Geroldswil
Mit dem E-Bike auf Verbrecherjagd: Nicht nur die Dorfpolizei ist begeistert

Die Dorfpolizisten sind neu mit einem E-Bike unterwegs. Das freut das Volk.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Mit dem E-Bike flitzt Gemeindepolizist Eric Müller um eine Kurve bei der Ruggstrasse.

Mit dem E-Bike flitzt Gemeindepolizist Eric Müller um eine Kurve bei der Ruggstrasse.

David Egger

Wenn Gemeindepolizist Eric Müller in die Pedalen tritt, ist er zügig unterwegs: Mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde flitzt er durch Geroldswil, und das auf einem Zweirad – genauer auf einem Flyer, Modell Vollblut 500, ein Schweizer Fabrikat. Die Zahl am Ende steht für den 500 Watt starken Motor, der durch einen herausnehmbaren Akku gespeist wird.

Für 5800 Franken hat die Gemeinde das Gerät Mitte April bei einem Velohändler aus dem Dorf gekauft. Nun, nachdem das E-Bike seit einem Monat im Einsatz ist und der Kilometerzähler bereits eine dreistellige Zahl anzeigt, sind die Gemeindepolizisten Eric Müller und Martin Küng bereit, Auskunft zu geben über ihre neuste Waffe im Kampf gegen das Unrecht.

Velokontrollen werden einfacher

«Die Leute schauen uns manchmal an, als würden wir vom Mond kommen», sagt Müller. Denn eigentlich sind sich die Geroldswiler gewohnt, dass Küng und Müller zu Fuss oder mit ihrem Dienstwagen, einem Volvo XC70, für Recht und Ordnung sorgen. Doch so gross das Erstaunen bei den Geroldswilern auch ist: Die Idee von Sicherheitsvorstand Martin Conrad (SVP) mit dem Segen des Gesamtgemeinderats hat sich offenbar gelohnt. «Wir sind näher bei den Leuten», sagt Eric Müller. Das zeige sich besonders, wenn die Polizei andere Velofahrer kontrolliert. «Die Radfahrer verhalten sich uns gegenüber offener, weil wir wie sie auch auf dem Velo unterwegs und damit auf Augenhöhe mit ihnen sind», sagt Müller. Auch bei anderen Kontrolltätigkeiten lohne sich das neue Fahrzeug – zum Beispiel am Limmatufer, dessen Wege man mit dem E-Bike einfacher befahren kann.

Mit ihrem Velo sind die beiden Geroldswiler Gesetzeshüter einmalig – die Polizeikorps in Dietikon, Schlieren und Zürich haben zwar je eine Bike-Gruppe, aber keine E-Bikes. Sie können sich nur auf ihre eigene Muskelkraft verlassen. Darum sind die Dietiker mit den Zweirädern explizit nicht im steilen Süden der Stadt unterwegs. Auf der anderen Seite der Limmat ist es genau umgekehrt: «Das E-Bike ist perfekt für die vielen steilen Strassen, die wir in Geroldswil haben», sagt Martin Küng. Sein Kollege Eric Müller demonstriert beim Fototermin sogleich, mit welchem Tempo er die steile Ruggstrasse emporsausen kann. Beim Herunterfahren muss er dagegen kräftig an den Bremsen ziehen.

Gefährt sorgt für Gesprächsstoff

Ein Geroldswiler, der mit einem dicken Offroader die Strasse herunterfährt, hält sogleich an und spricht Müller auf das Velo an. «Soso, ein Elektromotor, seid ihr wieder am tricksen!», sagt der Mann und lacht. Die Szene zeigt exemplarisch, wie das E-Bike für eine gute Stimmung zwischen Polizisten und Bevölkerung sorgt. Passanten beginnen einfach so ein Gespräch mit der Gemeindepolizei.

Auch Polizisten anderer Limmattaler Gemeinden klopfen gegenüber Müller und Küng Sprüche. «Ein paar davon hätten sicher auch gerne ein E-Bike», sagt Eric Müller, der auch privat eines besitzt.

E-Bikes werden unterschätzt

Wie es sich für jeden Verkehrsteilnehmer gehört, halten sich die beiden Gemeindepolizisten an die Regeln, wenn sie sich auf den Sattel schwingen. «Auf dem E-Bike muss man die anderen Verkehrsteilnehmer noch besser beobachten, weil diese die Geschwindigkeit von E-Bikes unterschätzen», sagt Küng. Dank ihrer Polizei-Leuchtweste sind die beiden Gemeindepolizisten aber schon von weitem zu erkennen. Einen Velohelm tragen sie freilich auch. «Zum Glück sind wir hier nicht in Italien», sagt Küng. Denn die italienischen Verkehrsregeln sehen vor, dass man auf derart leistungsfähigen E-Bikes wie dem Flyer Vollblut 500 einen Töffhelm tragen muss. In der Schweiz reicht ein Velohelm. «Hoffentlich bleibt das auch in Zukunft so», sagen Küng und Müller.

Mit dem neuen E-Bike freuen sich die beiden über schönes Wetter. Denn bei Regen bleibt ihr Flyer in der Garage.