Mitra Devi
Mit dem Blutsfeind: Ein Literaturstar kehrt in die Heimat zurück

Die erfolgreiche Zürcher Autorin Mitra Devi machte in der Bibliothek Oberengstringen Lust auf einen tieferen Einblick in ihre Geschichten. Die Lesung war sozusagen ein Heimspiel: Sie ist im Ort aufgewachsen.

Christoph Merki
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Die Zürcher Autorin Mitra Devi legt Wert auf Details. CHM

Die Zürcher Autorin Mitra Devi legt Wert auf Details. CHM

Was haben ein Schlachthaus und eine Zürcher Bank gemeinsam? Grundsätzlich wohl nicht viel, es sei denn, man wolle angesichts der heutigen Zeit besonders böse werden. Doch im neuen Kriminalroman von Mitra Devi, der erfolgreichen Zürcher Schriftstellerin, spielen die beide Orte eine zentrale Rolle.

Die Waffe in der Hand

Mehr darüber erfuhren die interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer, denen die mit spitzem Wortwitz gesegnete Autorin in der Bibliothek Oberengstringen aus ihrem neusten Werk «Der Blutsfeind» vorlas. Nur schon auf den wenigen Seiten wird klar: Devi legt Wert auf Details. Wie der Bankräuber sich frühmorgens im Spiegel betrachtet, erscheint aufgrund der präzisen Beschreibung lebhaft vor dem geistigen Auge. Auch seine Waffe, eine «Taurus» Pistole vom Kaliber 9 Millimeter, können die Zuhörer fast schon in den Händen spüren. «Für dieses Buch habe ich bei der Zürcher Polizei, aber auch bei einem Waffenhändler und in der Rechtsmedizin in St. Gallen recherchiert», begründet die Autorin ihr profundes Wissen. Daher erstaunen die sehr authentischen Facetten in ihrer Geschichte kaum noch.

Auch wenn Mitra Devi schon viel in der Welt herumgekommen ist, in Israel gewohnt und durch Indien gereist ist, Zürich ist und bleibt der zentrale Punkt in ihren Geschichten.

«Die Figuren sind menschlich»

Auch in Devis fünftem Buch hält die sympathisch wirkende Privatdetektivin Nora Tabani die Limmatstadt auf Trab. Die Autorin nimmt sich jedoch die Freiheit, fiktive Orte und Personen in ihre Geschichten einzubinden. «Schneidet jemand gut ab, halte ich mich an reale Begebenheiten. Die Bank in meinem aktuellen Roman ist jedoch erfunden», erklärt Devi. Die Spezialeinheit «Skorpion» der Zürcher Stadtpolizei und ihre Vorgehensweisen hingegen seien sehr realistisch beschrieben, wie sie verrät. Von ungefähr kommt die Verbundenheit mit der Schweizer Grossstadt nicht. So wohnt die Wortakrobatin nicht nur in Zürich, sondern ist passend zum Ort der Lesung, in Oberengstringen aufgewachsen.

Ihre Herkunft ist es denn auch, die Adrian Basset an die Lesung gelockt hat. «Ich finde es spannend, dass sie aus unserer Gegend ist, das gibt Nähe und ist etwas anderes als ein Autor aus Übersee», erklärt er.

Bitterböse Lyrik

Die Entstehung von «Der Blutsfeind» wurde gleichzeitig zu einem Filmprojekt. Bea Huwiler hat die Autorin mit ihrer Kamera während der Schreibarbeiten und den Recherchen begleitet und die Aufnahmen mit actionreich umgesetzten Szenen aus dem Buch ergänzt.

Nebst den Romanen schreibt Mitra Devi aber auch Gedichte. «Diese kann ich aber nur schreiben, wenn ich krank bin», eröffnet sie schmunzelnd. Vor allem Liebhaber von schwarzem Humor kommen bei den fast schon als Kurzgeschichten erscheinenden Gedichten auf ihre Kosten. Nicht umsonst umschreibt sie diese Werke als «bitterböse Lyrik».

Vor allem die Lebhaftigkeit und die detaillierten Beschreibungen gefallen Claudia Haag: «Ihre Figuren kommen richtig menschlich rüber.» Den spitzen Humor in den Erzählungen begeistert hingegen Nelly Hauser und hat sie dazu bewogen, den Ausflug in die Bibliothek anzutreten. «Ausserdem hat es mich interessiert, wie sie als Person ist.»