Das Spektakel dauerte am Ende nur knapp neun Minuten: Länger brauchte der Transporthelikopter nicht, um zwei Bagger zu je drei Tonnen sowie technisches Gerät vom Bauplatz im Norden des Spitals Limmattal auf das Dach des alten, leerstehenden Spital-Hochhauses zu hieven.

Diesen Transport, der das Ende des ehemaligen Spitalgebäudes definitiv einläutet, wollten sich auch Ärztinnen, Pfleger und Verwaltungsangestellte nicht entgehen lassen. Kurz vor 14.15 Uhr am Dienstagnachmittag fanden sich ein Dutzend Personen in der Nähe des Landeplatzes für den Rettungshelikopter auf der sechsten Etage des Neubaus ein. Als sie Motorenlärm vernahmen, zückten viele ihr Mobiltelefon und richteten die Kamera gegen den grauen Himmel. Doch es war falscher Alarm, wie einer der Anwesenden feststellte. Das Dröhnen komme nicht von oben, sondern von unten. Er wies auf die Urdorferstrasse hinab, auf der ein alter Betonmischer vorbeifuhr.

Der Schwerlasthelikopter liefert den Abbruchbagger aufs alte Spitalhochhaus

Der Schwerlasthelikopter liefert den Abbruchbagger aufs alte Spitalhochhaus

Ein Kamov KA 32 A12 mit seinem auffälligen Doppelrotorsystem lieferte den Elektrobagger, der das oberste Geschoss des alten Hochhauses vom Spital Limmattal abreissen wird, durch die Lüfte. Die Anlieferung erfolgte am 30. April um 14.15 Uhr. Die Abrissarbeiten am 15-geschossigen Spitalhochhaus dauern bis November.

Das alte Spitalgebäude mit seinen 15 Geschossen, das dank des Neubaus nicht mehr benötigt wird, verschwindet in den kommenden Monaten langsam. Anfänglich habe man auch an eine schnelle Sprengung gedacht, sagt Caroline Feldmann, die auf Spitalseite die Bauprojekte koordiniert. Doch habe man diese Option am Ende doch nicht wirklich geprüft. Zu nah liegt der Spitalneubau, der im vergangenen Herbst eingeweiht worden war und längst in Vollbetrieb steht. Doch auch die nun gewählte Abrissmethode ist nicht gerade einfach: Das Hochhaus wird – vereinfacht ausgedrückt – von oben her abgeknabbert.

Der Kamov kam pünktlich

Deshalb brauchte es am Dienstagnachmittag diesen Schwerlasthelikopter von Heliswiss für knapp neun Minuten. Ein Kamov KA 32 A12 mit seinem auffälligen Doppelrotorsystem näherte sich wie angekündigt pünktlich um 14.15 Uhr dem Spital und drehte über dem alten Hochhaus eine schwungvolle Runde.

Oben auf dem Dach des Neubaus zückten die Spitalangestellten wieder ihre Handys. Unten auf dem Trottoir blickten weitere Frauen und Männer in weissen Kitteln sowie zahlreiche überraschte Passanten gebannt in den Himmel. Der Helikopter, der bis zu fünf Tonnen transportieren kann, ging etwas tiefer, verschwand zeitweise hinter dem Hochhaus. Am herabbaumelnden Transportseil befestigten derweil Arbeiter am Boden rasch den ersten kleinen Elektrobagger. Kurz darauf war dieser schon auf dem Dach des 15-geschossigen Gebäudes abgesetzt. Auch der zweite Bagger war schnell auf dem Dach abgeladen. Es folgte, mit einem dritten Kurzflug, zusätzliches Material.

3 Tonnen, 19 Tonnen, 100 Tonnen: Es kommen noch schwerere Bagger

Mit diesen Baumaschinen und Gerätschaften startet nun der Rückbau des Spitalgebäudes. Die kleinen Bagger – Caroline Feldmann spricht von «Baggerli» – werden als erstes die Dachaufbauten abbrechen. Sie schaffen so den Platz, damit ein richtiger Bagger eingesetzt werden kann: In etwa drei Wochen wird ein Raupenbagger mit einem Gewicht von 19 Tonnen auf das Dach gehievt – dannzumal nicht mehr mit einem Helikopter, sondern mit einem Pneukran. Dieser Bagger wird zunächst vom 14. Stock aus das darüber liegende Geschoss abbrechen. Über eine Rampe bewegt er sich in der Folge Etage um Etage nach unten. Der dabei anfallende Bauschutt wird kontinuierlich über die ehemaligen Liftschächte abgeworfen. Er kann so im Erdgeschoss zusammengeschaufelt und anschliessend über die Färberhüslistrasse abtransportiert werden.

Der grosse Bagger wird sich bis zur achten Etage hinunterarbeiten. Er dürfte dafür etwa vier Monate benötigen, wie Caroline Feldmann erklärt. Die verbleibenden Geschosse – sowie die beiden Untergeschosse – werden dann vom Boden aus mit einem Raupenbagger mit Kragarm zurückgebaut. Das Gefährt mit einem Gewicht von 100 Tonnen wird rund drei Monate im Einsatz stehen.

Ständige Statik-Berechnungen

Eine grosse Herausforderung bei den Abbrucharbeiten von oben nach unten stellt die Statik des Gebäudes dar, sagt Caroline Feldmann. «Es wird während den Arbeiten ständig berechnet, wo sich die Bagger aufhalten dürfen und welche Teile sie abbrechen dürfen.»

Der rote Kamov-Helikopter flog derweil nach seinem kurzen Einsatz bereits wieder über das Limmattal davon. Die Dauer des Spektakels sei ideal gewesen, meinte ein Spitalmitarbeiter lachend. Er habe für einmal alles gesehen – bei einem Fussballmatch fielen die Tore selten in seiner kurzen Pause.

Und jetzt: Kommen Sie mit auf einen Rundgang durchs neue Spital Limmattal