Eine Siedlungsreparatur – dafür hat Gemeinde Weiningen jahrelang gekämpft. Als das Bundesverwaltungsgericht Anfang 2014 das Bundesamt für Strassen (Astra) dazu verpflichtete, eine 100 Meter lange Überdeckung der Gubrist-Westportale detailliert zu prüfen, war sie diesem Ziel ein grosses Stück näher gekommen. Nun steht am 23. September eine Urnenabstimmung an, welche der Gemeinde die Chance bietet, die Siedlungsreparatur weiter voranzubringen. Die Stimmberechtigten werden dann über einen Planungs- und Baukredit von 3,517 Millionen Franken für die Erstellung eines Fuss- und Radwegs inklusive einer Passerelle über das Tunnelportal und die Umfahrungsstrasse befinden.

Mario Okle (parteilos), Gemeindepräsident Weiningen

«Mit einem Nein würden wir uns viel vergeben.»

Mario Okle (parteilos), Gemeindepräsident Weiningen

Bei diesem Betrag handelt es sich um den Weininger Beitrag an die Siedlungsreparatur. Doch aus Sicht des Gemeinderates geht es um wesentlich mehr. Denn an den Ausgang der Abstimmung sind verschiedene Bedingungen geknüpft. Deshalb sagt Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) auch: «Mit einem Nein würden wir uns viel vergeben.» Denn Eigentümerin des fertigen Gubrist-Deckels ist das Astra. Der Kanton Zürich seinerseits übernimmt die Mehrkosten von fünf Millionen Franken – sofern der Kantonsrat zustimmt – damit die Überdeckung überhaupt bebaubar gemacht werden kann. Vom Astra erhält er dafür das Baurecht, ohne dafür einen Bauchrechtszins zahlen zu müssen. Da der Kanton auf dem Deckel nicht bauen wird, gibt er das Baurecht ebenfalls kostenlos an die Gemeinde weiter, sofern diese die Fussgänger- und Veloverbindung realisiert. Diese kostet gesamthaft 4,38 Millionen Franken. Da sich aber das Astra daran mit 863'000 Franken beteiligen wird, als Ersatz für die abgebrochene Passerelle im Kreuzungsbereich der Zürcherstrasse und Umfahrungsstrasse, bleiben für Weiningen noch die beantragten 3,517 Millionen Franken übrig.

Neue Heimat für Feuerwehr

Sollte die Gemeinde den Rad- und Fussweg samt Passerelle jedoch nicht realisieren, würde der Kanton sein Baurecht nur gegen einen Baurechtszins an Weiningen weitergeben. Gemäss heutigem Stand beläuft sich dieser auf 2,8 Millionen Franken über 80 Jahre. Jährlich würde das Weiningen gegenüber der Situation ohne Baurechtszins 35'000 Franken mehr kosten, rechnet der Gemeinderat vor – sofern auf dem Deckel dereinst auch gebaut wird. Doch daran besteht kaum Zweifel, selbst bei einem Nein zur Kreditvorlage am 23. September. «Wir haben jahrelang für die Siedlungsreparatur gekämpft. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass wir auf dem Deckel nichts bauen werden, auch wenn die Stimmbürger Nein sagen zu den 3,517 Millionen Franken. Allerdings haben wir dann eine günstige Chance verspielt», sagt Okle.

Geplant ist auf der Überdeckung eine Fläche für eine öffentliche Nutzung. Konkret will die Gemeinde auf dem Deckel ein Feuerwehrgebäude, einen Werkhof und eine Wertstoffsammelstelle bauen. «Wobei Unterengstringen bereits Interesse bekundet hat, die Räumlichkeiten mitzubenutzen», so Okle. In diesem Fall müsste sich die Nachbarsgemeinde in das an Weiningen übertragene Baurecht einkaufen. «Für uns würde das bedeuten, dass unsere finanzielle Beteiligung am Deckel sinken wird», sagt Okle. Überdies komme eine Bebauung der Überdeckung dem ganzen Dorf zugute. «Die Infrastruktur, die auf dem Deckel realisiert wird, verschwindet aus dem Dorfzentrum. Rund um das Schlössli entstehen so neue Möglichkeiten für die Gemeinde», gibt Okle zu bedenken.

Und auch der geplante Velo- und Fussweg am südlichen Dorfrand, der im kommunalen Verkehrsrichtplan enthalten ist, und um den es am 23. September geht, biete die Chance, den Schulweg für viele Schülerinnen und Schüler sicherer zu machen, so Okle. Er soll dereinst das Quartier Büel an der Grenze zu Unterengstringen mit dem Schulhaus Schlüechti in Weiningen verbinden. Die Gesamtlänge der geplanten Wegverbindung zwischen Trottacher- und Püntenstrasse beträgt 356 Meter. Diese besteht aus einem 181 Meter langen Brückenbau über die Autobahnüberdeckung, durch das Gewerbehausareal und schliesslich über die Umfahrungsstrasse. Im Anschluss daran senkt sich der Weg entlang eines 150 Meter langen Erddamms bis zur Püntenstrasse.

Rechnungsprüfer sagen Ja

«Mit der neuen Verbindung wird die Sicherheit der Schüler deutlich erhöht», sagt Okle. Denn der bisherige Schulweg führt derzeit der Hauptverkehrsachse, der Zürcherstrasse, entlang und berge einige Gefahren. Gerade im Kreuzungsbereich der Zürcher- und der Umfahrungsstrasse könne es zu brenzligen Situationen kommen. Und auch entlang der Zürcherstrasse sei es für Velofahrer und Fussgänger wegen der engen Platzverhältnisse nicht ungefährlich. Komme hinzu, dass dort in den kommenden Jahren mit einer Verkehrszunahme zu rechnen sei. Alles in allem kommt Okle daher zum Schluss, «dass es fatal wäre, wenn wir am 23. September Nein zum Kreditantrag sagen und uns damit eine grosse Chance verspielen». Auch die Rechnungsprüfungskommission empfiehlt den Stimmberechtigten, «aufgrund fehlender Alternativen zur sicheren Verbindung Büel–Schlüechti sowie der Zusicherung des Kantons zur unentgeltlichen Übertragung eines Baurechts auf der Überdeckung Gubrist», der Vorlage zuzustimmen, wie sie in ihrem Abschied schreibt.