Unterengstringen

Mittefasten: Der Böögg erhält einen neuen Meister

Ralph Pfister (Mitte) ist seit diesem Jahr neuer Bööggmeister. Er löst Friedrich Born (l.)ab, der das Amt seit 1969 ausübte. Willy Haderer amtet als Informationsmeister in der Mittefastenkommission.

Ralph Pfister (Mitte) ist seit diesem Jahr neuer Bööggmeister. Er löst Friedrich Born (l.)ab, der das Amt seit 1969 ausübte. Willy Haderer amtet als Informationsmeister in der Mittefastenkommission.

Seit 1969 war Fritz Born Bööggmeister in Unterengstringen. Dieses Jahr erhielt er einen Nachfolger. Ralph Pfister tritt an Mittefasten in grosse Fussstapfen – und feiert dieses Wochenende buchstäblich Feuertaufe.

«Gut gestopft muss er sein, damit er auf dem Holzstoss auch etwas darstellt», sagt Ralph Pfister und betrachtet das mit Stroh ausgefüllte Arbeitsgewand. Der Böögg für das diesjährige Mittefasten ist fast fertig.

Einzig der Kopf muss ihm noch aufgesetzt werden. Dann ist er bereit, um am Freitag auf dem Pausenplatz des Schulhauses Büel begrüsst und zwei Tage später auf dem Holzstoss verbrannt zu werden. So soll er dem Winter endgültig den Garaus machen.

Für Pfister wird dies ein besonderes Wochenende. Er feiert seine Feuertaufe. Denn seit diesem Jahr ist er neuer Bööggmeister und damit Nachfolger von Friedrich Born, der dieses Amt in der Mittefastenkommission seit 1969 ausübte.

Nervös wird Pfister deswegen nicht sein. «Viel kann man nicht falsch machen. Am Bau des Bööggs hat sich in all den Jahren kaum etwas geändert», sagt er. Zudem sei er, wie das in der Mittefastenkommission üblich ist, zwei Jahre Meisterkandidat gewesen, ehe er aufgenommen wurde. Er habe also quasi eine Lehre absolviert. «In dieser Zeit habe ich schon mitgeholfen, den Böögg zu bauen», so Pfister.

Das Erbe der Knabenschaft

Diese Probezeit ist nicht die einzige Bedingung, um in die Mittefastenkommission aufgenommen zu werden. Eine zentrale Voraussetzung ist das Bürgerrecht von Unterengstringen. «Es ist aber auch wichtig, dass die Mitglieder aktiv sind und nicht bereits nach zwei Jahren wieder austreten», sagt Willy Haderer, Informationsmeister der Mittefastenkommission.

Zudem müssten sie Freude mitbringen, den uralten Brauch des Festes fortleben zu lassen.

Ein Brauch, der eng mit der Knabenschaft verbunden ist. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Mittefasten von dieser Gruppe junger Männer ab 17 Jahren durchgeführt. Ursprünglich bestand es aus den drei Brauchtumselementen Kienbesenumzug, Lichterschwemmen und Bööggverbrennen.

Mit dem Kienbesenumzug war aber 1867 Schluss. Damals verursachten die von den Burschen durch das Dorf geschwungenen Kienkörbe eine Brandkatastrophe im alten Dorfteil. Seither stehen die Feuerfackeln an der Limmat Spalier für das Lichterschwemmen.

Damit sollten einst nicht nur die Flussgeister beschwört werden, es markierte auch den Tag, ab dem nicht mehr bei künstlichem Licht gearbeitet wurde. Das Bööggverbrennen bildet einen letzten Überrest des heidnischen Brauchs der Winteraustreibung. Als die Knabenschaft ihre Bedeutung verlor, gründeten Vertreter von alteingesessenen Familien die aus Meistern zusammengesetzte Mittefastenkommission.

Pfister ist sich dieser Tradition bewusst. Er kennt sie seit Kindesbeinen. «Früher habe ich auch mitgeholfen, im Wald Holz für den Holzstoss zu sammeln. Als Schüler habe ich dann am Böögg mitgebaut. Auf diese Art kommt jedes Unterengstringer Kind in den Kontakt mit Mittefasten», sagt er.

Es seien schöne Erinnerungen mit dem Fest verbunden. Deshalb engagiere er sich in der Kommission, damit Mittefasten bestehen bleibe und Schüler weiterhin die Möglichkeit hätten, den Böögg zu bauen.

Ein Zwischenfall mit Folgen

Dass jeweils die sechsten Primarklassen zusammen mit dem Bööggmeister den Mann für den Scheiterhaufen bauen, ist einem «Zwischenfall» geschuldet, wie es Friedrich Born ausdrückt. «1967, ich war damals neu als Primarlehrer in Unterengstringen, stolzierten Primarschüler an Mittefasten mit Zigaretten im Mund am damaligen Schulpräsidenten vorbei», erinnert er sich.

Der Schulvorsteher habe sich ob dieses Vorfalls nicht erfreut gezeigt. «Es kam die Idee auf, die Schüler in das Fest mit einzubeziehen. Man organisierte im darauffolgenden Jahr ein Frühlingssingen, das allerdings auf wenig Anklang stiess», so Born. Man habe deswegen nach neuen Lösungen gesucht.

«1969 habe ich angefangen, mit den Schülern den Böögg zu bauen», erzählt Pfister. Deshalb sei es ihm wichtig, dass sein Nachfolger auch eine Beziehung zur Schule habe. «Die Schüler kennen Ralph aus Skilagern, die er begleitet hat und auch als Werkmeister der Gemeinde», so Born.

Und auch Haderer freut sich über das Engagement. «In der Mittefastenkommission ist derzeit ein Verjüngungsprozess im Gange. Wir haben bereits gute junge Anwärter. Deshalb ist mir um das Fortbestehen von Mittefasten nicht bange.»

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