Schlieren

Mit Worten Bilder gezeichnet

Die Schlieremerin Ursula Gächter

Die Schlieremerin Ursula Gächter

Ursula Gächter hat ihre Geschichten in einem Band zusammengestellt: Die Schlieremerin hat bei der Buchvernissage begeistert.

«Die Frau ging, ohne ihn zu beachten, an ihm vorbei. Es lag so viel Kraft in ihrer Bewegung. Kraft, und ja, auch Anmut. Sein Blick verweilte auf ihren Fesseln, auf ihren Füssen.» Die Titelgeschichte des Erzählbands «Riemchensandaletten» der Schlieremer Autorin Ursula Gächter ist keine leichte Kost. Häppchenweise bekam das Publikum am Mittwochabend an der Buchvernissage in der Stadtbibliothek Schlieren Passagen daraus zu hören.

«Ich bin stolz, hier lesen zu dürfen», sagte Gächter, die die Bibliothek in den Siebzigerjahren aufbauen half und während neun Jahren da arbeitete. Dass ihr das Schreiben liegt, erkannte die heute 79-Jährige früh – zur Freude ihrer damaligen Schulkameraden, denen sie regelmässig die Aufsätze verfasste. Der Erzählband versammelt nun eine Handvoll der Geschichten Gächters, redigiert und in neuer Aufmachung. Präzision ist ihr wichtig. «Sätze und Wörter stelle ich solange um, bis sie sich zu einem stimmigen Ganzen fügen. Gerade bei kurzen Geschichten bedeutet das Knochenarbeit. Umso mehr freue ich mich, wenn sie fertig sind.»

Die Titelgeschichte allerdings, die sich um Stalker Fabian dreht, habe sie lange «in der Schublade» ruhen lassen. «Die Hauptfigur war mir so unsympathisch.» Schonungslos leuchtet Gächter ihren düsteren Protagonisten aus und legt seine obsessive Natur Stück für Stück offen. Mit einem Schaudern erfuhr das Publikum, wie Fabian den Sandaletten und der hübschen jungen Frau, die diese trägt, bis zur Wohnung nachstellt. «So, hier mache ich jetzt einen Cliffhanger», sagte Gächter. Lacher im Publikum.

Die nächste Erzählung trägt den Titel «Das Haus dort oben». Dieses hat eine reale Bewandtnis: «Wenn man auf der Autobahn von Zürich nach St. Gallen fährt, taucht auf der Höhe von Weinfelden ein Haus am Berg auf», so Gächter. Sie malte sich aus, wer in jenem Haus leben könnte; Annette und Helene, zwei ältere Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eindrücklich skizziert die Autorin auf wenigen Seiten ganze Liebes- und Lebenspanoramen. Das alltägliche Gezänk in der WG trug Gächter gemeinsam mit Lisa Scaramuzza vor, die sie vom Schlieremer Frauenchor kennt. Ein erheiternder Einfall.

«Ursulas Geschichten lassen einen nicht los», sagte Scaramuzza nachher. «Immerzu frage ich mich, wie es nach dem Ende weitergehen könnte.» Die Neugierde befiel auch das Publikum – Gächters Bücher verkauften sich flugs und vor dem Signiertisch bildete sich eine Schlange. Begeistert meinte Beatrice Bickel aus Schlieren: «Ich kenne Ursula schon lange, aber bisher habe ich noch nichts von ihr gelesen. Das hole ich jetzt nach.» Auch Bibliotheksleiterin Monique Roth ist voll des Lobes: «Ursula erschafft Bilder, auf die ich nie käme. Und das macht doch eine gute Schriftstellerin aus.»

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Autor

Fabienne Eisenring

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