Wenn man sehen will, ob Bergdietikon gut auf den Winter vorbereitet ist, muss man hochklettern auf das Dach des Werkhofes. Dort oben beweist ein Blick durch die Sichtluke des Streusalzsilos: Für die Gemeinde mit den herausforderndsten Strassenbedingungen in der Region können Glatteis, Graupelschauer und überfrierende Nässe kommen. 55 Tonnen feinstes, blütenweisses Streusalz der Firma Rheinsole wurden bereits im letzten Frühjahr in den Silo hochgeblasen. Darüber hinaus setzt man in Bergdietikon auch auf Split. «Der liegt bereit für Extremsituationen, etwa wenn die Temperatur stark absackt und das Salz seine Wirkung nicht entfalten kann», erklärt Werkhofleiter Martin Bräm. Ob es dazu kommt, ist fraglich. Die Tendenz zu milden Wintern in den letzten Jahren senkt den Verbrauch von Split wie Salz. Bräm: «In durchschnittlichen Wintern müssen wir einmal in der laufenden Saison nachfüllen. Insgesamt brauchen wir im Winter etwa 40 bis 45 Tonnen Salz. Nicht so im letzten Winter.» Nur 25 Tonnen wurden gestreut, Split hat es gar keinen gebraucht. Um aber dennoch auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, werden in diesen Tagen die Bergdietiker Räumfahrzeuge nicht nur mit einem Korrosionsschutz aus Wachs versehen. Sie bekommen wegen der Höhenunterschiede und der starken Steigungen auch Winterräder mit Spikes aufgezogen. «Da sind wir hier wahrscheinlich die Einzigen im Limmattal», erklärt Bräm.

Schlieren testet Flüssiges

Durch den milden letzten Winter war in Uitikon und Urdorf noch so viel Streusalz aus dem letzten Jahr übrig, dass ein Auffüllen der Silos nicht nötig war. 35 beziehungsweise 20 Tonnen Salz werden in den beiden Gemeinden für einen kalten Winterstart vorrätig gehalten. Die Stadt Dietikon setzt nicht nur auf 150 Tonnen Salz und eine Tonne Split. Seit Oktober 2015 regelt sie ihren Winterdienst in Richtlinien, die die Bürger auf der Internetseite nachlesen können. Dort erfährt man Näheres zum Pikettdienst sowie den verschiedenen Dringlichkeitsstufen der Strassentypen. Erste Priorität haben nicht nur die Hauptverkehrsstrassen und -wege, sondern auch Brücken und Fussverbindungen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Stadt Schlieren testet in diesem Winter die Glatteis-Bekämpfung mithilfe von flüssiger Sole, eine Methode, die zwar in Schweden und Süddeutschland schon länger im Einsatz, aber in der Schweiz noch relativ neu ist. Die Flüssigstreuer werden ausschliesslich im Spitalquartier unterwegs sein; etwa ein Viertel der Strassen Schlierens sind dort passiersicher zu machen. Der Fokus liegt beim Test auf den Gehsteigen und sogenannten untergeordneten Strassen. Die Sole wird sowohl als präventive Massnahme eingesetzt, also am Abend, bevor Bodenfrost zu erwarten ist, als auch, wenn bereits entstandener Bodenfrost früh am Morgen aufgelöst werden muss. «Dabei passen wir das Mischverhältnis von Wasser und Salz den Witterungsverhältnissen an», so Roger Gerber, Leiter Abteilung Werke, Versorgung und Anlagen in Schlieren.

Einige Gemeinden greifen beim Winterdienst den Kantonen unter die Arme. Die kantonale Zuständigkeit für manche Strassenabschnitte wird nämlich manchmal gerne an die Kommunen abgetreten. In Aesch etwa übernehmen die Werkhofmitarbeiter die Räumung des Kreisels und der Gehwege entlang der Kantonsstrasse, und der Kanton Aargau hat die Kantonsstrasse Richtung Herrenberg gleich komplett in die Obhut der Gemeinde Bergdietikon übergeben. Werkhofleiter Bräm: «Das läuft problemlos bei unserer Arbeit mit.»

Dienststart um 3.30 Uhr

Eineinhalb Stunden dauert in Bergdietikon ein Einsatz mit reiner Salzstreuung, fünf Stunden mit dem Pflug. Dafür greift der Werkhof wie auch in Aesch auf die Unterstützung von Landwirten zurück, die ihre Traktoren und ihre Arbeitskraft in den Dienst der Gemeinde stellen. Wer zum Pikettdienst eingeteilt ist, muss früh raus. Der Pikettleiter nimmt gegen 3.30 Uhr Augenschein von der Witterungslage und entscheidet, ob das Team aufgeboten werden muss. Spätestens um vier Uhr beginnt dann der Räum- und Streudienst. Die Einsatzpläne werden in jedem Jahr ab dem 1. November aufgestellt, auch wenn sich – wie derzeit – noch kein Flöckchen blicken lässt. Spätestens wenn es dann so weit ist, werden auch die Verkehrsteilnehmer merken, dass sie sich auf die unbequemere Witterung einstellen müssen. Roger Gerber hat dafür einen Tipp parat: «Wir empfehlen der Bevölkerung, sich nach dem WWF-Prinzip zu verhalten: Winterschuhe, Winterpneus, früher aufstehen.»