Alt und arbeitswillig
Mit 65 ist die Arbeit noch nicht getan

Nicht alle wollen mit dem Erreichen des Rentenalters in den Ruhestand treten – obwohl dies andernorts zur Bekämpfung des Fachkräftemangels gefördert wird, reagieren grosse Arbeitgeber der Region skeptisch

Alex Rudolf
Merken
Drucken
Teilen
Ihr Fachwissen können Senioren auf viele Arten weitergeben. Beispielsweise in der Schule.

Ihr Fachwissen können Senioren auf viele Arten weitergeben. Beispielsweise in der Schule.

Annika Buetschi / az

Ab wann Arbeitnehmer in die Rente entlassen werden sollen, darüber streitet sich derzeit die Politik. Während sich der Bundesrat kürzlich ihm Rahmen zur Reform der Altersvorsorge 2020 für ein flexibles Rentenalter zwischen 62 und 70 Jahren aussprach, gehen Gewerkschaften und Linksparteien auf die Barrikaden. Nicht zuletzt geht es dabei auch um die Finanzierbarkeit der Altersvorsorge. Diskutiert wird aber auch, wann sich Arbeitnehmer überhaupt pensionieren lassen wollen.

Wie eine Umfrage bei den zwei Limmattaler Städten zeigt, besteht das Bedürfnis, sich nicht mit 65 pensionieren zu lassen. «Bei unseren Angestellten gibt es regelmässig Interesse, über das reguläre Rentenalter hinaus, arbeiten zu wollen», sagt Patrick Schärer. Der Geschäftsleiter der Stadt Schlieren verweist aber darauf, dass man grundsätzlich darauf bedacht sei, die Angestellten regulär zu pensionieren. Eine Weiterbeschäftigung sei dann möglich, wenn die frei werdende Stelle nicht neu besetzt werden könne oder – dies sind Einzelfälle – wenn grössere Projekte noch zu Ende betreut werden sollten. Zeichne sich eine solche Situation ab, dann werde das Gespräch mit dem Angestellten frühzeitig gesucht, so Schärer. Wie viele Personen an einer Weiterbeschäftigung im Rentenalter interessiert sind, werde jedoch nicht statistisch erhoben.

«Limmi» passt Reglement an

Auch in der Dietiker Stadtverwaltung komme es vereinzelt vor, dass Angestellte länger arbeiten möchten, als sie eigentlich müssten. Die Personalverantwortliche Susanne Krähenbühl sagt, dass in diesen Fällen unterschiedliche Lösungen gesucht werden. «Manche möchten nur noch Springer- oder Notfalleinsätze leisten, andere in einem reduzierten Pensum weiterarbeiten», sagt sie. In der Regel finde man eine gute Lösung, doch sei man der Meinung, dass die Angestellten in den wohlverdienten Ruhestand treten sollten.

Erst im vergangenen Jahr passte das Spital Limmattal sein Personalreglement an. Seither können sich Frauen, ohne eine Zusatzbewilligung einholen zu müssen, erst mit 65 pensionieren lassen anstatt mit 64. «Wir haben das Bedürfnis danach gespürt und machen gute Erfahrungen mit dieser Änderung», sagt Spitaldirektor Thomas Brack auf Anfrage. Dass Angestellte auch über das 65. Altersjahr hinaus beim «Limmi» arbeiten möchten, kommt laut Brack hingegen eher selten vor. «Wir haben die Möglichkeit, im Ausnahmefall die Anstellung um ein Jahr zu verlängern. Derzeit nehmen im Spital Limmattal dies rund zehn Personen in Anspruch, was ein sehr kleiner Teil unserer Belegschaft ist.» Brack führt dies darauf zurück, dass man im Spitalbetrieb einerseits stark belastet ist, andererseits grosse Verantwortung trägt. «Wie sich Piloten früher pensionieren lassen, da sie topfit sein müssen, ist es auch wichtig, dass unsere Ärzte und unser Pflegepersonal volle Leistung erbringen, um das Wohl unserer Patienten zu garantieren.» Massnahmen, die künftige Pensionäre dazu bewegen sollen, länger zu arbeiten, sind demnach nicht geplant.

Zürcher Pilotprojekt

Erst diese Woche wurde bekannt, dass auch die Stadt Zürich flexible Lösungen bezüglich des Pensionsalters suchen will. So bewilligte der Stadtrat das Pilotprojekt «66+», das Angestellten des Gesundheits- und Umweltdepartements erlaubt, länger zu arbeiten. Bis 2018 können jene Angestellten, die älter als 66 Jahre sind, bei einem reduzierten Pensum von maximal 60 Prozent weiterarbeiten. Dies gilt jedoch nur für das Personal in Pflegeberufen, im ärztlichen Dienst sowie in klar definierten Funktionen. Damit möchte die Stadt auf den sich abzeichnenden Fachkräftemangel reagieren. «Gleichzeitig möchte das ältere, hochqualifizierte Personal sein Wissen und seine Fähigkeiten weiterhin einbringen», hiess es aus dem Gesundheits- und Umweltdepartement. Bereits im vergangenen März segnete der Stadtrat den gleichen Pilotversuch für das Fahrpersonal des VBZ ab. Bei einer positiven Bewertung nach Ablauf des Projekts könne dies eine Änderung des Personalrechts zur Folge haben.