Tanzlektionen werden bevorzugt in Sälen mit verspiegelten Wänden erteilt. So können die Tänzer jede ihrer Bewegungsabfolgen genau mitverfolgen. Für den Kurs «Freies Tanzen mit Herz» in Schlieren reicht ein ganz normaler Raum. Denn alle Teilnehmenden bewegen sich in dunkler Umgebung mit verbundenen Augen zur Musik.

«Es ist ein Tanz, der nicht nur den Körper, sondern auch die Seele bewegen soll», sagt Kursleiterin Manuela Krah. Die vier Teilnehmerinnen des Kurses tanzen frei nach ihrem Gefühl zur Musik. In einem geschützten Rahmen, unter achtsamer Leitung und getragen von Klängen aus aller Welt, sollen sie erleben, wie sich ihre Sinne erweitern und erleichtern und dabei tanzend in ihre innere Welt vordringen. «Diese Innenschau erleichtert die eigene Kreativität und Intuition und wirkt heilsam auf Körper, Geist und Seele», sagt Krah.

Welchen Bewegungen die anderen Frauen im Raum folgen, weiss einzig die Leiterin. Nur zwischendurch lässt ein Klatschen im Takt der Musik, ein lautes Stampfen oder ein starkes Schnaufen vermuten, wie sich die anderen Tänzerinnen fühlen. Krah beobachtet das Szenario und entscheidet jeweils, wann die Musik gewechselt wird. Von Trommelmusik, über italienischen Pop bis hin zu Kirchenchorälen ist alles dabei.

Die Kursteilnehmerinnen befinden sich während eineinhalb Stunden in einer Art Trancezustand. Dieser wirke unterstützend dabei, Ressourcen zu erschliessen und würde helfen, Antworten auf Lebensfragen zu finden, Stress abzubauen, Visionen zu verfolgen sowie Konflikte zu lösen, so Krah. «Das gibt uns die Möglichkeit, tief in uns zu blicken und Antworten zu erhalten, die sonst durch den Schleier der alltäglichen Wirklichkeit verdeckt bleiben.»

Trancetänze gibt es auf der ganzen Welt in verschiedenen Formen. «Manchmal malen wir auch oder tanzen paarweise», so Krah. Sie entscheide das jeweils intuitiv je nach Situation und Gruppe. Was die Teilnehmerinnen während der Tanzstunden erleben, sei sehr unterschiedlich. Einige würden Farben sehen, andere reisten durch verschiedene Länder.

«Das Tanzen mit verbundenen Augen hilft den Teilnehmern im Alltag Entscheidungen zu treffen und Wege für Probleme zu finden», so Krah. Es sei ein sehr persönliches Erlebnis. Deshalb brauche es mehrere Male, bis man genügend Vertrauen zur Umgebung und den anderen Teilnehmern fasse. Blind zu sein gleichzeitig zu tanzen – daran müsse sich jeder zuerst gewöhnen. Grundsätzlich könne aber jeder teilnehmen. Auch Menschen im Rollstuhl oder mit Gehbehinderung. «Wichtig ist nur, dass das Herz tanzt.»

Nach einer guten Stunde bittet Krah die Teilnehmerinnen des Kurses, ihre Augenbinden wieder abzunehmen. Die Frauen setzen sich hin und kommen allmählich wieder zu sich. In einer Schlussrunde bei Kerzenschein will Krah von ihnen wissen, wie es ihnen ergangen ist. Jene, die ihre Gedanken mit den anderen teilen möchten, geben Auskunft über ihr Empfinden. Die anderen schütteln kurz den Kopf und werden mit ihren Gedanken in Ruhe gelassen.