Geroldswil
«Mit den neuen Energien wird die Heizungsbranche weiter wachsen»

Der Bergdietiker Richard Osterwalder führt seit 28 Jahren die Heizungsherstellerin Weishaupt AG. Hier erklärt er, wieso Junge Heizungsmonteur lernen sollten und wie sich Fernwärme-Projekte auf die Branche auswirken

David Egger
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Richard Osterwalder beschäftigt in der Weishaupt AG rund 250 Personen.

Richard Osterwalder beschäftigt in der Weishaupt AG rund 250 Personen.

Severin Bigler

Zehntausende Fahrzeuglenker fahren auf der Autobahn A1 täglich am Geroldswiler Weishaupt-Hauptsitz vorbei. Das Gebäude mit der Glasfassade von Architekt Theo Hotz an prominenter Adresse war der Grundstein, um die Firma hierzulande bekannt zu machen. Auch da es ganz darauf ausgerichtet ist, die Temperatur zu halten. Noch heute hält es aktuelle Standards ein. Ursprünglich war die Firma in Zürich zu Hause. Es folgte eine Züglete ins Urdorfer Bergermoos, wo man wegen des starken Wachstums aber nicht lange blieb. 1999 dann der definitive Umzug nach Geroldswil. Von hier aus führt Richard Osterwald das Schweizer Geschäft mit Öl- und Gasbrennern und -Heizsystemen, Wärmepumpen und Solarthermie.

Richard Osterwalder, 1989 fingen Sie als Geschäftsleiter der Weishaupt AG in der Schweiz an. Hatten Sie gedacht, dass Sie das so lange machen werden?

Richard Osterwalder: Ja. Die Weishaupt war erst ab Ende der 70er-Jahre in der Schweiz tätig. Es gab viel aufzubauen, mit grossen Chancen. Ich sah meinen Eintritt in die Geschäftsleitung als Investition in die Zukunft. Zufälligerweise starteten wir 1989 auch mit der Schweizer Heizkessel-Produktion in Sennwald SG.

Als Unternehmen in Familienbesitz veröffentlichen Sie keine Geschäftszahlen. Können Sie die Entwicklung seit 1989 dennoch in Zahlen zeigen?

Wir sind mit drei Mitarbeitern gestartet. Inzwischen sind in der Schweiz rund 250 Leute für Weishaupt tätig, davon 80 in Geroldswil. Bei den Grossbrennern sind wir nun Marktführer. Wir wachsen aber weiter, speziell in den letzten zehn Jahren ist die Mitarbeiterzahl gestiegen. Zudem bieten wir mehr Produkte an. 1989 war unsere Preisliste mit Brennern noch zehn Seiten lang. Jetzt sind es 800 Seiten.

Zur Person

In der Freizeit fährt der Chef gerne Mountainbike

Richard Osterwalder wird im September 61 Jahre alt. Er kommt ursprünglich aus dem Zürcher Weinland und wohnt seit 32 Jahren im Bergdietiker Dorfteil Kindhausen. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Die Lehre als Heizungsmonteur hat er einst bei der bekannten Firma Sulzer in Winterthur absolviert.

Es folgten mehrere Weiterbildungen. Er engagiert sich auch als Vorstandsmitglied bei Gebäudeklima Schweiz, dem Schweizerischen Verband für Heizungs, Lüftungs- und Klimatechnik. In der Freizeit treibt Osterwalder gerne Sport, zum Beispiel Yoga oder Mountainbiking. «Mountainbiken in der wunderschönen Bergdietiker Landschaft ist der Hammer», sagt er.

Ihr Erfolg in Ehren, aber als Heizungslieferant hatten Sie es in der Schweiz mit dem Bevölkerungswachstum und dem riesigen Bauboom einfach. Oder etwa nicht?

So einfach ist das nicht. Wir sind zwar auch im Neubau-Bereich tätig. Durch unsere Qualität und Zuverlässigkeit sind wir vor allem im Sanierungsgeschäft gefragt, dort machen wir 70 bis 80 Prozent unserer Einnahmen.

Wie kommt das?

Wenn der Endkunde ein neues Haus baut, ist ihm die Heizung weniger wichtig. Er ist dann zum Beispiel eher an einer schönen Küche interessiert. Wenn er das Haus saniert, legt er dann Wert auf die Qualität eines Schweizer Produkts und sucht die Heizung genau aus. Dafür ist er bereit zu investieren. Wir befinden uns in einem harten Wettbewerb, kämpfen aber nicht über die Preise.

Seit 1989 ist nicht nur Ihre Firma, sondern auch die Regulierung gewachsen, zum Beispiel mit der Luftreinhalteverordnung (LRV) des Bundes. War das manchmal ein Krampf, die neuen Regeln einzuhalten?

Die LRV entstand ja daraus, dass der Kanton Zürich mit seiner Norm die Emissionswerte halbierte. Unter Druck kam die Heizungsbranche dann vor allem wegen der Herausforderung, die neuen Werte nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch in der Praxis einzuhalten. Da war ein grosser Entwicklungsschub. Früher hatte man Holz- oder Ölkessel, die einfach feuerten und fertig. Heute haben wir hocheffiziente technische Apparate, die alle zwei Jahre vor Ort mit einer Feuerungskontrolle geprüft werden.

