«Man müsste den modernen Jazz verbieten.» Denn alles, was verboten werde, gewinne noch viel mehr an Attraktivität, begrüss Martin von Aesch das Publikum im Oberengstringer Jazzclub Allmend. Nun, verboten ist der moderne Jazz noch nicht. Und so konnte der Präsident des Jazzclubs am Samstagabend die Formation Chimaira auf der Bühne begrüssen.

Die von Schlagzeuger Alex Huber zusammengestellte Band ist nach der Chimäre, einem aus der griechischen Mythologie stammenden Mischwesen aus Ziege, Löwe und Drache benannt. Ein Bild, das gut zur Musik der Band passt, die neben Huber aus Philipp Gropper (Saxofon), John Schröder (Piano) und Oliver Potratz (Bass) besteht. So Huber streicht zu Beginn seine Drums mit verschiedenen Gegenständen. Potratz bearbeitet seinen Bass mit Xylofonsticks. Man hat den Eindruck in er Werkstatt zu sein, in der jeder Musiker an seinem eigenen Rädchen schraubt. Jeder scheint den anderen überbieten zu wollen. Allmählich steigert sich die Musik zu höchster Intensität.

In Berlin kennen gelernt

Der in Zug wohnhafte Huber hat seine Mitmusiker in Berlin kennen gelernt. Alle Kompositionen stammen von ihm. Huber nimmt sich Zeit zum Komponieren, indem er sich an den Computer oder an die Drums setzt und den Sound und die Energie in seinem Innern hört und spürt, wie er erklärt. Danach versuche er, das Vorgestellte in Noten zu übersetzen. Der Zauber entfalte seine ganze Wirkung jedoch erst im Beitrag der anderen drei Musiker, in ihrem Zusammenspiel mit je eigenen Interpretationen und Soli. «Je nach Situation entscheiden sich die Musiker anders, sodass jedes Stück und Konzert immer einzigartig bleibt», sagt Huber.

Es ist eine Vorgehensweise, die dem Publikum in Oberengstringen gefällt. Noch völlig von der Energie mitgerissen, meint Zuhörerin Annelies Schneider: «Ich konnte richtig mitfiebern». Für den 83-jährigen Ludwig Rabenbauer ist es sogar das erste Live-Konzert, was modernen Jazz betrifft. «Ich kenne modernen Jazz sonst nur aus Montreux im Fernsehen», verrät Rabenbauer. Im Fernsehen fand er ihn gewöhnungsbedürftig. Doch live sei moderner Jazz ein persönliches Erlebnis. Und für Martin von Aesch war das Konzert einfach «wahnsinnig dicht, spannend und aufregend – und auf höchstem Niveau».