Dietikon
Mit Geduld und Präzision zu den schweizer Berufsmeisterschaften

Landschaftsgärtner Mike Brunner (19) qualifiziert sich für die schweizerischen Berufsmeisterschaften. Am kantonalen Ausscheidungskampf belegte er trotz Fieber gemeinsam mit seinem Teamkollegen den zweiten Platz.

Anina Gepp
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Mike Brunner bei den kantonalen Meisterschaften im Gartenbau.

Mike Brunner bei den kantonalen Meisterschaften im Gartenbau.

Heidi Brunner

Ein Schwimmteich, grosszügige Wiesenflächen, Hecken mit abstrakten Formschnitten und Pflanzen, die wild gedeihen. Landschaftsgärtner Mike Brunner schwelgt nach einem anstrengenden Arbeitstag auf dem Bau in Träumen von seinem ersten eigenen Garten. «Eine Kombination von modern und altmodisch müsste es sein. Wie man sie heute nur noch in der Toskana antrifft», sagt der 19-Jährige.

Doch bis der Wunsch des eigenen Gartens in Erfüllung geht, werden wohl noch ein paar Jahre verstreichen. Brunner wohnt noch zu Hause bei seinen Eltern in Dietikon und baut für seinen Arbeitgeber, Ungricht Gartenbau AG, Grossgärten für Neubauten im Limmattal. «Viel Beton und wenig Budget für Grünflächen», sagt Brunner und hustet. In der kleinen Umkleide der Gartenbauer ist es staubig und nicht viel wärmer als draussen. Brunner zieht den Reissverschluss seiner Arbeitsjacke bis unter den Hals hoch.

Zweiter Platz in Vorausscheidung

Den ersten Grundstein, um erfolgreicher Landschaftsgärtner zu werden, hat sich Brunner bereits letzten Sommer gelegt. Für seine Vertiefungsarbeit vor der Lehrabschlussprüfung reiste er ohne Geld in 50 Stunden von Bern nach Dietikon. Mit Gärtnerarbeiten verdiente er sich ein warmes Essen oder einen Schlafplatz. Diesen Februar stellte sich Brunner einer neuen Herausforderung. Er nahm am kantonalen Ausscheidungskampf im Gartenbau in Pfäffikon teil.

Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Quirin Egger belegte er bei diesem Wettkampf den zweiten Platz. Damit qualifizierte er sich für die schweizweiten Berufsmeisterschaften im Gartenbau in Bern, die im September 2014 stattfinden werden. «Ein sehr gutes Resultat, wenn man bedenkt, dass ich 38 Grad Fieber hatte», sagt Brunner und lacht. «Ich bin ein sehr genauer Mensch, lieber arbeite ich langsam und exakt als schnell und halbbatzig.» Diese Genauigkeit sei ihm und seinem Kollegen wohl zugutegekommen.

In einem abgesteckten Sandkasten mussten die insgesamt fünf Teams Sandsteinmauern, Plattenbeläge und Treppen bauen und bepflanzen. Toleranz: zwei Millimeter. Das Arbeiten unter Druck machte Brunner nichts aus. Er vergesse alles um sich herum, wenn er sich konzentriere. An den Schweizer Meisterschaften in Bern, wo sich 120 verschiedene Berufe messen, werden über vier Tage verteilt 200 000 Zuschauer erwartet. Für den Gewinner winkt die Reise nach Brasilien, wo die Weltmeisterschaften im Gartenbau stattfinden. «Ferien, Fussball-WM und meine eigene Weltmeisterschaft zugleich. Das wäre die perfekte Mischung», sagt Brunner.

Das Militär ruft

Trainieren kann der Dietiker die Disziplinen, die an der Berufsmeisterschaft gefragt sind, im Alltag nicht oft. «Die Stärke unseres Teams wird daher die mentale sein. Die Nerven müssen durchhalten.» Im März wird Brunner dem Gartenbau sowieso vorerst den Rücken zukehren müssen. 21 Wochen Militär warten auf den jungen Mann. Was danach kommt, weiss er noch nicht. «Auf jeden Fall möchte ich Gartenbauer bleiben», sagt er. Denn Landschaftsgärtner zu werden, sei schon immer sein Traum gewesen, so Brunner. «Wenn ich abends nach Hause gehe, sehe ich den Fortschritt.» Ein Job, bei dem er nicht sofort sehen könne, was er geleistet hat, käme für ihn nicht infrage.