Unterengstringen

Mittefasten zum Beginn des Frühlings: Wenn die Seele entschwindet

Mittefasten ist das Fest des Lebens, doch diesmal standen Tote im Vordergrund. Am traditionellen Fest zum Frühlingsanfang wurde dem langjährigen Organisator und Untersützter des Festes, Urs Hoffmann, die Ehre erwiesen.

Als Dieter Meier anhob seinen verstorbenen Vorgänger als Obermeister der Mittefastenkommission zu ehren, wurde es still im Wald. Die rund 300 Personen, die am späten Samstagnachmittag zum Chüehbrünneli oberhalb von Unterengstringen heraufgekommen waren, kannten den Verstorbenen alle: Urs Hoffmann. Und Meier sagte in die Runde: "Mit Urs Hoffmann ging die Seele von Mittefasten verloren."

Mittefasten, dieses traditionelle Unterengstringer Fest zum Frühlingsanfang. Vielleicht Jahrhunderte alt. Auf jeden Fall wurde es nach dem zweiten Weltkrieg neu inszeniert. Urs Hoffmann hatte dem Fest in den letzten vier Jahrzehnten den Stempel aufgedrückt. 44 Jahre stand er der Mittefastenkommission, die das Fest organisiert, aber eigentlich eine Art Zunft ist, als Obermeister vor. "Ich bin der Hüter der Traditionen", soll er laut Meier gesagt haben. Das dürfte durchaus stimmen. Mittefasten ohne Urs Hoffmann, das war für viele nicht vorstellbar.

Den Toten gedenken

Er war mit Herz und Seele dabei und betonte dennoch immer, auf andere angewiesen zu sein. Er, Hoffmann selbst, unterstützte das Fest materiell, indem er seine Baufirma einspannte, falls nötig. Und es war immer nötig. Hoffmanns Moto: "Ich bin présent". Er war es auch bei der Versammlung beim Chüehbrünneli.

Nicht nur wegen dem Ableben von Hoffmann erlebte die Mittefastenkommission im vergangenen Jahr eine Zäsur. Auch Heinz Schmider, Reuedi Nitschké und Roman Krügel sind verstorben, sie alle waren langjährige Meister der Kommission. Mit von seinen Emotionen überwältigter Stimme rief Dieter Meier die Anwesenden dazu auf, den Toten zu gedenken. "Was am Ende des Tages zählt", versuchte Obermeister Meier am Ende seiner Rede zu trösten, "sind die schönen Augenblicke." In solchen Erinnerungen leben Hoffmann, Schmider, Nitschké und Krügel weiter.

Dann übernahm Gemeindepräsident Peter Trombik das Zepter, um die Bürgeraufnahmezeremonie durchzuführen, immer wieder mal unterbrochen durch die Klänge der Jugendmusik rechtes Limmattal. Wie es Brauch ist bei diesem jährlichen Anlass, richtete Trombik erst ein paar Worte an die Gemeindemitglieder.

Kritik an der Justiz

Er schimpfte über die Justiz, die im Fall "Carlos" die Bodenhaftung verloren habe und über "die Sozialindustrie", die "Carlos" bemuttern würde. Mit einem Teil des vielen Geldes, das in "Carlos" investiert wird, sollte besser dessen Opfer unterstützt werden, das durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt war. Trombik wünschte sich eine Justiz, die wieder nachvollziehbare Entscheide fällt.

Dann kam er auf positive Gedanken zu sprechen. Angesichts der grosspolitischen Wetterlage könne die Schweiz zufrieden sein. Die Konsens- und Kompromissfähigkeit der Demokratie Schweizer Prägung sei etwas Grossartiges. Trombik verkündete, dass das neue Gemeindehaus an der Dorfstrasse im Herbst 2016 bezugsbereit sein dürfte. Über den Baukredit werde am 30. November 2014 abgestimmt. Vorher gibt es aber noch ein Dorffest, und zwar vom 26. bis 28. September 2014.

Schliesslich verlas Trombik die Namen der neu ins Bürgerrecht Unterengstringens Aufgenommenen. Nicht alle waren anwesend, was Missfallen auslöste. Trombik schloss mit den Worten: "Nur aktive und konstruktive Mitbürger festigen die Gemeinschaft."

Und Mittefasten, bliebe anzumerken. Dieses Frühlingsfest, das den Winter vertreiben und die Dorfgemeinschaft stärken soll.

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