Birmensdorf

Mit WC-Häuschen die Welt verbessern – dieses Start-up verwertet Menschenkot zu Erde

Marc Haueter sorgt für den Unterhalt der Toiletten. Statt einer Spülung kommt eine Schaufel Aktivkohle zum Einsatz.

Die CO2-reduzierende Trockentoilette von Greenport verwertet Menschenkot zu Erde, auf die sogar die Masoala-Halle im Zoo Zürich setzt. Die junge Firma will damit ihren Beitrag für eine nachhaltige Zukunft leisten.

Sie beschreiben sich selbst als Weltverbesserer und Tabuvernichter. Wer Menschenkot aus dem stillen Örtchen zu einem Wertstoff weiterverarbeite, werde aber durchaus auch als Freak bezeichnet, sagt Marc Haueter und grinst. Zusammen mit drei Freunden hat der Ostschweizer vor zwei Jahren die Firma Greenport gegründet, die heute in Birmensdorf in einer alten Scheune am Altenberg zuhause ist. Gleich wie das Unternehmen heisst dann das Produkt, die CO2 reduzierende Trockentoilette: ein hübsches Toilettenhäuschen, mit Herzguckloch in der Tür. Beim Anblick des schmucken Holzbaus kommen Erinnerungen an die letzte Bergwanderung hoch.

Weiter mit seinen Erzählungen kommt Haueter vorerst nicht, sein Mobiltelefon klingelt. Da müsse er ran, erklärt er und ist schon am Apparat. Eine Anfrage eines Festivalveranstalters, der die Komposthäuschen mieten will. Wenige Minuten später steht der Deal. Der Geschäftsmann nickt zufrieden. Nicht umsonst wird Haueter auf der Webseite des Unternehmens als das Organisationstalent beschrieben.

Der Kundenservice stehe für ihn an erster Stelle, so Haueter. Vor allem kleinere Outdoor- Veranstalter buchten die Klohäuschen aus Holz gerne. Vor kurzem seien die Toiletten sogar für einen Event drinnen gebucht worden. Obwohl Haueter zuerst selbst zweifelte, hätten die WCs nicht gestunken. «Einige mieten unsere Greenports, weil sie hübscher aussehen als die altbekannten Plastikdinger, und andere der Umwelt zuliebe», so der Naturfreund. Letzteres war bei der Gründung von Greenport weitaus ausschlaggebender.

Die besonders fruchtbare Erde «Terra Preta» besteht aus Kot und Bioabfällen.

Die besonders fruchtbare Erde «Terra Preta» besteht aus Kot und Bioabfällen.

Ohne Chemie und mit wenig Unterhalt sollen die Komposttoiletten den Rohstoffkreislauf schliessen und damit CO2 dauerhaft binden. Es sei wichtig, wieder vermehrt Wirtschaftskreisläufe zu schliessen anstatt nur immer neue Handelsketten ins Leben zu rufen, so Haueter. Die Biomasse wird bei dieser Art von Toilette nicht kompostiert, sondern pyrolisiert. Im Vorgang der Pyrolyse wird das nährstoffreiche Material bis auf 800 Grad erhitzt. Daraus wird Aktivkohle gewonnen.

Diese wird anschliessend mit Bio-Kompost, anderen Nährstoffen und natürlichen Materialien vermischt – fertig ist die Erde «Terra Preta», die sogar in der Masoala Halle im Zoo Zürich zum Einsatz kommt. Gespült wird im Greenport Klo übrigens ebenfalls mit Aktivkohle, die den Geruch bindet. Hinzu kommen Hobelspäne, «damit das Ganze hübscher aussieht für den Benutzer», erklärt Haueter. Zudem belaste das die Umwelt nicht.

Alle vier Gründer sind sehr naturverbunden. Trotz des ökologischen Aspekts solle aber auch der Komfort nicht auf der Strecke bleiben, so Haueter. Alle Häuschen sind deshalb zum Beispiel mit einer durchsichtigen Oberplatte ausgestattet. So geniesst man von der Kloschüssel aus den Blick in den Himmel. Zudem kommt Sonnenlicht durch die Decke, welches die eingebaute Solarlampe im Häuschen versorgt. Die Toilette gibt es in drei verschiedenen Ausführungen zu mieten: einmal als Einzeltoilette, dann als rollstuhlgängiges Familien- und Behinderten-WC und schliesslich als Urinale mit seitlichem Handwaschbecken.

Haueter ist erstaunt, wie sorgfältig die Festivalbesucher mit den Toiletten umgehen. «Wir hatten bis jetzt noch keine grösseren Beschädigungen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass man als Festivalbesucher ein klassisches Plastik-WC erwartet und dann überrascht ist über den Komfort», so Haueter.

So begeistert die Gründer von ihren Produkten aber auch sind: Aus Mist Geld zu machen, das ist scheinbar doch nicht ganz so einfach. Davon leben kann das Team heute noch nicht. «Wir sind uns bewusst, dass wir nur eine Nische bedienen», so Haueter. Grössere Festivals könnten gar nicht abgedeckt werden, da maximal 31 Toiletten zur Verfügung stehen. Trotzdem möchte das Unternehmen aber mindestens zehn zusätzliche WCs produzieren.

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