Dietikon

Mit Jörg Hamburger wird der erste Grafiker mit dem Kulturpreis gewürdigt

Der in der Stadt relativ unbekannte Jörg Hamburger ist der erste Grafiker, der mit dem Kulturpreis geehrt wird. Nicht nur national und international feierte Hamburger grosse Erfolge. Sein Schaffen ist auch regional verankert.

Seine Frau Bettina weiss, dass es im Leben von Jörg Hamburger ein oberstes Credo gibt: «Präzision geht ihm über alles», sagt sie und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wohl wird dem 78-jährigen Dietiker unter anderem diese Eigenschaft den diesjährigen Kulturpreis eingebracht haben.

Er soll ihm am 4. Mai in einer nicht öffentlichen Verleihung übergeben werden. Hamburger gesellt sich damit zu den renommierten bisherigen Gewinnern Bruno Weber, René Gubelmann Doris und Peter Walser-Wilhelm, Dalibor Brazda und Josef Staub.

Der in Dietikon relativ unbekannte Hamburger ist der erste Grafiker, der mit dem Kulturpreis geehrt wird. Treffend hiess es in dieser Zeitung vom 21. November 1979 im Artikel über Hamburgers Vernissage im Ortsmuseum, dass Werbegrafikern eine «unverdiente Anonymität» zuteil werde. In der Fachwelt der Grafik geniesse er jedoch seit den 1960er-Jahren grosses Ansehen, wie Stadtpräsident Otto Müller heute sagt. Für eine Ehrung ist es somit allerhöchste Zeit.

Schaffen auch regional verankert

In Olten geboren und aufgewachsen, absolvierte Hamburger die Fachklasse Grafik der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel, wo er anschliessend eine Anstellung in der Werbeabteilung bei Geigy fand. Es folgte ein Wechsel zum Zürcher Atelier Josef Müller-Brockmann, danach die Selbstständigkeit im eigenen Büro sowie eine Stelle als Lehrer in Schrift und Typografie an der Fachklasse Fotografie in Zürich.

Seit 1967 lebt er mit seiner Frau Bettina in der Nähe des heutigen Bahnhofs Glanzenberg, ein Jahr später komplettierten Zwillinge die kleine Familie. Auch danach investierte Hamburger viel Zeit und Energie in seinen Beruf: «Vor seiner Pensionierung war er ein regelrechter Workaholic», sagt seine Frau. Sogar im Ferienhaus im Toggenburg habe er ein Atelier gehabt.

Mehrere Höhepunkte zieren seine 40 Jahre dauernde Karriere. Im vergangenen Jahr würdigte ihn die Swiss Graphic Design Foundation mit einer Dokumentation unter dem Titel «Jörg Hamburger – Ein Altmeister der Moderne». Die Plakate, Leuchtreklamen und Inserate, die Hamburger entwarf, stiessen auf grossen Anklang.

So prämierte das Eidgenössische Departement des Inneren im Rahmen des Wettbewerbes «Schweizer Plakat des Jahres» acht seiner Werke. Zwei seiner Plakate aus dem Jahr 1963 wurden gar in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen.

Nicht nur national und international feierte Hamburger grosse Erfolge. Wie Stadtpräsident Otto Müller sagt, ist sein Schaffen auch regional verankert. So entwarf er im Jahr 1980 im Auftrag der Stadt Dietikon die Broschüre «Dietikon für Teilnehmer», die jedem Neuzuzüger abgegeben wurde. Zwei weitere Auflagen in den Jahren 1987 und 1990 folgten. Aktiv war Hamburger in der Kulturgruppe «Limmethus» sowie zwischen 1981 und 1986 in der Kulturkomission der Stadt. Auch an einigen Gebäuden in Dietikon ist die Handschrift des Grafikers zu finden, so zum Beispiel im Schulhaus Luberzen oder an der heilpädagogischen Schule, wo er die schulinterne Beschilderung gestaltete.

Mit Brüchen im Spital

Die Idee, Hamburger den mit 5 000 Franken dotierten Preis zu verleihen, hatte Stadtpräsident Otto Müller. Er selber verweist, gefragt nach seinem Lieblingswerk des Künstlers, auf dessen Arbeiten für den Jugendsport.

Ihr Mann habe sich sehr darüber gefreut, den Preis zu erhalten, sagt Bettina Hamburger. Da er sich zurzeit im Krankenhaus von einem Sturz erholt, war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Ärzte seien jedoch zuversichtlich, dass er rechtzeitig zu seiner Ehrung am 4. Mai wieder mobil sei und den Preis persönlich abholen könne, so seine Frau.

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