Ein Schweizer Informatiker hat im Stadthaus in Schlieren wiederholt für Unruhe und Polizeieinsätze gesorgt. Dies geht aus einem jetzt eröffneten Urteil der Staatsanwaltschaft I für besondere Untersuchungen hervor. Demnach ist der Beschuldigte am Nachmittag des 12. Juni 2015 im Stadthaus erschienen und sei offenbar sehr schlecht gelaunt gewesen. So sprach er in gereizter Stimmung eine Schalterbeamtin an und verlangte von ihr, dass sie sogleich eine leitende Person des Stadthauses oder des Sozialamtes holen sollte. Zudem verlangte er mit den Worten «Wo isch min Stutz?» Geld.

Als die Angestellte nicht sogleich reagierte, schlug der rabiate Besucher seine Mappe auf den Schaltertisch und drohte, dass er jetzt das Haus auseinandernehmen werde. Dann ging er sehr schnell durch eine Glastüre in Richtung des Sozialamtes. Deshalb befürchtete die Geschädigte einen Amoklauf und drückte daher auf den Alarmknopf, worauf die Polizei den aufgebrachten Beschuldigten stoppen konnte.

Koffer mit «Bombe» deponiert

Zwei Wochen später tauchte der Beschuldigte erneut im Stadthaus auf und sprach wiederum die ihm bereits bekannte Schalterbeamtin an. Diesmal trug er einen Koffer auf sich und erklärte ihr, dass er für eine halbe Stunde wegmüsse und das Gepäckstück stehen lassen würde. Dabei versicherte er mit ironischem Unterton, dass sich darin keine Bombe, sondern nur Kleider befinden würden: «Es sind zehn Kilogramm Sprengstoff, äh Wäsche darin.»

Dann entfernte er sich. Mit der Folge, dass die Frau erneut grosse Angst bekam, diesmal vor einem Bombenanschlag. Sie alarmierte die Polizei, die schnell vor Ort eintraf und mit viel Aufwand feststellen konnte, dass sich keine Bombe im fraglichen Koffer befand.

Die verängstigte Angestellte des Stadtbüros erstattete in der Folge Anzeige. Mit strafrechtlichen Folgen. So leitete die Staatsanwaltschaft I für besondere Untersuchungen Ermittlungen gegen den Behördenschreck ein und verurteilte ihn kürzlich wegen mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Beamte zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken – bei einer Probezeit von zwei Jahren. Hinzu kamen eine zu bezahlende Busse von 300 Franken sowie die Auferlegung der Verfahrenskosten von weiteren 1000 Franken.

Die Untersuchungsbehörden stellten dem Täter grundsätzlich eine günstige Prognose. Wohl zu Recht. Da der verurteilte Informatiker inzwischen in Zürich lebt, ist eine Wiederholungsgefahr wohl kaum mehr gegeben. Der Entscheid ist laut Staatsanwaltschaft I rechtskräftig.