Ausbildung
Mit einem Schritt nach dem anderen zur ersehnten Lehrstelle

Haci Köse gibt sich bescheiden – er will alles Schritt für Schritt machen. Vorerst will Köse die zweite Hälfte seiner Attestausbildung zum Büroassistenten bei der Meier-Ehrensperger AG in Altstetten erfolgreich abschliessen.

Esther Laurencik
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Haci Köse mit der Fachverantwortlichen Iris Maissen. ela

Haci Köse mit der Fachverantwortlichen Iris Maissen. ela

Limmattaler Zeitung

Damit will er nächstes Jahr seinen EBA-Abschluss ergattern. Die berufliche Grundausbildung mit eidgenössischem Berufsattest, kurz EBA genannt, ist eine anerkannte Berufsausbildung für Schulabgänger mit eher praktischen statt schulischen Fähigkeiten. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung regulärer Grundausbildung zum Kaufmann, dem Fernziel von Haci Köse.

Förderung für praktisch Begabte

Manchen Jugendlichen geht erst bei der Arbeit der «Knopf im Kopf» auf, sagt Doris Füglister, Berufsbildnerin der Stiftung Chance. Ansässig in Schlieren, ist der Lehrbetriebsverbund der Stiftung Chance eine Organisation, welche sich für berufliche und soziale Integration von Jugendlichen einsetzt. Die EBA-Ausbildung soll diesen Jugendlichen einen einfacheren Einstieg in die reguläre Lehre des jeweiligen Berufes ermöglichen, indem die Inhalte des ersten Lehrjahres in zwei Jahren erlernt werden. In dieser Zeitspanne mache der Lehrling an zwei verschiedenen Lehrorten seine Praxisausbildung.

Haci Köse absolvierte sein erstes Lehrjahr bei der katholischen Kirche in Dietikon und wechselte danach zur Meier-Ehrensperger AG, ein Bauunternehmen. Geschäftsleiter Thomas Kull äussert sich positiv zu diesem Rotationsverfahren: «Natürlich ist es schade, wenn ein Lehrling nach einem Jahr wieder gehen muss. Andersrum ist es von Vorteil, wenn jemand kommt, der schon ein Jahr Erfahrung hat.»

Eineinhalb Tage in der Schule

An beiden Lehrorten hat es Haci Köse gefallen, doch bei der MeierEhrensperger AG schätzt er den vermehrten persönlichen Kontakt mit den Kunden. Iris Maissen, Fachverantwortliche für Haci Köse bei der Meier-Ehrensperger AG, zeigt sich zufrieden mit der Leistung des jungen Mannes: «Er macht sich gut, er zeigt Einsatz und gibt sich grosse Mühe.» Es sei wichtig, Jugendliche wie Haci Köse zu unterstützen – aber es brauche auch einen starken Willen von ihrer Seite, sagt Maissen.

Köse arbeitet pro Woche für dreieinhalb Tage bei im Lehrbetrieb, die restlichen eineinhalb Tage geht er in die Berufsschule. Dort bekommt er Unterricht in Wirtschafts- und Gesellschaftswesen, Deutsch, Information, Kommunikation und Administration. Als zusätzliche Wahlfächer besucht Köse Englisch und Wirtschaft. «Diese zwei Wahlfächer sind Bedingungen für den Übertritt ins zweite Lehrjahr des KV Profils B, das ich gerne machen würde», so Köse.

Zuversicht durch Coaching

Zusätzlich werden die Lehrlinge im zweiten Jahr mit einem Job Coaching der Stiftung Chance unterstützt. Haci Köse absolviert sein Coaching bei Brigitte Schäfer von der Stiftung Chance. Dort lerne er sich richtig zu bewerben, sagt Köse. Doch nicht nur bei Bewerbungen steht Schäfer dem jungen Lehrling zur Seite. Würden sonst irgendwelche Probleme anstehen, könne er sie ebenso anrufen, sagt Haci Köse.

Doris Füglister betont die Wichtigkeit eines solchen Job Coachings. «Das Coaching verhilft den Jugendlichen zu mehr Zuversicht und Selbstbewusstsein beim Vorstellungsgespräch – etliche von ihnen wurden schon mit zu vielen Absagen konfrontiert.» Es sei ein Ziel der Stiftung Chance, die Attestausbildung in der Arbeitswelt besser bekannt zu machen und zu verankern.

Auch für Köse könnte die Jobsuche zur Herausforderung werden: Leider gebe es zu wenige Betriebe, welche Kaufmännische Lehrstellen des Profils B anbieten, sagt Füglister. Der Schwerpunkt des Profils B liegt bei Administration, Information und Kommunikation. Ausserdem ist das Beherrschen einer Fremdsprache erforderlich.

Haci Köse hätte durch sein zweites Lehrjahr bei Meier-Ehrensperger gute Chancen, bei einem anderen grösseren Bauunternehmen eine Lehrstelle zu finden, sagt Thomas Kull. Leider könne die Meier-Ehrensperger AG keine vollständige kaufmännische Ausbildung bieten – doch habe Haci Köse hier sicher wichtige und gute Erfahrungen sammeln können, so Kull.

Die LiZ begleitet den Dietiker Haci Köse (19) in seiner Ausbildung zum Büroassistenten im Lehrbetriebsverbund der Stiftung Chance.