Niderfeld Dietikon
Mit kleinen Strukturen zum neuen Stadtteil

Das Niderfeld, die letzte grosse Baulandreserve der Stadt, nimmt Gestalt an – zumindest in den Köpfen der Planer. Mit den Vorschlägen für eine künftige Überbauung und Nutzung des Niderfelds ist ein erster Schritt bereits getan.

Matthias Kessler
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So soll das Niderfeld aussehen
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So soll das Niderfeld aussehen

Was muss im Niderfeld zuerst stehen: Die verkehrsmässige Erschliessung? Oder die ersten Liegenschaften? «Das ist wie mit dem Huhn und dem Ei», sagte Jürg Bösch, Leiter des Dietiker Stadtplanungsamt, schmunzelnd. Um dann ernsthafter anzufügen: In zehn Jahre werde wohl die Limmattalbahn durch das Gebiet fahren. Und dannzumal solle bezüglich Gebäuden schon etwas vorhanden sein. Das wiederum bedeute, dass man im nächsten Jahr die Planung konkreter angehen müsse. Für diese brauche es vermutlich «drei bis vier Jahre» – notwendig sind die Erarbeitung von Gestaltungs- und Quartierplänen. Somit könnten, so Bösch, im Jahr 2017 die rechtlichen Voraussetzungen für eine Bebauung des Gebiets (siehe auch Box) geschaffen sein, um einzelne Projekte an die Hand zu nehmen.

Gewebe aus kleineren Strukturen

Ein erster Schritt dahin ist getan: Um Vorschläge für eine künftige Überbauung und Nutzung des Niderfelds, der letzten grossen Baulandreserve der Stadt, zu erhalten, hatte die städtische Hochbauabteilung vor zwei Jahren in Zusammenarbeit mit dem europäischen Planer- und Architektenverbund Europan an einem internationalen Wettbewerb teilgenommen. Die Resultate werden im Foyer des Stadthauses ausgestellt – seit gestern Montagabend und noch bis zum 11.Februar.

Mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurden die Architekten Toshihiro Kubota aus Japan und der Schweizer Yves Bachmann; insgesamt waren 26Entwürfe eingegangen. «Eine Vision, kein Projekt» sei es, was die beiden vorgelegt hätten, erklärte Rodolphe Luscher, Präsident von Europan Schweiz. Entstehen solle nach den Vorstellungen der zwei Architekten ein vielfältiges Gebilde, ein Gewebe aus verschiedenen kleineren, dorfähnlichen Strukturen, die sich prozessartig zu einem grossen Ganzen zusammenfügten.

Das siegreiche Dossier, schreibt die Stadt dann auch in ihrer Medienmitteilung, besteche durch einen prozesshaften Ansatz bei der Entwicklungsplanung. Anstatt Gebäude und Strassen vorzudefinieren, setzten die Verfasser auf Grundsätze zur Regelung von Anordnung, Dimension und Gestaltung der Bauten und Freiräume. Besondere Bedeutung komme dabei den multifunktional nutzbaren öffentlichen Räumen und ökologischen Standards zu.

Wohnen, arbeiten, leben

Stadtplaner Bösch seinerseits verwies am Montagabend mit Blick auf die Ökologie auf den grossen Stellenwert, der beispielsweise der Fernwärme zukommen soll. Das Dossier, so Bösch, erachte er zudem als
gute Möglichkeit, das Thema der Niderfeld-Gestaltung aufs Tapet zu bringen und mit den vielen Grundeigentümern ins Gespräch zu kommen.

«Wir haben es mit einer besonderen Planung zu tun», so Bösch. Insbesondere der mit der Einzonung verfügte Park stelle mit seiner Fläche von acht Hektaren in dieser Form weitherum «eine Einzigartigkeit» dar. Von Planerseite sei es wichtig, dies auch gebührend zu berücksichtigen.

Das Gebiet solle «modellhaft» sein und «Vorbildcharakter» haben, erklärte Stadtpräsident Otto Müller. Die Wohnangebote sollten eine «gute Durchmischung» garantieren, die Arbeitsplätze sollten vielseitig sein – Verkauf, Produktion, Dienstleistungen – und nicht zuletzt dürfe auch der Erholungsfaktor nicht zu kurz kommen. Kurz: «Ein Stadtteil von morgen.»