Weiningen
Mit dem Kajak via Amsterdam als Ehrengast ans Rebblüten-Fest

Innert 16 Tagen paddelten der Weininger Patrick Roth und der Urdorfer Tino Schmid von Oetwil nach Amsterdam und standen gestern Abend, wie geplant, inmitten des Rebblüetefäschts, um den Abschluss ihres Abenteuers mit einem Bier zu begiessen.

Alex Rudolf
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Mit dem Kajak von Oetwil nach Amsterdam
13 Bilder
In Biwaks verbrachten die zwei die Nächte.
Die Natur an den Flussufern habe die beiden fasziniert.
Gemeinsam mit anderen Böötlern in einer Schleuse ganz zu Beginn der Reise.
Gab es keine Schleuse, hiess es Muskelkraft einsetzen.
Zwischenhalt Basel - Ab hier wurden auch die Schiffe grösser, mit denen die zwei Limmattaler den Rhein teilen mussten.
Solche Wasserverhältnisse blieben zum Glück die Ausnahme.
Mit den Schiffen wurden auch die Schleusen grösser.
Die Wellen, die von den Frachtern ausgingen, stellten sich als Herausforderung heraus.
Ruhig war der Rhein wieder vor Stuttgart.
Ein Bild der Zerstörung zeigte sich nach dem Unwetter im Ruhrgebiet.
Endstation - Die letzten 60 Kilometer bis nach Amsterdam durften nur motorisierte Gefährte passieren.
So ging es von Amsterdam zurück ins Limmattal.

Mit dem Kajak von Oetwil nach Amsterdam

Alex Rudolf

Das Rebblütenfest begann am ersten Junisonntag an der Limmat bei Oetwil. In ihren vollgepackten Kajaks zogen die beiden von dannen und liessen ihre Familien im Limmattal zurück.

Der erste Schreckmoment kam für Patrick Roth bereits bei Baden. Wegen der schnellen Strömung kippte sein Kajak. «Kopf unter», kommentiert er den Zwischenfall.

«Obwohl es meine erste Kajak-Tour war, habe ich einen kühlen Kopf bewahrt und konnte mich relativ locker befreien. Ausser, dass ich patschnass war, ist nichts passiert», so Roth.

Schnell habe auf dem Wasser sich eine Art Alltag eingependelt. Nach dem Frühstück mit Kaffee ging es aufs Kajak flussabwärts. Jeweils nach 10 Kilometern pausierten die beiden. «Am Ufer ist die zurückgelegte Distanz in 100-Meter-Schritten beschildert», so Schmid. Dies sei teilweise recht entmutigend gewesen: «Man hatte das Gefühl, nicht weiterzukommen.» Eine Mittagspause machten die beiden nicht, eine richtige Mahlzeit gab es erst abends.

Bei Basel kamen den Abenteurern die ersten grossen Frachtschiffe entgegen, die von nun an ein stetiger Begleiter sein sollten. «Wenn man aufmerksam ist, dann kann einem nichts passieren», so Roth. Trotzdem begann nach dem Rheinknie eine der härtesten Abschnitte der Reise. «Bei Basel unterbrechen mehrere Schleusen den Flusslauf. Daher ist die Strömung dort sehr gering», so Schmid. Die beiden hätten zeitweise das Gefühl gehabt, stehen zu bleiben.

Freie Fahrt nach Iffezheim

Die Erlösung kam schliesslich im baden-württembergischen Iffezheim. Von da an war der Rhein von sämtlichen Schleusen befreit, eine angenehme Strömung reduzierte die körperliche Anstrengung um einiges. Sie trieben am Europaparlament in Strassburg vorbei, nach Koblenz und schliesslich weiter in Richtung Norden.

Die Nächte verbrachten die zwei Freunde in Biwaks auf Campingplätzen, an Flussufern, einmal sogar in der Lounge eines Jacht-Klubs. «Auf dieser Reise haben wir allerlei Menschen kennen gelernt. Als sie hörten, was wir vorhatten, entstand schnell ein Gespräch. Manche organisierten uns sogar Schlafplätze oder besorgten uns Brot», so Roth.

Bild der Zerstörung

Auf der Höhe von Düsseldorf entgingen Roth und Schmid haarscharf einem Unwetter. «An unserem Schlafplatz hat es glücklicherweise nur stark geregnet und gewindet. Einige Kilometer weiter zeigte sich am Folgetag aber ein Bild der Zerstörung», sagt Roth. Entwurzelte Bäume am Ufer, die Meldung von mehreren Todesfällen und der Einsatz von rund 800 Polizisten machte ihnen bewusst, dass sie grosses Glück hatten.

Nach 16 Tagen und 925 zurückgelegten Kilometern dann die Ankunft in Amsterdam: «Dort anzukommen, war ein unbeschreibliches Gefühl.» Der einzige Wermutstropfen war, dass die letzten 60 Kilometer Fluss bis zur Stadt ausschliesslich motorisierten Booten vorbehalten war. Was würden Sie heute anders machen? «Ein Segel und weniger Gepäck wären praktisch», sagt Schmid wie aus der Pistole geschossen. Dass Roths Vater die beiden in der niederländischen Metropole mit dem Auto abholte, dieses Angebot würden die beiden aber sicherlich wieder in Anspruch nehmen.

Das Abenteuer ist für die beiden jedoch noch nicht ganz vorbei, da noch ein grosser Tag auf sie wartet. Ihre Aktion hat sie nicht nur nach Amsterdam, sondern auch auf einen Wagen am morgigen Festumzug des Rebblüetefäschts gebracht. «Wir werden gemeinsam mit Ehrengast Leo Niggli und den Gemeinderäten mitfahren dürfen. Ein wunderbarer Abschluss dieser Reise.»

Hier geht es zum Blog der Reise von Patrick Roth und Tino Schmid.