Region Limmattal

Mit dem alten Werkzeug geht es neu weiter

René Koch in seiner neuen Werkstatt: Morgen Freitag feiert er die Eröffnung.

René Koch in seiner neuen Werkstatt: Morgen Freitag feiert er die Eröffnung.

Nach dem Aus des Dietiker Motoport Valten hat Mechaniker René Koch eine Lösung gefunden: Er richtet sich in einer Autogarage ein.

René Koch wagt einen Neustart. Doch neu ist daran eigentlich gar nicht so viel; so sind selbst die Werkzeuge, die der Motorradmechaniker-Meister benutzen wird, dieselben, die er auch schon früher verwendet hatte. «Sie sind jetzt aber anders angeordnet», sagt er lachend.

Der 55-Jährige hatte rund 25 Jahre als Werkstattleiter bei Motoport Valten und dessen Vorgängerfirmen gearbeitet. Das Dietiker Unternehmen schloss Ende August seine Türen; die Margen waren in den vergangenen Jahren kleiner geworden, die Miete im Zentrum blieb derweil unverändert hoch, und dann hätte auch der Laden wegen den Vorgaben eines Töffherstellers umgestaltet werden müssen. Dass sein damaliger Chef angesichts dieser Rahmenbedingungen die Investition nicht mehr tätigen wollte und das Geschäft dichtmachte, stuft Koch noch immer als nachvollziehbar ein. «Als aber der Entscheid fiel, war das doch ein Schock für mich.»

Es muss derselbe Job sein

Als er die Kündigung auf dem Tisch hatte, überlegte er sich, wie es weiter gehen solle. Auch Alternativen, etwa einen Berufswechsel, zog er in Betracht. Aber nur kurz. Denn: «Meine Arbeit macht mir halt Freude», sagt Koch. Er schaffe gern an einem Töff. Nach all den Jahren wisse er, wie mit einem solchen umzugehen ist. «Ich habe gespürt, dass es für mich einfach der richtige Job ist.»

Nun wird er morgen Freitagnachmittag bis in den Abend hinein seine neue Werkstatt einweihen: Diese konnte er bei Sulzer Auto im Hackacker in Urdorf einrichten – er hat dort einen Teil des Showrooms in eine Motorradecke umfunktioniert. Wenn ein ausgewiesener Fachmann wie Koch auf dem Markt verfügbar sei, müsse man doch zugreifen, sagt Geschäftsführer Hans-Jürg Sulzer. Und er nutzte diese Möglichkeit, um sein Geschäftsfeld auszuweiten: «Neben unserem Garagenbetrieb können wir mit den Motorrädern ein zweites Standbein aufbauen.» Koch ist als Betriebsleiter dieser neuen Töff-Sektion angestellt.

Dabei profitiert der ehemalige Werkstattleiter von Motoport Valten gleich doppelt von seinem früheren Arbeitgeber. So darf er einerseits auf deren Kundenstamm zurückgreifen. Auf der noch immer aktiven Valten-Internetseite wird denn auch darauf hingewiesen, dass das Geschäft zwar leider geschlossen sei, aber «unser Mechaniker René Koch Euch gerne weiter bei Moto Sulzer in Urdorf bedient».

Und andererseits konnte die Auto Sulzer AG, die nun auch über eine Moto-Sulzer-Abteilung verfügt, fast die gesamte Werkstatt mit allen Maschinen, Schraubenziehern und einem Teil des Lagers erwerben. Hinzu kommt, dass am neuen Standort, wo ein Teil des Showrooms umgenutzt wird, keine zusätzliche Fläche angemietet werden müsse. Die Start- und die Folgekosten seien damit vergleichsweise tief. «Die Ausgangslage ist also gut», fasst Koch zusammen.

Bald wieder ein Lehrling

Hans-Jürg Sulzer denkt denn auch bereits über einen ersten kleinen Ausbau nach; er will auch für seine neue Töffsparte eine Lehrstelle schaffen. Das ist für Koch ein weiterer Glücksfall, wie der Motorradmechaniker-Meister selber im Gespräch erklärt. Doch jetzt müsse es endlich Freitag werden, sagt René Koch. Er blickt zu seinen Werkzeugen an der Wand:«Es ist alles bereit für den Neuanfang.»

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