Der erste Vorfall geschah am 17. April 2011. Damals hielt sich der heute 22-jährige Asylbewerber aus Guinea im Restaurant New Point in Winterthur auf. Dort lernte er in den frühen Morgenstunden eine erheblich angetrunkene Schweizerin kennen und spendierte ihr einen Drink. Laut Anklage mit K.-o.-Tropfen versetzt.

Fest steht, dass sich die Frau kurz darauf an nichts mehr erinnern konnte. Als sie wieder zu sich kam, befand sie sich in der Asylunterkunft in Urdorf und bemerkte, wie der Beschuldigte mit ihr den Geschlechtsverkehr auf seinem Bett vollzog. Sie stiess ihn weg und begab sich danach alleine und völlig verwirrt auf den Heimweg nach Winterthur.

Der Beschuldigte hatte zunächst Glück und kam ungeschoren davon. Bis er im März 2012 in einem Zürcher Club erneut auf eine angetrunkene Schweizerin traf und diese kurz darauf in einem Personenwagen eines Kollegen sexuell missbrauchte. Der Lenker hatte zuvor versucht, den Täter von seinem Vorhaben abzuhalten. Vergebens.

Die Staatsanwaltschaft ging auch in diesem Fall vom Einsatz von K.-o.-Tropfen aus. Doch diesmal hatte der Westafrikaner Pech. Ein Anwohner wurde auf die Szenerie aufmerksam und schaltete die Polizei ein. Sie konnte den überraschten Beschuldigten noch am Tatort trotz heftiger Gegenwehr festnehmen.

Unschuld beteuert

Vor dem Bezirksgericht Dietikon beteuerte der wegen Vergewaltigung und Schändungen angeklagte Asylbewerber seine Unschuld. Er habe nie jemanden zu etwas gezwungen, erklärte er. Dies sagte auch sein Verteidiger, der einen vollen Freispruch verlangte und ausführte, dass beide angeblichen Opfer freiwillig mit seinem Klienten mitgegangen seien. Zudem sei der Einsatz von K.-o.-Tropfen überhaupt nicht erwiesen.

Anders sah es die Staatsanwaltschaft, die dem Beschuldigten ein strategisches Vorgehen anlastete und eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren verlangte. Er habe die Geschädigten wie ein Stück Fleisch behandelt, plädierte sie.

Schändungen erwiesen

Das Gericht folgte gestern Freitag in vielen Punkten der Anklage und verurteilte den Afrikaner wegen mehrfacher Schändung sowie Hinderung einer Amtshandlung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Die Aussagen des Angeklagten seien krass widersprüchlich ausgefallen, hielt der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher fest.

Im Gegensatz dazu hätten die beiden Frauen plausibel und differenziert ausgesagt. Obwohl das Gericht den Einsatz von K.-o.-Tropfen mangels Beweisen als nicht erstellt betrachtete, sah es die Schändungen der alkoholisierten Opfer sehr wohl als erwiesen an. In beiden Fällen sei die Widerstandsunfähigkeit der Frauen für den Angeschuldigten erkennbar gewesen, sagte Aeschbacher. Zudem hätten die Geschädigten keine Einwilligung zu sexuellen Handlungen gegeben.

Das Gericht lastete dem Beschuldigten rein egoistische Motive sowie eine erschreckende Rücksichtslosigkeit an. Die Tatschwere sei erheblich. Das Gericht sprach beiden Opfern grundsätzlich einen Schadensersatz zu. Zudem verhältnismässig hohe Schmerzensgelder von je 15 000 Franken.