«Nicht schon wieder», müssen sich die Zuschauer auf der Dornau gedacht haben, als die letzten Minuten der Partie gegen den FC Wangen bei Olten anbrechen. Denn zu diesem Zeitpunkt zeichnet sich für die Limmattaler ein Déjà-vu der unschönen Sorte ab.

Wie bereits beim letzten Heimspiel – ausgerechnet gegen den FC Olten – sehen die Zuschauer einen FCD, der das Geschehen komplett im Griff hat und eigentlich klar in Führung liegen müsste. Wieder sehen sie jedoch auch, wie sich die Dietiker durch einen Platzverweis selber ausbremsen und darum gegen den nächsten Verein aus der Region Olten unnötig Punkte liegen zu lassen drohen.

Doch dann kommt die 91. Spielminute: Ein letzter, verzweifelter Angriff über den rechten Flügel. Der erschöpfte Luca Senicanin schlägt einen Pass vors Gästetor. Irgendwie landet die Kugel auf dem Fuss von Raphael Meyer. Der späte aber hochverdiente Siegtreffer. Absolute Ekstase beim Team von Trainer João Paiva.

«Es gehört zum Fussball, dass Spiele auch mal so laufen. Wir haben den ganzen Match kontrolliert, obwohl wir eine Halbzeit lang zu zehnt spielten. Die Jungs haben bis zum Ende an den Sieg geglaubt und dafür gekämpft. Darum haben sie sich diese drei Punkte absolut verdient», fasste ein erleichterter Paiva den Auftritt seiner Equipe zusammen.

Anders als noch gegen Olten behielten die Dietiker trotz der Unterzahlsituation den Mut, weiter offensiv zu spielen und sich Chancen zu erarbeiten. Denn unmittelbar nach dem Pausenpfiff verlor der FCD mit Naim Haziri seinen Captain. Nachdem der Innenverteidiger Opfer eines rüden Foulspiels wurde und verletzt ausgewechselt werden musste, reklamierte er so lange beim Schiedsrichter, bis dieser ihm zweimal den gelben Karton präsentiert hatte. Weil Haziri zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell ausgewechselt war, musste der FCD die zweite Halbzeit zu zehnt bestreiten.

Nach schwierigen Wochen

Dies bemerkte der Beobachter aber kaum. Denn die Paiva-Elf drückte auf den Führungstreffer und tauchte immer wieder gefährlich vor dem Gästetor auf. Dort scheiterten sie entweder am Aluminium, am Wangen-Torhüter oder schlicht an sich selbst.

Weil auch die Wangener mit ihren Topchancen fahrlässig umgehen, werden die Hausherren für ihre Nachlässigkeit im Abschluss nicht bestraft. Und weil es Meyer kurz vor Schluss doch noch gelingt, den Sieg zu sichern, feiert der FCD am Ende drei hochverdiente, aber mühsamst erarbeitete Punkte.

Der Auftritt des FCD mutete als ein Aufbäumen gegen den leichten Abwärtstrend der letzten Wochen an. Nachdem die Limmattaler zuletzt dreimal in Folge ohne Sieg blieben und im Spitzenspiel in Wettingen gleich mit 0:4 unterlagen, sträuben sie sich gegen Wangen mit aller Kraft gegen ein neuerliches Negativerlebnis. Mit Erfolg.

Der späte Siegtreffer ist das erzwungene Resultat einer Willensleistung der gesamten Mannschaft. Deutlich macht das auch die Jubeltraube nach dem Tor: Stamm- und Ersatzspieler, aber auch Spieler, die es gar nicht ins Aufgebot schafften, liegen sich in den Armen und feiern zusammen ihren Sieg.