Wie stehen Sie zur Energiewende?

Ich äussere mich nicht politisch. Aber im Grundsatz bin ich überzeugt, dass das Potenzial vorhanden ist, um neue Wege zu beschreiten. Dazu gehören zum Beispiel unsere Wärmepumpen. Unabhängig davon wären hierzulande in den nächsten Jahren rund 1,2 Millionen fossile Feuerungen zu ersetzen.

Werden Sie dereinst nur noch Wärmepumpen verkaufen?

Wann es so weit ist, kann niemand wissen. Die sehr effizienten Gas- und Ölbrennwertgeräte wird es noch lange geben. Öl wird zwar etwas mehr in die Diskussion kommen, aber nicht verschwinden. Gerade Grossbetriebe unter unseren Kunden – zum Beispiel Spitäler wie das Spital Limmattal oder grosse Produktionsbetriebe, Gärtnereien et cetera –, sind darauf angewiesen, im Notfall auf fossile Brenner zurückgreifen zu können, wenn erneuerbare Energien ausfallen. Im Bereich der Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser verkaufen wir in der Schweiz heute noch wesentlich mehr Öl- und Gasbrenner als Wärmepumpen. Das ist die Realität, sie hat auch mit dem Preis zu tun. Die Brennwertgeräte haben zudem einen guten Wirkungsgrad von fast 100 Prozent, da kann zum Beispiel ein Atomkraftwerk nicht mithalten.

Eine andere Entwicklung ist die Fernwärme. Sie stösst der Heizöl-Branche sauer auf. Mit dem Grossausbau der Limeco-Regiowärme entwickelt sich dieser Bereich auch im Limmattal stark. Wie stehen Sie zu dieser Heizform?

Zum einen machen wir damit auch ein Geschäft, denn unsere Grossbrenner werden auch von Fernwärmebetreibern installiert, um bei Ausfall der Wärmequelle, zum Beispiel der Kehrichtverwertungsanlage, die Wärmelieferung zu übernehmen. Gleichzeitig eliminieren wir mit einer solchen grossen Anlage unzählige Gelegenheiten für Einzelanlagen. Darum schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Obwohl Weishaupt eine deutsche Unternehmung ist, produziert sie heute noch in Sennwald SG. Die Mehrheit der Geräte wird nach Europa exportiert. Käme das anderswo nicht billiger?

Man muss neben den Löhnen auch die Arbeitszeiten, Ferien und so weiter anschauen. Je nachdem, mit welchem Land man es vergleicht, arbeiten die Schweizer zehn Wochen mehr pro Jahr. Sie haben auch einen grösseren Arbeitsfrieden. Und das Bekenntnis zur Schweiz spricht für uns. Auch die Gemeinde Geroldswil muss keine Angst haben, dass wir unseren Hauptsitz plötzlich verlegen.

Wie sieht es bei Ihnen mit dem Fachkräftemangel aus?

Ich denke, meine Generation hat ihren Kindern mit auf den Weg gegeben, dass es mit einem Studium oder einer kaufmännischen Lehre gut kommt, da die Banken und Versicherungen damals einen grossen Aufschwung erlebten. Das Handwerk wurde darum vernachlässigt. Darum müssen die Firmen heute manchmal Kompromisse eingehen, wenn sie solche Stellen besetzen. Das ist schade. Denn ein Handwerker, der wirklich gute Arbeit leistet und das Vertrauen der Kunden geniesst, verdient mindestens so viel wie ein Akademiker. Als Heizungsmonteur oder Haustechniker ist man immer gefragt. Mit den neuen Energien wird die Branche weiter wachsen. Ich rate den Jungen zu diesem Weg. Im Finanzsektor werden dagegen mit der Digitalisierung noch sehr viele weitere Stellen wegfallen.

Selber sind Sie etwas mehr als vier Jahre vom Pensionsalter entfernt.

Es war für mich immer wichtig, die Unternehmung so zu führen, dass sie eine gewisse Zeit lang auch ohne mich funktioniert. Mit unseren kompetenten Bereichsleitern geht das sehr gut. Die Nachfolge ist sicher ein Thema, das ansteht. Wenn ich die operative Führung an Jüngere abgebe, werde ich sicher noch im Verwaltungsrat dabeibleiben.

Zum Schluss: Der Weishaupt-Hauptsitz ist bekannt für seine Energieeffizienz und kann sich zum Beispiel im Sommer dank 5000 Metern Rohren im Boden selber kühlen. Im Winter kommt eine Wärmepumpe zum Einsatz. Was tun Sie bei sich zu Hause, um das Klima zu schonen?

Wir haben seit drei Jahren eine Wärmepumpe. Und seit zwei Jahren produzieren wir mit einer Photovoltaikanlage selber Strom. Diese Ausrüstung ist meiner Meinung nach sinnvoll.