Unterengstringen

Mittefasten: Das Meisteramt bleibt in der Familie - nach Willy Haderer folgt Sohn Christian

Highlight: 1986 durfte sich das Mittefasten am Kinderumzug des Sechseläutens in Zürich präsentieren. Willy Haderer trug damals die Unterengstringer Fahne. zvg

Highlight: 1986 durfte sich das Mittefasten am Kinderumzug des Sechseläutens in Zürich präsentieren. Willy Haderer trug damals die Unterengstringer Fahne. zvg

Willy Haderer hört als Informationsmeister von Mittefasten auf – Nachfolger ist sein Sohn Christian.

Es war ein gewaltiger Unterengstringer Tross, der am 20. April 1986 durch Zürich zog. Die gesamte Primarschule sowie die ganze Mittefastenkommission nahmen an jenem Tag am Kinderumzug des Sechseläuten als Gastgruppe teil. Mit drei von Pferden gezogenen Wagen durften die Unterengstringer ihren Frühlingsbrauch präsentieren. Böögg, Feuerschiff, Wurstverteilen und Böllerschiessen wurden den Besuchern entlang der Route näher gebracht.

Für Willy Haderer, der im Jahr zuvor als Informationsmeister in die Mittefastenkommission eingetreten war und seither für die Medienarbeit verantwortlich zeichnete, bedeutete der Umzug einen ersten Höhepunkt in seiner neuen Funktion. «Stolz trug ich damals die Unterengstringer Fahne durch Zürich», erinnert er sich. Nun, 31 Jahre nach diesem Ereignis, gibt er sein Amt ab. Das kommende Mittefasten, das diesen Samstag mit dem Holzsammeln für das Mittefastenfeuer um 13.30 Uhr bei der dicken Berta am Waldeingang startet und acht Tage später mit der Verbrennung des Bööggs endet, wird sein letztes sein als Informationsmeister. Dann überträgt er diese Aufgabe seinem Nachfolger, seinem Sohn Christian.

Verpflegungsmeister Jonny Elmer, Obermeister Dieter Meier, der neue Informationsmeister Christian Haderer und der alte Informationsmeister Willy Haderer.

Verpflegungsmeister Jonny Elmer, Obermeister Dieter Meier, der neue Informationsmeister Christian Haderer und der alte Informationsmeister Willy Haderer.

Seit Kindesbeinen dabei

Mit dieser Nachfolgeregelung geht für Willy Haderer ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. «Ich bin froh, dass Christian dieses Amt übernimmt. Bei einem anderen Nachfolger würde ich nicht mit einem solch guten Gefühl aufhören wie jetzt», sagt er. Auch für seinen Sohn Christian ist es etwas Besonderes, nun in der Organisation jenes Festes mitzuwirken, das er seit Kindesbeinen kennt. «Mit der Pfadi Laupen haben wir früher am Holzsammeln teilgenommen», sagt Christian Haderer. Und auch sonst habe er alle Jahre eine der Veranstaltungen des Festes besucht. Deshalb sei er schon vor einiger Zeit angefragt worden, ob er in der Mittefastenkommission mitwirken wolle. «Damals lebte ich in Zürich und habe vorerst gezögert, mich zu engagieren. Vor drei Jahren habe ich die Druckerei von meinem Vater übernommen. Unterengstringen ist nun wieder mein Lebensmittelpunkt», sagt er.

Wie es die Regeln wollen, war Christian Haderer in den vergangenen zwei Jahren Meisterkandidat, hat also eine Probezeit absolviert. «Ich fand es spannend, das Fest von der Organisatorenseite her kennenzulernen, hält er fest. Schwergefallen sei ihm der Einstieg nicht. «Ich kenne ja fast alle Kommissionsmitglieder», sagt er. Eine seiner ersten Arbeiten wird es sein, eine Homepage für das Fest aufzubauen.

Altes Brauchtum

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Mittefasten von der Unterengstringer Knabenschaft – jungen Männern ab 17 Jahren – durchgeführt. Ursprünglich bestand es aus den drei Brauchtumselementen Kienbesenumzug, Lichterschwemmen und Bööggverbrennen. Mit dem Kienbesenumzug war aber nach 1867 Schluss. Damals verursachten die von den Burschen durch das Dorf geschwungenen Kienkörbe eine Brandkatastrophe im alten Dorfteil. 

Seither stehen die Feuerfackeln an der Limmat Spalier für das Lichterschwemmen. Damit sollten nicht nur die Flussgeister beschwört werden, es markierte auch den Tag, ab dem nicht mehr bei künstlichem Licht gearbeitet wurde. Das Bööggverbrennen bildet einen letzten Überrest des heidnischen Brauchs der Winteraustreibung. Als die Knabenschaft ihre Bedeutung verlor, gründeten Vertreter von alteingesessenen Familien die aus Meistern zusammengesetzte Mittefastenkommission.

Mit ihr verbindet Willy Haderer viele schöne Erinnerungen. Etwa an das Jahr 1991, als das Mittefasten Teil eines eigentlichen Festjahres war. «Bei der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft war die Mittefastenkommission mit Ross und Wagen beim grossen Umzug in Zürich dabei. Die Mitglieder standen in Kettenpanzer-Anzügen als Ritter auf dem zur Burg zu Glanzenberg ausgebauten Wagen», sagt Willy Haderer. Auch an seine Ansprachen in der Funktion als Gemeindepräsident anlässlich der Bürgeraufnahme im Chuebrünneli, die zum Festprogramm gehört, erinnert er sich gerne. «Ich habe meine Reden immer auf Papier notiert. Einmal hat es so stark geschneit, dass alle Notizen verschwommen waren. Von da waren sie, Seite für Seite, immer in einem Plastikmäppli aufbewahrt.» Im Chüebrünnli wurde Willy Haderer ausserdem eine besondere Überraschung bereitet. Aus Anlass seines Abschiedes als Gemeindepräsident wurde ihm dort 2006 das Ehrenbürgerrecht Unterengstringens verliehen, als Drittem erst nach seinem Vorgänger Jakob Meier und dem ehemaligen Propst des Klosters Fahr, Hilarius Estermann.

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