Begegnungen
Mit dem Velo fuhr er dreimal um die Welt

25 Jahre lang schaute Heinz Gysin in der Sportanlage Zentrum zum Rechten. In der Freizeit geniesst er schon lange sein sportliches Reisefieber.

Margret Stöcklin
Merken
Drucken
Teilen
Heinz Gysin.

Heinz Gysin.

Grenchner Tagblatt

Der rüstige Rentner bezeichnet sich selbst als ausgesprochenen Sport-Fan, der auch im fortgeschrittenen Alter noch nichts von seiner Begeisterung für schöne Landschaften und ferne Länder verloren hat. «Meine grosse Leidenschaft war schon immer der Sport in der freien Natur», sagt der in Schlieren, nahe der Limmat aufgewachsene Heinz Gysin. Er hat einen Bruder und eine Schwester, mit denen er eine schöne Jugendzeit verbrachte und das Quartier unsicher machte. Sein Spielplatz war die Feldstrasse, wo er wohnte. Damals habe man auf dieser Strasse noch Hockey spielen können, und wenn ein Auto gekommen sei, habe man das Tor kurz auf die Seite geschoben, erinnert er sich.

Mit der Ausbildung als Elektromonteur und dem nachfolgenden Eintritt in die Rekrutenschule ging es mit Riesenschritten ins Erwachsenenleben. Nach dem Militärdienst blieb Gysin seinem erlernten Beruf treu oder nahm berufsnahe Arbeitsstellen an. Als er 30 war, ging er mit seiner grossen Liebe Marlise vor den Traualtar und übersiedelte nach Urdorf, wo er heute noch lebt. «Mit meiner inzwischen verstorbenen Frau habe ich interessante Reisen rund um den Globus gemacht. Am unvergesslichsten sind die sieben Wochen Campingferien in Kanada und den USA von Vancouver bis Los Angeles. Ausserdem haben wir jedes Jahr mindestens eine Wanderwoche in der Schweiz oder im Ausland unternommen», erzählt er.
In dieser Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt in der Sportanlage Zentrum. Mittlerweile ist der gelernte Elektromonteur schon 15 Jahre pensioniert.

Skitouren auf die Viertausender

Er geniesst das Rentnerdasein in vollen Zügen. Gerne blickt er auf die Höhepunkte seiner privaten Sportkarriere zurück, die von Tennis, Wandern, Skifahren und Radfahren geprägt ist. In der Kategorie Skitouren gehören die drei Viertausender bei Saas-Fee im Wallis zu Gysins Glanzlichtern. Heute beschränkt sich sein Skifahren auf die offiziell markierten Pisten.
Auch im Radrennfahren gäbe es viele Spitzen-Erlebnisse, sagt der 77-Jährige. «Im Frühling ging es meistens nach Mallorca oder aufs spanische Festland ins Trainingslager, wobei meine Frau froh war, wenn ich das Haus verlassen hatte, weil sie dann in aller Ruhe den Hausputz erledigen konnte.»

Im Sommer fuhr Gysin dann über die Alpenpässe, wobei er sich unter Kollegen den Spitznamen «Berggeiss» verdiente. Auf der Ebene war er eher der «Hinterradlutscher», wie er zugibt, und fuhr meistens am Ende der Gruppe, da die Mitfahrer infolge seiner etwas klein geratenen Körpergrösse bei ihm wenig Windschatten geniessen konnten. Auch die Fernfahrten Barcelona–Zürich und Zürich–Rom seien einzigartig gewesen, wobei er bei einem dieser Ausflüge auf dem Asphalt landete und von der Rega heimgeholt werden musste.

Das Stilfserjoch erklommen

«Der höchste von mir befahrene Pass war das Stilfserjoch mit 2760 Höhenmetern. Auch einige der von der Tour de France bekannten Pässe sowie jeweils zwei Wochen Radfahren in Nordthailand sowie Bangkok-Phuket gehören zu meinem Leistungsausweis. Alles zusammengezählt bin ich mit dem Velo mindestens dreimal um die Welt gefahren», hat Gysin ausgerechnet. Vor einiger Zeit ist er «seniorenmässig» aufs E-Bike umgestiegen, macht jedoch immer noch Abstecher ins Ausland, wie diesen Frühling nach Marokko, ins Atlasgebirge oder an den Rand der Sahara. Gysin: «Zu Hause fahre ich am liebsten abseits vom Verkehr und bin gerne im schönen Limmattal unterwegs. Manchmal mache ich einen kleinen Halt, um ein tolles Erinnerungs-Foto zu knipsen.»