Bezirksrichterwahl Dietikon

Mit Fabienne Moser-Frei kommt es doch zur Kampfwahl um den Richterstuhl

Nebst Tobias Walthert steht nun auch Fabienne Moser-Frei zur Wahl als Bezirksrichterin zur Verfügung.

Auf den letzten Drücker hat Fabienne Moser-Frei ihre Kandidatur als Bezirksrichterin eingereicht. Die Parteilose kritisiert die Übermacht der Parteien im Wahlverfahren – nachdem die GLP ihr einen Korb gegeben hat.

Das Bezirksgericht Dietikon bekommt wegen hoher Arbeitslast eine neue Richterstelle zugesprochen. Die Bezirksparteien sehen dafür Tobias Walthert vor, wie sie schon Anfang April mitteilten. Mit der Unterstützung der interparteilichen Konferenz (IPK) des Bezirks im Gepäck standen die Chancen für den 39-jährigen Grünliberalen aus Oberrieden gut, in stiller Wahl gewählt zu werden. Doch nun macht ihm in letzter Sekunde Fabienne Moser-Frei einen Strich durch die Rechnung. Sie hat am Dienstag, am Tag vor Ablauf der Eingabefrist, ihre Kandidatur eingereicht und empfiehlt sich für den auf den 24. September angesetzten Urnengang als «die etwas andere Kandidatin aus unserem Bezirk» zur Wahl.

Anders an ihr ist vor allem, dass sie keine typische Richterkarriere verfolgt hat. Eine solche besteht meist darin, nach einem Gerichtspraktikum eine Gerichtsschreiberstelle zu suchen, um dann nach Einsätzen als Ersatzrichter eine ordentliche Richterstelle anzustreben. Diese Gerichts-«Ochsentour» hat die 37-jährige Limmattalerin nicht absolviert: Sie war nach Erlangen des Anwaltspatents in der Privatwirtschaft tätig, zuletzt bei der Baloise Versicherung und zuvor als Leiterin der allgemeinen Rechtsabteilung bei der Fifa. Zurzeit ist sie nicht berufstätig; im Februar ist ihr zweites Kind zur Welt gekommen.

Selbst bei GLP beworben

Anders an Moser-Frei ist aber auch, dass sie keiner Partei angehört. Auf ihrer Wahlwebsite kritisiert sie denn auch das übliche Verfahren, wonach in aller Regel die von der IPK vorgeschlagene Person in stiller Wahl, also ohne Urnengang, in ein Richteramt gelangt. Sie schreibt: «Richterwahlen sind dem Volk vorbehalten. Die Auswahl der Kandidatin beziehungsweise des Kandidaten soll eben nicht einem kleinen Gremium überlassen bleiben.»
Unerwähnt lässt Moser-Frei dabei, dass auch sie einer Partei beigetreten wäre, um die Richterstelle in stiller Wahl zu bekommen – und zwar der gleichen wie Kandidat Walthert.

Sonja Gehrig, die Präsidentin der GLP des Bezirks, erklärt auf Anfrage, dass Moser-Frei sich im Vorfeld der IPK-Sitzung bei der GLP vorgestellt habe. Es gelang ihr aber nicht, die Partei vom Favoriten Tobias Walthert abzubringen: «Die Findungskommission der GLP, die aus erfahrenen Richtern und Staatsanwälten besteht, befand, dass Tobias Walthert im Vergleich zu Fabienne Moser-Frei vor allem bezüglich seiner vielseitigen Erfahrungen eindeutig und ganz klar besser qualifiziert ist für diese Richterstelle», so Gehrig.

Moser-Frei hingegen glaubt, dass sie das nötige Rüstzeug für die Stelle mitbringt, nicht nur, weil sie von ihrer Tätigkeit als Anwältin «die andere Seite der Gerichtsschranke kenne». Sie verweist auf ihr Anwaltspatent, die absolvierte Mediatoren-Grundausbildung, ihr Praktikum am Bezirksgericht Hinwil und ihre Tätigkeit als Schlichterin in Miet- und Pachtsachen am Bezirksgericht Dietikon. Zudem verweist sie darauf, dass das Gesetz eigentlich nur verlange, dass eine Person ein juristisches Studium absolviert haben muss, um ein Richteramt auszuüben. Darüber hinaus bringe sie aus ihrer bisherigen Laufbahn auch Führungserfahrung und eine «weitreichende Sozialkompetenz» mit.

Einheimische gegen Fremden

Moser-Frei wirbt auch mit ihrer Herkunft: Die Tochter des interimistischen Bezirksratspräsidenten Hansjörg Frei ist in Dietikon aufgewachsen, wohnte danach in Schlieren und heute in Weiningen; unter anderem ist sie auch Vorstandsmitglied im Skiklub Dietikon. So bringt sie sich als einheimische Alternative zum Oberrieder Konkurrenten in Position: «Es sollen keine fremden Richter sein, sondern bekannte Personen, denen man vertraut.»

Der Kandidat der Bezirksparteien, Tobias Walthert, macht keinen Hehl daraus, dass ihm eine stille Wahl lieber gewesen wäre. «Zeitlich, nervlich und finanziell wäre eine stille Wahl für mich persönlich sicher einfacher gewesen. Doch das ist unser politisches System – mit der Möglichkeit einer Kampfwahl musste ich rechnen.» Seine Wahlchancen kann er noch nicht recht abschätzen. Doch: «Die einstimmige Unterstützung der Bezirksparteien ist sicher ein Vorteil für mich.» Er hofft auch, dass das Stimmvolk sehe, dass seine Berufserfahrung für ihn spricht. «Ich übe den Richterberuf an einem Bezirksgericht schon seit fünf Jahren aus.»

Walthert weiss, dass es Moser-Frei zum Vorteil gereichen könnte, dass sie aus dem Limmattal kommt. «Der Wohnsitz eines Bezirksrichters spielt bei der Ausübung seines Berufes aber keine Rolle, sofern er im Kanton Zürich wohnt», gibt er zu bedenken. «Es gibt im ganzen Kanton sogar mehrere Bezirksgerichtspräsidenten, die in einem anderen Bezirk wohnen.»

Verwandtes Thema:

Autor

Sophie Rüesch

Sophie Rüesch

Meistgesehen

Artboard 1