährigen Organisator und Untersützter des Festes, Urs Hoffmann, die Ehre erwiesen.

Jürg Krebs
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Mittefasten in Unterengstringen
32 Bilder
Nur Helfer durften sich auf dem Limmatdamm aufhalten - die Zuschauer beobachteten das Spektaktel von der Brücke
Spektakulär und laut war das Feuerwerk zu Mittefasten
Ein würdiger Abschluss eines gelungenen Festwocheendes
Die letzten Vorbereitungen, bevor der Böög verbrannt wird
Der Mittefastenböög, dieses Jahr auf den Namen Günthard-Lu getauft, brennt lichterloh
Das Feuerwerk markiert das Ende des Frühlingsfests Mittefasten
Das Feuerwerk ist einer der Höhepunkte des Unterengstringer Frühlingsfests Mittefasten
Das Feuerwerk erhellt die Nacht wie mit Scheinwerfern
Das Abrennen des Böögs soll auch den Winter vertreiben
Als ob es Sterne regnen würde
Brennender Himmel
Anders als in Zürich expolodiert in Unterengstringen der Böög nicht
Ein wärmendes Feuer gehört zum Anlass - dieses Jahr hätten die Sonnenstrahlen genügt
Zinnbecher und Kanne - wer sie dabei hat, outet sich als Bürger Unterengstringens
Unternegstringens Gemeindeschreiber Jürg Engeli hält die schönen Momente fotografisch fest
Neu ins Bürgerrecht Aufgenommene
Gemeindepräsident Peter Trombik würdigt den verstorbenen Obermeister der Mittefastenkommission Urs Hoffmann
Nach den Reden gibts die Gratis-Wurst
Mitglieder der Mittefastenkommission warten auf den Beginn der Veranstaltung beim Chüehbrünneli oberhalb des Sparrenbergs
In Unterengstringen schätzt man die persönliche Begegnung
Gemeindepräsident Peter Trombik und der abtretende Gemeinderat Walo Hollenweger
Eins, zwei, drei, vier - eins, zwei, drei, vier - die Jugendmusik rechtes Limmattal
Die Ehrengäste aus den Nachbargemeinden sitzen in der ersten Reihe
Einer von drei Unterengstringer Ehrenbürger - Pater Hillarius
Dieter Meier, der neue Obermeister der Mittefastenkommission, hält eine emotionale Rede auf die vier verstorbenen Meister
Die Ankommenden werden begrüsst
Auf vielen Hochzeiten zuhause - Unterengstringens Brunnenmeister und Feuerwehr-Vize steht auch vor der Aufnahme in die Mittefastenkommission
Alt Gemeindepräsident Willy Haderer im Gespräch mit Gästen
Die Jugendmusik rechts der Limmat spielt zu Ehren von Urs Hoffmann den Sechseläutenmarsch
300 Personen kamen am späten Samstagnachmittag zur Bürgeraufnahme
Alt Gemeindepräsident Jakob Meier

Mittefasten in Unterengstringen

Bettina Hamilton-Irvine

Als Dieter Meier anhob seinen verstorbenen Vorgänger als Obermeister der Mittefastenkommission zu ehren, wurde es still im Wald. Die rund 300 Personen, die am späten Samstagnachmittag zum Chüehbrünneli oberhalb von Unterengstringen heraufgekommen waren, kannten den Verstorbenen alle: Urs Hoffmann. Und Meier sagte in die Runde: "Mit Urs Hoffmann ging die Seele von Mittefasten verloren."

Mittefasten, dieses traditionelle Unterengstringer Fest zum Frühlingsanfang. Vielleicht Jahrhunderte alt. Auf jeden Fall wurde es nach dem zweiten Weltkrieg neu inszeniert. Urs Hoffmann hatte dem Fest in den letzten vier Jahrzehnten den Stempel aufgedrückt. 44 Jahre stand er der Mittefastenkommission, die das Fest organisiert, aber eigentlich eine Art Zunft ist, als Obermeister vor. "Ich bin der Hüter der Traditionen", soll er laut Meier gesagt haben. Das dürfte durchaus stimmen. Mittefasten ohne Urs Hoffmann, das war für viele nicht vorstellbar.

Den Toten gedenken

Er war mit Herz und Seele dabei und betonte dennoch immer, auf andere angewiesen zu sein. Er, Hoffmann selbst, unterstützte das Fest materiell, indem er seine Baufirma einspannte, falls nötig. Und es war immer nötig. Hoffmanns Moto: "Ich bin présent". Er war es auch bei der Versammlung beim Chüehbrünneli.

Nicht nur wegen dem Ableben von Hoffmann erlebte die Mittefastenkommission im vergangenen Jahr eine Zäsur. Auch Heinz Schmider, Reuedi Nitschké und Roman Krügel sind verstorben, sie alle waren langjährige Meister der Kommission. Mit von seinen Emotionen überwältigter Stimme rief Dieter Meier die Anwesenden dazu auf, den Toten zu gedenken. "Was am Ende des Tages zählt", versuchte Obermeister Meier am Ende seiner Rede zu trösten, "sind die schönen Augenblicke." In solchen Erinnerungen leben Hoffmann, Schmider, Nitschké und Krügel weiter.

Dann übernahm Gemeindepräsident Peter Trombik das Zepter, um die Bürgeraufnahmezeremonie durchzuführen, immer wieder mal unterbrochen durch die Klänge der Jugendmusik rechtes Limmattal. Wie es Brauch ist bei diesem jährlichen Anlass, richtete Trombik erst ein paar Worte an die Gemeindemitglieder.

Kritik an der Justiz

Er schimpfte über die Justiz, die im Fall "Carlos" die Bodenhaftung verloren habe und über "die Sozialindustrie", die "Carlos" bemuttern würde. Mit einem Teil des vielen Geldes, das in "Carlos" investiert wird, sollte besser dessen Opfer unterstützt werden, das durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt war. Trombik wünschte sich eine Justiz, die wieder nachvollziehbare Entscheide fällt.

Dann kam er auf positive Gedanken zu sprechen. Angesichts der grosspolitischen Wetterlage könne die Schweiz zufrieden sein. Die Konsens- und Kompromissfähigkeit der Demokratie Schweizer Prägung sei etwas Grossartiges. Trombik verkündete, dass das neue Gemeindehaus an der Dorfstrasse im Herbst 2016 bezugsbereit sein dürfte. Über den Baukredit werde am 30. November 2014 abgestimmt. Vorher gibt es aber noch ein Dorffest, und zwar vom 26. bis 28. September 2014.

Schliesslich verlas Trombik die Namen der neu ins Bürgerrecht Unterengstringens Aufgenommenen. Nicht alle waren anwesend, was Missfallen auslöste. Trombik schloss mit den Worten: "Nur aktive und konstruktive Mitbürger festigen die Gemeinschaft."

Und Mittefasten, bliebe anzumerken. Dieses Frühlingsfest, das den Winter vertreiben und die Dorfgemeinschaft stärken soll.