Dietikon
Mit Hilfe der Kieselalge wird das Limmatwasser trinkbar

Das alte Militäraggregat dröhnt. Unaufhörlich pumpt es Wasser aus der Limmat ab. Noch wenige Augenblicke und aus den bereitstehenden Hähnen fliesst Wasser, trinkbares Wasser. Der Auftrag ist damit erfüllt.

Sandro Zimmerli
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Die Bevölkerung könnte nun mit frischem Wasser versorgt werden, wäre die Dietiker Wasserversorgung tatsächlich ausgefallen. Glücklicherweise ist es nur eine Übung des Zivilschutzes, die bei der Limmatbrücke auf dem Areal der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich über die Bühne geht.

Zweitägiger Wiederholungskurs

«Der Zivilschutz muss die Blaulichtorganisationen wie die Polizei oder die Feuerwehr in Notfällen unterstützen können», sagt Daniel Wenger, Leiter Zivilschutz der Stadt Dietikon. Zusammen mit einem Zug zur Unterstützung der Wasserversorgung führt er einen zweitägigen Wiederholungskurs durch. Neben dem Verlegen und dem Reinigen von Leitungen sollen die Zivilschützer an diesem Montagnachmittag eine weitere Methode kennen lernen, wie man einen Ausfall der Wasserversorgung überbrücken kann.

Instruiert werden die Männer von Pascal Rechsteiner, Mitarbeiter der Industriellen Werke Basel. Von dort kommt der so genannte Kieselgurfilter, der Flusswasser so aufbereitet, dass es später trinkbar ist. «Kieselgur ist ein feines weisses Pulver, das aus den Ablagerungen der Kieselalge gewonnen wird», erklärt Rechsteiner. Diese finde man in fast allen Gewässern. Das Pulver werde mit Wasser vermischt und setze sich im Filter an den dort befindlichen Kerzen fest. «So entsteht rund um die Kerze eine Schicht, an der einzelne im Flusswasser befindliche Partikel hängen bleiben», so Rechsteiner.

Nach knapp einer Stunde fliesst das erste so gereinigte Wasser aus den Hähnen. Rund 12000 bis 14000 Liter werden es jede weitere Stunde. «Damit ist das Gerät vor allem für kleinere Gemeinden geeignet», sagt Werner von Holzen, Werkmeister-Stellvertreter der Stadt Dietikon. Um die Dietiker Wasserversorgung aufrechtzuerhalten - pro Tag werden rund acht Millionen Liter Wasser benötigt - würde eine Filtermaschine alleine aber kaum ausreichen.

Komplettausfall unwahrscheinlich

Allerdings, so von Holzen, sei der Fall eines Komplettausfalls der städtischen Wasserversorgung unwahrscheinlich. «Wir haben so viele Sicherungen in die Wasserversorgung eingebaut, dass diese immer aufrechterhalten werden kann», erklärt von Holzen. Einerseits verfüge man über zwei Pumpwerke und habe auf verschiedene Quellen Zugriff. Zudem könne man im Notfall Wasser aus Schlieren beziehen. «Selbst im Jahr 2007, als wir grosse Überschwemmungen hatten, konnten wir beide Pumpwerke mit voller Leistung laufen lassen», so von Holzen.

Auch die Filtermaschine aus Basel kam bislang nur einmal zum Einsatz. «Dies war bei den Überschwemmungen in Laufen. Und auch dort nicht zur Aufbereitung von Trinkwasser sondern zur Reinigung der Leitungen», so Rechsteiner.