Werber des Jahres
Mit einer Mischung aus Bauchgefühl, Kopf und Erfahrung zu guten Ideen

Peter Brönnimann aus Stäfa konnte den diesjährigen Preis «Werber des Jahres» für sich gewinnen. Doch ist es auch für ihn nicht einfach gute Ideen zu kreieren.

Katrin Meier
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Gewann dank einer Mischung aus Bauchgefühl, Kopf und Erfahrung: Peter Brönnimann.

Gewann dank einer Mischung aus Bauchgefühl, Kopf und Erfahrung: Peter Brönnimann.

Silvia Luckner

Zwei urchige Bergler ziehen durch ein Schweizer Bergdorf und entfernen überall die Uhren. Die Zeiger der Kirchturmuhr müssen weichen, die Kuckucksuhr wird zugenagelt, und der Hahn bekommt ein Verbotsschild vorgesetzt. «Wir tun alles für ganz erholsame Winterferien, Schweiz Tourismus», steht im Abspann. Mitverantwortlich für den Werbespot ist Peter Brönnimann, der kürzlich zum Werber des Jahres 2013 gekürt wurde.

Brönnimann ist Kreativchef bei der Agentur Leo Burnett Schweiz. Die Idee zum Uhrenwerbespot hatten Brönnimanns Mitarbeiter während eines der «Krea-Tage», die die Agentur einmal pro Monat durchführt. Um 9 Uhr morgens werden die rund 30 Mitarbeiter des Kreativteams zum Thema gebrieft, um 5 Uhr müssen sie ihre Ideen den Kollegen präsentieren. Dazwischen wird fieberhaft gearbeitet. Meist beginnen die Werbeprofis mit einem weissen Blatt, worauf die Vorschläge skizziert, an die Wand gehängt und auch wieder verworfen werden.

Bauchgefühl, Kopf und Erfahrung

Es liegt an Brönnimann, die guten Ideen zu finden und daraus noch bessere zu machen. «Auf etwas Mittelmässiges zu kommen, ist leicht, aber es ist jedes Mal sauschwierig, eine richtig gute Idee zu haben», sagt der 47-jährige Stäfner. Eine Mischung aus Bauchgefühl, Kopf und Erfahrung lasse ihn die guten von den mittelmässigen Ideen unterscheiden.

Peter Brönnimann stammt ursprünglich aus dem Berner Oberland und stapelt tief, wenn es um seinen Werdegang geht: «Ich habe im Gymi nicht richtig aufgepasst, dann in Fribourg Journalistik – also nichts Richtiges – studiert und danach als Journalist Artikel geschrieben, die niemanden richtig interessiert haben.» Schliesslich habe er gemerkt, dass die Werbung ihn mehr interessiere. Als Texter ist er in die Branche eingestiegen. Nach zehn Jahren bei Advico Young & Rubicam gründete er 2002 die Agentur Spillmann Felser Leo Burnett mit, die sich seit kurzem «Leo Burnett Schweiz» nennt.

Mit Schweizer Klischees spielen

Zu den Kampagnen der Agentur gehören neben den Spots für Schweiz Tourismus auch die SMS-Dialoge für Sunrise und die Wendesätze für Swiss Life («Ich heirate nur einmal ist keinmal»). Obwohl sich Brönnimann schwertut, eine Kampagne vorzuziehen – «das ist, wie wenn Sie einen Vater nach seinem Lieblingskind fragen» –, ist er stolz auf die Wendesätze. «Die Idee hat allen gefallen und war eine der meistausgezeichneten Kampagnen von 2012.»

Auch für Schweiz Tourismus zu werben, sei eine spezielle Aufgabe. Als «werberischer Aussenminister» müsse man Ideen liefern, mit denen sich 8 Millionen Schweizer identifizieren können und die auch im Ausland gefallen. «Wir spielen gerne mit einem Augenzwinkern mit Schweiz-Klischees.» Das zeige, dass die Schweizer mehr Humor haben, als man ihnen zutraue. Gut gelang dies der Werbeagentur 2006, als Schweiz Tourismus vor der Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland mit knackigen Bauern um die Damenwelt warb. 2009 machte der als Aprilscherz lancierte Clip über die Felsenputzer international Schlagzeilen.

Das sind die unglamourösen Details, die Brönnimann bei seiner Arbeit faszinieren. So entdeckte er beim Dreh für den nächsten Schweiz-Tourismus-Spot auf einer appenzellischen Alp riesige Kothaufen neben den Weiden. «Ich dachte mir, dass die Dinosaurier ja auch im Appenzell ausgestorben sind, deswegen fragte ich beim Bauern nach.» Der Bauer sammle die Kuhfladen täglich zusammen, damit seine Kühe sauber bleiben. Das sei in der Gegend selbstverständlich, erzählt Brönnimann.

«Ich arbeite nicht für Preise»

«Das ist es, was mir an meiner Arbeit gefällt, dass man Spannendes entdeckt, Spass dabei hat und viel bewegen kann.» Schliesslich arbeite er nicht für Auszeichnungen wie diejenige zum Werber des Jahres. Das sei eher ein Zeichen, dass man seinen Job nicht schlecht mache. Abschalten vom Ideen-Generieren und -Ausarbeiten kann Brönnimann in Stäfa, wo er seit acht Jahren mit seiner australischen Frau und seinen acht- und elfjährigen Söhnen lebt. «Meiner Frau gefällt Stäfa, denn sie erkennt im Sommer einen schweizerisch-australischen Groove hier, wenn alle in kurzen Hosen am See unterwegs sind.»

Auch Brönnimann nutzt das Privileg, nahe am See zu wohnen, regelmässig. Jedes Wochenende stürzt er sich mit einem Kollegen in die Fluten. «Wir schwimmen jeweils so viele Minuten, wie der See Grade hat.» Das sei bei drei Grad Wassertemperatur ziemlich garstig, aber in den nächsten Monaten komme er auf seine Kosten. Dann empfinde er das neun Grad kalte Wasser als ganz angenehm.

Weniger angenehm sei es, wenn eine Werbeidee von Brönnimann und seinem Team am Kunden scheitere: «Als Werber müssen wir Stehaufmännchen sein und nicht zu lange einer Idee nachtrauern, die den Kunden nicht überzeugt hat», sagt der Stäfner. Das müsse man als Chance sehen, eine noch bessere Idee auszuarbeiten. «So beginnen wir wiederum beim weissen Blatt Papier.»

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