Sérgio Coimbra Oliveira rennt wie entfesselt zur Aussenlinie und jubelt lautstark, bevor er sich von seinen Mannschaftskollegen feiern lässt. Soeben hat der 3.Liga-Fussballer für Oetwil-Geroldswil ein Tor erzielt – und was für eines: Mit einem Sonntagsschuss im wahrsten Sinne des Wortes hat er Muhamed Tahiri, den Torhüter von United Zürich II, aus der Distanz überrascht und herrlich in den Winkel getroffen.

Es ist nicht nur ein wunderschönes Tor, sondern auch noch eines, das zu einem für Oetwil-Geroldswil sehr günstigen Zeitpunkt fällt, nämlich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. United bleibt nur noch zwei Minuten Zeit, um auf den Rückstand zu reagieren. Die Gastgeber werfen zwar nochmals alles nach vorne, doch am Spielstand ändert sich nichts mehr. Und so bleibt es beim knappen Vorsprung für Oetwil-Geroldswil – auch nach der zweiten Hälfte.

Für die Limmattaler ist es das Happy End in einem Spiel, in dem sie sich oft schwergetan hatten. Vor allem in der Schlussviertelstunde musste die Defensive von Oetwil-Geroldswil einige hochkarätige Möglichkeiten der Gastgeber zulassen. Die beste hatte Indrit Dzaferi, der den Ball aus kürzester Distanz nicht an Oetwil-Geroldswils Torhüter Yannick Fux vorbeibrachte. Überhaupt zeigte Fux eine starke Leistung und rettete seine Mannschaft mehrmals vor dem Gegentor. «Das ist schliesslich mein Job», sagte er dazu bloss.

Verhältnisse «eher grenzwertig»

Oetwil-Geroldswil erspielte sich über die gesamte Partie gesehen weniger Chancen als United Zürich. In der ersten Hälfte resultierten gerade einmal zwei gute Möglichkeiten für die Limmattaler. So hätte Raul Marcella Fayos die Gäste nach etwas mehr als 20 Minuten in Führung bringen können, hätte er allein vor dem leeren Tor den Ball nicht am Gehäuse vorbeigeschossen. Und in der Nachspielzeit flog Daniel Marquarts Direktabnahme knapp am Pfosten vorbei.

Statt Torchancen bekamen die Zuschauer auf der Stadtzürcher Sportanlage Buchlern vor allem viel Kampf und Krampf zu sehen. Das hatte unter anderem auch mit dem Fussballplatz zu tun, der nicht im besten Zustand war. «Es war schwierig, auf diesem Platz flache Bälle zu spielen, so wie wir es gewohnt sind», sagte denn auch Fux. Auch Jean Marie Broggi, der Trainer von Oetwil-Geroldswil, sprach davon, dass die Verhältnisse «eher grenzwertig» gewesen seien, fügte aber hinzu: «Ich denke, dass es für United Zürich, das mit Spielern aus der ersten Mannschaft angetreten ist, noch schwieriger auf diesem Platz war.»

Da man gewusst habe, dass die Verhältnisse nicht optimal waren, habe man auch gewusst, dass es ein kampfbetontes Spiel geben würde. «Wir haben die Zweikämpfe angenommen und das bis eine Viertelstunde vor Schluss sehr gut gemacht», sagte Broggi. Insgesamt gesehen habe jedoch nicht die bessere Mannschaft gewonnen, gab er zu. «Andererseits waren wir in dieser Saison auch schon das bessere Team und haben trotzdem verloren.»

«Unsere Gruppe ist brutal eng»

Gerade in den beiden Meisterschaftspartien vor dem Spiel gegen United hatten die Limmattaler zwei Niederlagen einstecken müssen: gegen die Blue Stars ZH (3:4) und Republika Srpska (2:4). «Wir haben auch nach diesen Niederlagen nicht an uns zu zweifeln begonnen», sagte Broggi. «Aber wir wissen, dass es nicht reicht, wenn wir 90 Prozent geben, denn unsere Gruppe ist brutal eng. Jeden Match, den wir bisher verloren haben, hätten wir auch gewinnen können und umgekehrt.»

Gegen United hätte Oetwil-Geroldswil tatsächlich ebenfalls verlieren können. Dass am Ende sogar drei Punkte aus einer solchen Partie resultierten, gibt den Limmattalern Auftrieb. «Solche Siege sind wichtig fürs Selbstvertrauen», sagte Fux, «auch wenn wir glücklich gewonnen haben.»