Mitgliedermangel
«Es ist schwierig, sichtbar zu bleiben»: Die Feuerwehr Engstringen sucht Nachwuchs

Weil wegen Corona Dorfanlässe ausfallen, verliert die Feuerwehr eine wichtige Plattform, um Neumitglieder kennen zu lernen. In Geroldswil und Oetwil zeigen sich dafür die Vorteile des Homeoffice.

Virginia Kamm
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So versucht die Feuerwehr Engstringen derzeit, neue Mitglieder zu gewinnen.

So versucht die Feuerwehr Engstringen derzeit, neue Mitglieder zu gewinnen.

Lydia Lippuner

Die Feuerwehr Engstringen versucht derzeit, mit Plakaten in Ober- und Unterengstringen neue Mitglieder zu gewinnen. «Wir haben zwar kein akutes Personalproblem», sagt Kommandant Michael Egli.

«Wir bekommen aber eines, wenn wir nicht ständig fleissig rekrutieren.»

Der Grund dafür sei vor allem, dass wegen der Pandemie das zweite Jahr in Folge viele Anlässe ausfallen. Mit dem Rebblüetefäscht in Weiningen, dem Mittefasten in Unterengstringen und dem Oberengstringer Dorfplatzfest, wo der Feuerwehrverein Engstringen normalerweise eine Festwirtschaft betreibt, falle auch die Plattform weg, um potenzielle Neumitglieder kennen zu lernen.

«Es ist schwierig, sichtbar zu bleiben», sagt Egli.

«Wir merken, dass die jährliche Klosterübung, Präventionsstände an Elternvereinsfesten, Fasnachts- oder Räbeliechtliumzüge fehlen.»

So hätten viele Leute kein Bild mehr von den verschiedenen Aufgaben und dem Zusammenhalt der Feuerwehr. Egli beobachtet auch, dass vermehrt junge Leute aus der Region wegziehen und dass immer weniger Menschen am oder um den Wohnort arbeiten. «Es gibt zunehmend mehr Freizeitangebote», sagt er. «Zudem rückt die Stadt Zürich immer näher, was dem Dorfleben nicht hilft.»

Öffentliche Übungen sind für die Feuerwehr eine wichtige Plattform, um neue Mitglieder kennen zu lernen.

Öffentliche Übungen sind für die Feuerwehr eine wichtige Plattform, um neue Mitglieder kennen zu lernen.

Severin Bigler

Etwas anders sieht es bei der Feuerwehr in Geroldswil und Oetwil aus: «Im Moment haben wir kein Nachwuchsproblem», sagt Kommandant Michal Felt. Die Anzahl Mitglieder sei sogar über dem definierten Mindestbestand. Felt bemerkt seit der Pandemie keine grössere Schwierigkeit, neue Mitglieder zu rekrutieren. «Die Verfügbarkeit der Leute hat sich aufgrund vom Homeoffice merklich verbessert», sagt er. Er geht davon aus, dass dies zumindest teilweise so bleiben wird, wenn die Pandemie dereinst endet.

Die Feuerwehr ist nicht nur zum Feuerlöschen da

Auch Felt glaubt aber, dass vielen Leuten nicht bekannt sei, wofür die Feuerwehr alles zuständig ist: «Wir sind nicht nur zum Feuerlöschen da, sondern auch zum Beispiel bei Öl- oder Verkehrsunfällen, zur Unterstützung des Rettungsdiensts oder der Polizei, aber auch für Tierrettungen», sagt er. Im Januar war die Feuerwehr zudem beim starken Schneefall fleissig im Einsatz. «Es ist für jeden etwas dabei, auch wenn jemand Höhenangst hat oder kein Blut sehen kann», sagt Felt. Die Feuerwehr Geroldswil-Oetwil wirbt regelmässig in den Mitteilungsblättern der beiden Gemeinden. Zudem seien die Übungen bewusst an verschiedenen Wochentagen, und man müsse für eine Mitgliedschaft nicht zwingend in einer der beiden Gemeinden wohnen, wenn man tagsüber im Dorf arbeitet.

Michael Egli ist froh, dass die Feuerwehr systemrelevant ist und daher nach wie vor Übungen durchführen kann. Er sagt:

«Eine Zusammenkunft der ganzen Mannschaft vermissen wir aber.»

Aktuell treffe sich die Feuerwehr Engstringen nur für Übungen in einem Zug, also mit etwa 10 bis 15 Leuten. Dadurch sinke aber die Motivation bei den Mitgliedern nicht, sagt Egli. Im Gegenteil: Die Leute seien froh, sich dank der Feuerwehr wenigstens in kleineren Gruppen sehen zu können.

Die Möglichkeiten der Mitgliederwerbung seien zurzeit auf soziale Netzwerke, Printwerbung, Mund-Propaganda, kleine Informationsabende und die erwähnten Plakate beschränkt, sagt Egli. Die Feuerwehr Engstringen hat seit Neuem auch eine verantwortliche Person für die Bereiche Werbung und Rekrutierung. «Wer weiss, vielleicht sieht man uns einmal mit unseren Fahrzeugen oder mit Informationen, wenn man es gar nicht erwartet und eigentlich nur einkaufen geht», verrät Egli.

In der Feuerwehr Geroldswil-Oetwil hat das Jahr mit sieben neuen Mitgliedern begonnen. Auch Michael Egli von der Feuerwehr Engstringen hat trotz der Pandemie Grund zur Freude und konnte Anfang Jahr ebenfalls sieben neue Kameraden begrüssen. Und letzte Woche seien weitere drei Mitglieder, darunter zwei Frauen, dazugekommen. Es gehe also in die richtige Richtung. «Da aber auch immer wieder mal jemand austritt, haben wir noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, um in Zukunft eine motivierte und einsatzbereite Truppe zusammenzuhalten.»