In einem grossen Kreis stehen Eltern und Schüler vor dem Stadthaus in Schlieren. Alle Augen sind auf Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) gerichtet. Er hält ein Mäppchen in der Hand. «Ich bedanke mich für die Arbeit, die gemacht wurde. Speziell bei den Schülerinnen und Schülern, die sich dieser Sache angenommen haben», sagte Bärtschiger am Dienstagnachmittag. Er sprach damit die Petition an, die ihm überreicht wurde. Mit 41 Unterschriften wehren sich Schlieremer Eltern gegen die Kündigung von Seklehrer Stefan Achermann.

Zu dieser kam es, weil die Schulpflege Schlieren den Lehrer und seinen Kollegen Harald Schurr vergangenen Freitag in einem E-Mail dazu aufforderte, die selbst finanzierte IT-Ausrüstung wie Beamer und Computer für die Schülerinnen und Schüler nach den Sport- oder den Frühlingsferien zu entfernen und nicht wieder aufzubauen. Dies wurde gefordert, damit die Schule Schlieren die neue Beleuchtung installieren, die neuen Energiesparmassnahmen umsetzen und alle Zimmer auf das neue IT-Konzept umrüsten kann. Achermann reichte umgehend die Kündigung ein. Allerdings wurde das IT-Konzept noch nicht vom Parlament abgesegnet. Im Frühling 2019 soll darüber abgestimmt werden. Eine Umsetzung wäre dann ab Sommer 2019 in den ersten Schulhäusern möglich.

Begeistert von Methoden

Die Kündigung von Achermann können die Eltern der betroffenen Sekklassen A2A und A2B des Schulhauses Kalktarren nicht akzeptieren. Sie fordern die Schulpflege in der Petition nun dazu auf, die Weisung rückgängig zu machen und mit dem Lehrer das Gespräch zu suchen, mit dem Ziel, dass Achermann bleibt. «Mein Sohn kam letzten Freitag ganz aufgelöst nach Hause und erzählte, dass sein Lehrer die Kündigung eingereicht hat», sagte Vater und Petitionär Davor Kupresak. Die Eltern wie auch die Schülerinnen und Schüler schätzen den Unterricht und die Art von Achermann. «Ich habe die gute IT-Einrichtung am Besuchsmorgen gesehen und bin begeistert von den Methoden von Herrn Achermann. Die Kinder profitieren wahnsinnig und lernen, mit digitalen Medien umzugehen.»

So sieht es auch die Mutter Doris Seiler. «Er ist ein Lehrer, der mit Herz und Seele dabei ist.» Es sei unglaublich, wie viel er von seiner Freizeit für die Wartung und Installation der Geräte opfere. Das Ziel der Eltern ist klar: Ihre Kinder sollen Achermann als Lehrer nicht verlieren. «Wir hoffen, dass wir etwas bewegen können und dass die Schulpflege nicht stur auf ihrer Meinung beharrt», sagt Petitionär Flavio Impusino. Er sehe nur Vorteile dieses Unterrichts und könne nicht verstehen, dass die Schulpflege nicht merke, dass individuell gestalteter Unterricht im Sinne aller Beteiligten und auch des Lehrplans 21 sei. Nicht nur finden die Eltern es schade, dass ihre Kinder durch die Aktion der Schule Schlieren einen guten Lehrer verlieren könnten, sie sind auch besorgt. «Ein Lehrerwechsel wäre derzeit äusserst ungünstig. Unsere Kinder sind in der 2. Sek und stehen vor der Berufswahl. Es ist wichtig, dass sie in dieser Zeit eine gute Lehrperson an ihrer Seite haben», sagte Petitionär Lothar Seiler.

Am letzten Wochenende trafen sich die Eltern der betroffenen beiden Klassen und luden Stefan Achermann und Harald Schurr ein. Im Gespräch mit Achermann wurde klar, dass der Lehrer dazu bereit wäre zu bleiben, wenn die Weisung zurückgezogen wird. «Als wir das erfahren haben, wussten wir, dass wir etwas unternehmen müssen», so Impusino.

Wie eine Ohrfeige

Für Stefan Achermann steht fest, dass er weg ist, wenn er seine IT-Ausrüstung und seine Beamer nach der Erneuerung der Zimmer nicht mehr aufstellen darf. «Ich habe mir in den zehn Jahren, während derer ich bereits an der Schule Schlieren unterrichte, etwas aufgebaut und fast 70'000 Franken von meinem eigenen Geld in die Ausrüstung gesteckt.» Die Aufforderung der Schulpflege fühle sich an wie eine Ohrfeige. Bei einem Wechsel zurück auf Tafel und Hellraumprojektor könne er alle seine Unterlagen wegwerfen, so Achermann. «Ich bin nicht bereit, zurück in die pädagogische Steinzeit zu gehen.» Denn das geplante IT-Konzept biete nicht annähernd das, was sein Unterricht tue. Für seine Schüler sei es eine erhebliche Verschlechterung. Es gebe weniger Computer und auch das Know-how in der Lehrerschaft fehle. Er denkt dabei aber auch an seine Klasse. «Die Schüler haben durch den digitalen Unterricht bessere Chancen auf dem Lehrstellenmarkt.»

Achermann ist gerührt und überrascht, dass sich die Eltern und Schüler so für seinen Verbleib an der Schule einsetzen. «Ich ging davon aus, dass Lehrer austauschbar sind. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Die Aktion ist sensationell.» Nun wird sich in ein paar Wochen zeigen, wie die Stadt und die Schulpflege auf die Petition reagieren. Stadtpräsident Markus Bärtschiger blieb bei der Übergabe zugeknöpft. «Es wird eine offizielle Antwort geben. Es braucht aber ein paar Tage», sagte er.

Die bei der Übergabe anwesende Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) verwies auf die Einführung des neuen IT-Konzeptes als Grund für die Aufforderung an die Lehrer Achermann und Schurr. «Die Schulpflege Schlieren hat 2016 eine neues IT-Konzept verabschiedet, das eine Standardisierung aller Klassenzimmer vorsieht und die Umsetzung des Lehrplans 21 ermöglicht.» Die Lehrpersonen seien an der Erarbeitung des Konzepts mitbeteiligt und nach Annahme des Konzepts durch die Schulpflege auch über die anstehenden Änderungen informiert worden, so Krebs. «Es ist für die Schulpflege selbstverständlich, dass mit der Einführung eines neuen Konzeptes für alle Kinder und Lehrpersonen die gleichen Voraussetzungen geschaffen werden.»

Privat finanzierte Geräte: Ein Sicherheitsrisiko

Ein weiterer Punkt: Privat finanzierte Geräte stellten auch ein Sicherheitsrisiko dar, da sie nicht durch die Schul-IT gewartet würden. Zur Kündigung von Achermann nahm Krebs wie folgt Stellung: «Die Lehrperson hat sich entschieden, gestützt auf diese Voraussetzungen zu künden. Die Schulpflege akzeptiert diesen Entscheid.»

Die Petition der Eltern wird in diesem Fall aber nicht die einzige bleiben. Am kommenden Freitag überreichen die betroffenen Klassen Markus Bärtschiger im Schulhaus Kalktarren in der Znünipause ihre Petition. Und auch politisch soll noch etwas gehen. Sarah Impusino, Mutter einer Schülerin und CVP-Gemeinderätin, wird in dieser Angelegenheit im Parlament eine kleine Anfrage an den Stadtrat richten.