Oetwil
Mit beschwingtem Jazz rütteln sie das «Zentrum des Universums» wach

An der Matinée des Jazz-Clubs Oetwil ging musikalisch die Post ab. Doch den Präsidenten des Clubs plagen im Moment Sorgen um das Weiterbestehen des Vereins.

Christian Murer
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Gut besuchte Jazz-Matinée (Vom 24.03.2014).

Gut besuchte Jazz-Matinée (Vom 24.03.2014).

Christian Murer
Die Sonntagsmatinée des Jazz-Clubs Oetwil

Die Sonntagsmatinée des Jazz-Clubs Oetwil

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Für einmal war Oetwil das Zentrum des Universums. Zumindest sah das Bob Barton, Leadsinger und Pianist des Duos Bob Barton und Thomas Fahrer, so, als er in der Gemeindescheune spielte. «Wir spielen heute im Zentrum des Universums», sagte er mit einem schelmischen Lächeln zu Beginn der 29. Jazz-Matinée des Jazz-Clubs Oetwil am Sonntag.

Mit einem Boogie-Woogie eröffneten die beiden Musiker den stimmigen Jazzmorgen. Viele Eigenkompositionen von Bob Barton wie «Boogie Street», «Cool As A Fool», «Hitman Boogie» oder der «Belvedere Blues» sorgten für eine beschwingte Stimmung im Saal. Ein Stück zum Verweilen und Träumen war hingegen die wunderschöne Ballade «Georgia On My Mind» von Ray Charles. Und die weltbekannten Melodien von Louis Armstrong erinnerten daran, was für ein grossartiger Musiker dieser gewesen war. Traumwandlerisch, stilsicher und vielfach wie ein Sturmgewitter flogen Bartons Hände über die Tasten seines Keyboards. Mit seiner kräftigen und rauchigen Stimme kehrte der Brite zuweilen sein Innerstes nach aussen.

Sein persönlicher Gesang berührte, die Lieder wirkten glaubhaft und authentisch. Aber auch die Schlagzeugsoli von Thomas Fahrer waren eine Klasse für sich. Der 59-jährige Berner zeigte sich als unglaublich swingender Trommler. Schlicht phänomenal war dabei das Zusammenspiel der beiden Akteure. Fahrer schlug spannungsvoll und präzis den Rhythmus und lockte Barton dynamisch aus der Reserve. Schlagzeug und Piano näherten sich einander an, tanzen gemeinsam und warfen sich spielerisch den Ball hin und her.

Zwei Zugaben nach viel Applaus

Etwas schade nur, dass sich die über hundertköpfige Jazzschar bei den ersten zwei Sessions etwas gar verhalten zeigte. Denn erst im dritten Teil sprang der Funke vom Duo zum Publikum über. Die Jazzfans klatschten im Rhythmus und sorgten so für eine ausgelassene Stimmung. Die begeisterten Zuhörer applaudierten grosszügig und konnten sich so noch zwei Zugaben ergattern.

Zu den begeisterten Zuhörern gehörte auch Gemeindepräsident Paul Studer. «Die beiden Musiker haben mit Piano und Schlagzeug einen starken Boogie-Woogie gespielt, der mir sehr gefallen hat», sagte er. Er höre aber ebenso gerne klassische Musik, so Studer: «Mein Lieblingskomponist ist ganz klar Mozart.»

Auch Hermann «Mäni» Pfister, Präsident des Jazz-Clubs Oetwil, war des Lobes voll: «Da läuft etwas ab, das wirklich fetzt und schletzt.» Weniger euphorisch beurteilte er das Weiterbestehen seines Clubs: «Die Zukunft sieht im Moment nicht gerade rosig aus, weil nach meinem bald dreissigjährigen Engagement kein Nachfolger in Sicht ist.» Allerdings: Das 30-Jahr-Jubiläum im kommenden Jahr wolle er schon noch gebührend feiern.