Er kam, sah und spielte: Dusko Goykovich (81). Der bekannte Jazztrompeter verlieh dem Stadtkeller Dietikon am Dienstagabend ein internationales Flair. Die Frage des Abends: Wie wird ein Künstler, der in jungen Jahren bereits mit Jazz-Legenden wie Stan Getz oder Chet Baker musizierte, ins Limmattal gelockt? Die Antwort ist so simpel wie logisch: «Mit einem Anruf an das Management», so Philipp Rellstab, der, zusammen mit Elisabeth Berner und Gallus Burkard, die künstlerische Leitung der «JazzDietikon»-Reihe inne hat.

«Die Proben dauerten länger als geplant, denn Dusko Goykovich spielt üblicherweise nur mit vertrauten Gesichtern», verrät Philipp Rellstab. Sein Quartett, das unter dem Namen Tangerine auftritt, erhob erstmals die Band zum Star. Der 1931 in Bosnien geborene Dusko Goykovich ist in der Welt zu Hause. Sein Werdegang als Jazz-Trompeter ist ebenso lang wie die Liste an renommierten Namen, mit denen er schon gearbeitet hat. Ein beindruckendes «Who's who» der Jazz-Geschichte.

Das Publikum soll Spass haben

Bereits im Vorfeld liess das erwähnte Management in Belgrad gegenüber der azLimmattaler Zeitung verlauten, dass Dusko Goykovich in der Regel für kein Interview zu haben sei. Entsprechend gross war die Überraschung, als sich der Musiker vor dem Konzert unter das Publikum mischte. Von Allüren keine Spur.

Das gemütliche Ambiente im Stadtkeller tat sein Übriges und schliesslich zählte nur die Musik. «Ich will, dass das Publikum Spass hat», so der Musiker in seinem Willkommensgruss.

Dusko Goykovich spielte Klassiker von Duke Ellington bis Miles Davis, präsentierte auch neue Stücke aus dem Latin- wie Ethno-Bereich des Jazz. Mit Philipp Rellstab begab sich der Meister mehrere Male in ein spannendes Duell, und die Band, bestehend aus Elisabeth Berner (Klavier), Raphael Walser (Kontrabass) und Fernand Schlumpf (Schlagzeug), spielte um die Wette.

Dusko Goykovich lobte «Tangerine» mehrmals und erwähnte, wie toll es sei, mit «jungen Leuten» auf der Bühne zu stehen. Den Altersunterschied betonte er einige Male. Erkenntnisse eines gefeierten Künstlers, der sich seiner Sterblichkeit bewusst wurde? Noch am Abend zuvor stand Dusko Goykovich mit dem Pianisten Paul Kuhn in Stuttgart auf der Bühne. Der 85-Jährige erlitt nach dem Konzert einen Schwächeanfall. Möglich, dass diese Meldung Dusko Goykovich nachdenklich stimmte. Das Publikum im Stadtkeller Dietikon liess sich von Jahreszahlen jedoch nicht beirren und genoss das Konzert im Hier und Jetzt.

Nächster Jazz-Event im Stadtkeller am 7. Mai: Die Paradox Jazz Band läutet dann die Sommerpause ein.